• Startseite
  • Gesundheit
  • Corona-Impfung bald auch in Deutschland: Wie sollen die Nebenwirkungen überwacht werden?

Corona-Impfung bald auch in Deutschland: Wie sollen die Nebenwirkungen überwacht werden?

  • Die Sicherheit des neuen Corona-Impfstoffs muss auch nach der Zulassung weiter überprüft werden.
  • Allein durch die klinischen Studien lassen sich Nebenwirkungen nicht hundertprozentig ausschließen.
  • Das Paul-Ehrlich-Institut soll eine App entwickeln, um die Meldung von Nebenwirkungen zu erleichtern.
|
Anzeige
Anzeige

Der neue Corona-Impfstoff Corminaty von Biontech und Pfizer wurde in nur wenigen Monaten entwickelt. Und er basiert auf einem neuen Verfahren, das bisher noch nicht zur Anwendung bei Menschen zugelassen wurde. Das Auftreten unerwünschter oder sogar gefährlicher Nebenwirkungen muss daher auch nach der Einführung weiter und besonders gut überwacht werden, da sind sich Experten weitgehend einig. Aber wie kann das gelingen – und welche Maßnahmen sind in Deutschland zur Überwachung der Impfung vorgesehen?

Unerwünschte Nebenwirkungen lassen sich allein durch klinische Studien nie hundertprozentig ausschließen, selbst dann nicht, wenn die Hersteller mehr Zeit dafür aufwenden als im Fall der Corona-Impfung. So war der Impfstoff Corminaty von Biontech und Pfizer in der Phase-III-Studie an etwa 21.000 Probanden getestet worden, wobei keine schweren Nebenwirkungen aufgetreten sein sollen.

Unerkannte Nebenwirkungen können Tausende betreffen

Allerdings ist das nur eine kleine Anzahl, gemessen daran, dass der neue Impfstoff innerhalb kürzester Zeit Milliarden Menschen verabreicht werden soll. Schwere Nebenwirkungen würden in solchen Studien nicht festgestellt, wenn sie nur selten auftreten. Sie könnten bei einer breiten Anwendung aber trotzdem Tausende Menschen betreffen und müssen daher frühzeitig erkannt werden.

Anzeige

Noch dazu wurden überwiegend gesunde und jüngere Probanden geimpft und nur wenige im deutlich höheren Alter. So werden Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen meist von klinischen Studien ausgeschlossen, eben weil sie ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen haben. Dies war auch bei den Studien von Biontech und Pfizer der Fall. Personen mit einer Vorgeschichte starker allergischer Reaktionen durften nicht an den Impfstofftests teilnehmen.

Als dann nach der Notzulassung in Großbritannien zwei Personen mit einer solchen Vorgeschichte geimpft wurden, reagierten sie tatsächlich mit schweren allergischen Symptomen. Die Impfung wird dort seitdem für Menschen, die zu akuten allergischen Reaktionen neigen, nicht mehr empfohlen.

Anzeige

Auftreten allergischer Symptome beobachten

Auch eine Frau in den USA musste wegen schwerer allergischer Symptome nach der Impfung auf der Intensivstation behandelt werden, obwohl bei ihr keine nennenswerte Vorgeschichte von Allergien bekannt war. Eine allergische Reaktion nach der Impfung ist also eine der möglichen Nebenwirkungen, die es dringend weiter zu beobachten gilt.

Immerhin ist hierbei relativ leicht ein Zusammenhang mit der Impfung zu erkennen – solche Reaktionen treten meist wenige Minuten nach der Impfung auf. Die Behörden in den USA und Großbritannien empfehlen daher, Geimpfte eine Viertelstunde nach der Impfung zu beobachten und Notfallmedikamente für den Fall eines lebensgefährlichen allergischen Schocks bereitzuhalten.

Anzeige

Andere mögliche Nebenwirkungen können aber erst Tage oder Wochen nach der Impfung auftreten. Dass ein Zusammenhang mit der Impfung besteht, ist für die Betroffenen selbst dann nur noch schwer zu erkennen.

Wer sich impfen lassen möchte, muss also nicht nur vorab über die möglichen Risiken genau informiert werden. Er muss auch wissen, wann und in welcher Weise sich Nebenwirkungen äußern könnten und wo er diese melden kann. Nur so können mögliche Risiken der Impfung genauer erfasst werden.

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Nebenwirkungen sollen per App gemeldet werden

Jens Spahn kündigte an, dass Nebenwirkungen auch mithilfe einer App gemeldet werden können. Diese werde durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) entwickelt, das als Bundesbehörde unter anderem für die Zulassung von Impfstoffen und deren Sicherheit zuständig ist. In 2018 hatte das PEI bereits eine ähnliche App getestet, um die Nebenwirkungen der Grippeimpfung zu erfassen. Geimpfte konnten unerwünschte Nebenwirkungen damals anonym über die Anwendung SafeVac mit ihrem Smartphone melden. Ebenfalls möglich sein soll eine Meldung über die Seite www.nebenwirkung.bund.de, die schon seit Längerem besteht.

Ob die App und die digitalen Meldewege dann auch von allen älteren Geimpften genutzt werden, bleibt allerdings fraglich. Ein niedrigschwelliges Angebot, das sich speziell an Senioren richtet – wie eine Hotline oder die Überwachung durch den Hausarzt – ist aber offenbar bisher nicht geplant.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen