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  • Corona-Zahlen: Wie hoch ist die Dunkelziffer und welche Auswirkungen haben symptomlose Infektionen?

Wie sich symptomlose Infektionen auf die Corona-Zahlen auswirken

  • 2000 neue Corona-Fälle pro Tag – das klingt zunächst einmal dramatisch, nachdem Deutschland die täglichen Neuinfektionen bereits auf rund 200 Fälle gedrückt hatte.
  • Doch wie viele Menschen, die sich mit dem Covid-19-Erreger angesteckt haben, erkranken wirklich spürbar?
  • 81 Prozent erlebten laut RKI einen milden Krankheitsverlauf.
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Der Fall stammt aus dem eigenen Umfeld. Ein 82-jähriger Mann macht auf Wunsch seines Sohnes, dessen Familie an Corona erkrankt war, einen Test. Das Ergebnis ist zur Verwunderung aller positiv. Der ältere Herr, der sich bester Gesundheit erfreut, ist symptom- und beschwerdefrei. Wenn es auch Ausnahmen sind, so werfen sie zumindest im individuellen Umfeld solcher Patienten die Frage auf, ob bei den staatlichen Maßnahmen nicht punktuell übertrieben wird.

81 Prozent erlebten “milden” Krankheitsverlauf

Das Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht wöchentlich Analysen zu den Corona-Verläufen. Die letzte Auskunft stammt vom 18. August. Darin heißt es: “Es wird angenommen, dass etwa 81% der diagnostizierten Personen einen milden, etwa 14% einen schwereren und etwa 5% einen kritischen Krankheitsverlauf zeigen.” Des weiteren weist das RKI auf eine vergleichsweise hohe Datenunsicherheit hin: Bei allen dem RKI gemeldeten Fällen mit Erkrankungsdatum seit dem 01.03.2020 “ist bei 76.968 Fällen (33%) der Erkrankungsbeginn nicht bekannt bzw. sind diese Fälle nicht symptomatisch erkrankt”.

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Dort überschreitet die Zahl der Corona-Neuinfektionen jeweils 50 Fälle pro 100.000 Einwohner gerechnet auf sieben Tage.  © Reuters

Der Fall-Verstorbenen-Anteil (Case Fatality Rate, CFR) liegt laut RKI aktuell bei 4,0 Prozent. Allerdings ist das keine verlässliche Größe, was die absolute Letalität (Sterblichkeit) von Covid-19 anbelangt. Das RKI schreibt dazu: “Die Letalität beschreibt die Anzahl der verstorbenen Fälle als Anteil der Zahl der (tatsächlich) erkrankten Fälle. Dazu liegen keine verlässlichen Daten vor, weil die tatsächliche Anzahl erkrankter Menschen unbekannt ist und möglicherweise deutlich höher liegt als die Zahl der gemeldeten Erkrankungsfälle. Wenn tatsächlich die Zahl der erkrankten Fälle um einen Faktor 4,5 bis 11,1 unterschätzt ist, dann beträfe das vermutlich v. a. die Zahl der (leichter) Erkrankten, die nicht durch das Überwachungssystem erfasst werden würden. Damit würde sich auch die (näher an der Wirklichkeit liegende) Letalität vermutlich um einen ähnlichen Faktor senken.”

Marieke Degen, stellvertretende Pressesprecherin des RKI, ergänzt gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): “Die Zahl der Verstorbenen war in den vergangenen Monaten bundesweit glücklicherweise zurückgegangen, weil die Fallzahlen insgesamt niedrig waren, weniger Menschen aus Risikogruppen betroffen waren.” Zudem sei der Anteil der jüngeren Betroffenen gestiegen. “Der überwiegende Großteil der schweren Verläufe und Todesfälle betrifft hochaltrige Menschen”, so Degen weiter. “Da die Zahl der Infizierten seit einigen Wochen ja bundesweit wieder zunimmt und auch Ausbrüche in Altenheimen und Krankenhäusern wieder zunehmen und generell die Gefahr besteht, dass das Virus wieder in ältere beziehungsweise Risikogruppen eingetragen wird, muss man auch mit einem Anstieg der schweren Verläufe und der Todesfälle rechnen.”

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Asymptomatische Patienten haben “stattlichen” Anteil an Infektionen

Zum Thema der asymptomatisch Infizierten äußert sich das RKI wie folgt: “Die Fragestellung zum Anteil asymptomatisch Infizierter ist Teil der Antikörperstudien. Wenn die Person keinerlei Symptome hatte, wurde sie in den meisten Fällen vermutlich auch nicht getestet. Um den Anteil sinnvoll abschätzen zu können, muss man also schauen, wie hoch der Anteil Sars-CoV-2-Infizierter in der Bevölkerung ist und war, z. B. durch die Antikörperstudien, und dann Befragungen durchführen, ob die Personen entsprechende Symptome hatten.”

Patienten mit einem aysmptomatischen Krankheitsverlauf sind allerdings nicht harmloser, was die Anzahl an Viren anbelangt. Das ergab unter anderem eine südkoreanische Studie. Mittels Massentests gelang es Forschern in Südkorea bereits Anfang März, asymptomatische Fälle zu identifizieren und zu isolieren. Dabei entdeckten die Wissenschaftler, dass asymptomatische Fälle einen “stattlichen” Anteil an Corona-Infektionen habe. Absolute Zahlen allerdings konnten die Autoren der Studie nicht vorlegen.

Die Patienten mit einem positiven Corona-Test wurden in einer regionalen medizinischen Einrichtung überwacht. So ließ sich die virale Menge bei Nasen- und Rachenabstrichen feststellen. Die Resultate ergaben, dass die 1886 bei der Entnahme symptomfrei Getesteten – inklusive derer, die nie irgendwelche Symptome entwickelten – denselben viralen Anteil in Nase und Rachen hatten wie Testpersonen mit Symptomen.

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Die Studie ergab weiterhin, dass das Virus über einen signifikanten Zeitraum hinweg bei asymptomatischen Patienten nachweisbar war. Die durchschnittliche Dauer von Diagnose bis Negativtest betrug bei Patienten ohne Symptome 17, bei Patienten mit Symptomen hingegen 19,5 Tage. Allerdings, und das ist der Haken an der Studie: Eine valide Auskunft über die Infektiösität symptomfreier Covid-19-Patienten konnten die Wissenschaftler nicht geben.

Ein abschließendes Urteil über die Rolle von symptomfreien Patienten bei der pandemischen Ausbreitung von Covid-19 lässt sich also noch nicht bilden. Es bleibt kompliziert mit Corona – oder, in den Worten des RKIs: “Eine Ausweitung der Testindikationen (z. B. für Reiserückkehrer) oder eine Erhöhung der Testzahl (z. B. im Rahmen von Ausbrüchen oder Studien) kann zu einem Anstieg der Fallzahlen führen, da zuvor unentdeckte Fälle (auch ohne oder mit nur sehr milden Symptomen) detektiert werden. Das heißt aber nicht, dass umgekehrt die steigenden Fallzahlen nur mit dem vermehrten Testaufkommen zu erklären sind.”

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