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  • Corona-Zahlen an Weihnachten: 400.000 Neuinfektionen ohne Maßnahmen - RKI-Vizechef warnt vor exponentiellem Wachstum

RKI-Vizechef warnt: Ohne Corona-Maßnahmen 400.000 Neuinfektionen zu Weihnachten

  • Alle zehn Tage verdoppeln sich die Coronavirus-Fallzahlen, schon jetzt sind Krankenhäuser und Testlabore an der Belastungsgrenze.
  • RKI-Vizechef Lars Schaade warnte bei einer Pressekonferenz erneut vor der Dynamik des exponentiellen Wachstums, wenn die Regeln nicht greifen.
  • Jens Spahn zeigte sich nach seiner eigenen Sars-CoV-2-Infektion demütig – und dankbar.
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Das Corona-Infektionsgeschehen in Deutschland nimmt seit einigen Wochen rasant zu. „Wir müssen verhindern, dass sich das Virus unkontrolliert ausbreiten kann“, betonte RKI-Vizechef Lars Schaade am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Vertretern aus dem Gesundheitswesen. Alle zehn Tage verdoppelten sich derzeit die Fallzahlen. „Wenn das genau so weiterginge, hätten wir an Weihnachten 400.000 täglich gemeldete Neuinfektionen am Tag“, so Schaade.

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Spahn: Sind in entscheidender Phase der Pandemie
2:03 min
Gesundheitsminister Spahn und auch der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, Lars Schaade, sprachen von einer kritischen Lage im Kampf gegen das Virus.  © Reuters

Und das seien nur die offiziell bestätigten Fälle über die Gesundheitsämter. Auch der R-Wert befinde sich seit Anfang Oktober deutlich über 1. Eine Person stecke also mehr als eine weitere an. Die statistische Größe sei in den vergangenen Tagen leicht gesunken. „Das ist ein Hinweis darauf, dass die Kurve im Moment vermutlich etwas flacher wird“, erklärte Schaade. Das sei erstmal nur eine Beobachtung, aber noch keine Trendwende. Das würden erst die kommenden Tage zeigen.

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Corona-Verdacht: PCR-Test nicht bei jeder Erkältung

Jens Spahn äußerte sich zu seiner eigenen Corona-Infektion. Er wisse nicht, in welchem Setting er sich persönlich angesteckt habe. „Ich hatte einen eher milden Verlauf“, sagte der Bundesgesundheitsminister. Er sei demütig, wie die Infektion bei ihm verlaufen sei. „Diese Pandemie ist eine echte Mammutaufgabe – für uns als Regierung und als Gesellschaft.“ Er sei dankbar, dass er sich immer auf das Gesundheitswesen habe verlassen können. Die nationale Strategie zur Bekämpfung des Virus müsse fortlaufend angepasst werden. Beispiele seien dafür etwa die neue Quarantäneverordnung für Reiserückkehrer oder das Verändern der Teststrategie.

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Alle Personen mit Erkältungssymptomen könnten bei einer bundesweiten Kapazität von drei Millionen PCR-Tests pro Woche nicht getestet werden, räumte Schaade ein. „Das ist weder nötig noch erforderlich.“ Es gehe deshalb im Winter darum, effektiv zu testen, weshalb auch die Empfehlungen für Ärzte angepasst worden seien. Drei Faktoren seien entscheidend: Die Symptomatik des Erkrankten, ob er aus einer Risikogruppe kommt und die Wahrscheinlichkeit, ob Kontakt zu einer Sars-CoV-2-positiven Person bestand. Wichtig sei es, dass sich auch diejenigen für mindestens fünf Tage isolierten, die keinen PCR-Test durchführen würden.

Uwe Janssens, Vorsitzender der Gesellschaft für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), berichtete zur Situation auf den Intensivstationen: „Wir werden zunehmend in Bedrängnis gebracht.“ Man habe innerhalb eines Monats eine Steigerung um mehr als das Sechsfache bei der Belegung, die Verdopplungszeit bei der Anzahl der Patienten erfolge derzeit innerhalb von zehn Tagen. Bei einem ungebremsten Anstieg würde die Intensivmedizin definitiv in kürzester Zeit an ihre Grenzen kommen. Spahn stellte den Krankenhäusern im Kampf gegen das Coronavirus weitere Unterstützung des Bundes in Aussicht. „Keine Klinik soll wegen Corona wirtschaftlich benachteiligt sein“, sagte er. Mit Blick auf die Forderung nach einer erneuten „Freihaltepauschale“ als finanzielle Unterstützung beim Verschieben nicht akut notwendiger Operationen für die Krankenhäuser sei die Bundesregierung in der Absprache mit den Ländern.

Wie für die Kliniken brauche es auch für fachärztliche Labore Mechanismen gegen Überlastungsszenarien beim Auswerten von Corona-Tests, mahnte am Dienstag der Vorstandsvorsitzende des Verbands der Labormediziner, Michael Müller. Er sprach von „gefährlichen und so nicht mehr akzeptablen Zuständen“. Die Testkapazität sei bundesweit erstmalig zu 100 Prozent ausgereizt, teilte der Verband auf Basis von Daten aus 162 Laboren mit. Inzwischen sei „die rote Ampel überfahren“ worden. Bei Fortsetzung einer solchen Überflutung mit Proben oder einem möglichen Geräte- oder Personalausfall drohe ein Zusammenbruch der Versorgung.

Lockdown: Exponentielles Wachstum stoppen

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„Wir müssen das exponentielle Wachstum stoppen“, appellierte die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Sie sei Debatten über die Funktionstüchtigkeit von PCR-Tests und Effektivität von Masken leid. Die Zeit im Sommer sei darauf verschwendet worden, darüber zu diskutieren, ob und wie gefährlich das Coronavirus sei. Dabei sei die Dynamik um die Gefahr der Pandemie von Anfang an klar gewesen. „Wir sollten uns darauf konzentrieren, konstruktive Lösungen zu suchen“, mahnte Brinkmann. Wenn nur 80 Prozent der Bevölkerung bei der Umsetzung der Maßnahmen mitmachen, sei das nicht schlecht. Aber wenn alle mitmachten, dauere auch der Lockdown light kürzer. Sie sei auch sehr erleichtert, dass Kinder in Schulen inzwischen Masken tragen würden. Dadurch seien sicherlich einige Infektionen verhinderbar.

Die lokalen Behörden in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) am Dienstag 15.352 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Am Dienstag vor einer Woche hatte die Zahl bei 11.409 gelegen. Mit 19.059 Neuinfektionen war am Samstag ein neuer Höchstwert seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland erreicht worden.

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