Moderna-Impfstoff: Wie wirksam ist er bei 12- bis 17‑Jährigen?

  • Die EMA hat grünes Licht für einen zweiten Corona-Impfstoff für 12‑ bis 17‑Jährige gegeben.
  • Nach Biontech/Pfizer kann nun auch das Vakzin des US-Herstellers Moderna eine bedingte Zulassung erhalten.
  • Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit fallen demnach ähnlich aus wie bei den Erwachsenen.
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Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hat an diesem Freitag eine Vorentscheidung über die bedingte Zulassung eines weiteren Corona-Impfstoffs für Kinder getroffen. Dabei geht es um den Impfstoff des US-Herstellers Moderna. Der ist zwar bereits für Erwachsene zugelassen – aber noch nicht für die 12- bis 17‑Jährigen.

Die Expertinnen und Experten haben grünes Licht gegeben. Nun müsste noch die EU-Kommission zustimmen, was als Formsache gilt. Das Moderna-Präparat „Spikevax“ ist mit einer Zulassung dann der zweite Corona-Impfstoff, der in der EU auch jungen Menschen verabreicht werden darf. Für unter 12-Jährige wurde bislang keine Zulassung beantragt, weil Studien dazu noch laufen.

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Die EMA empfiehlt, den Impfstoff bei Kindern auf dieselbe Weise anzuwenden wie bei Personen ab 18 Jahren. Das Mittel sollte in Form von zwei Injektionen in die Muskeln des Oberarms – im Abstand von vier Wochen – verabreicht werden. Grundlage des Antrags von Moderna ist eine Phase-2/3-Studie mit rund 2500 Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren in den USA.

Danach lag die Wirksamkeit nach vollständiger Impfung nach Angaben des Unternehmens bei 100 Prozent. Ab 14 Tagen nach der ersten Dosis sei eine Wirksamkeit von 93 Prozent beobachtet worden. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die EMA nach Prüfung der Daten: Sie zeigten, dass das Vakzin in dieser Altersgruppe eine vergleichbare Antikörperantwort wie bei den 18- bis 25‑Jährigen hervorruft. Die Effektivität sei ähnlich wie bei Erwachsenen.

Moderna-Impfstoff für Kinder: Ähnliche Nebenwirkungen wie bei Erwachsenen

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Auch die häufigsten Nebenwirkungen bei Kindern im Alter von 12 bis 17 Jahren ähneln der EMA zufolge denen bei Personen ab 18 Jahren. Dazu gehören Schmerzen und Schwellungen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, vergrößerte Lymphknoten, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen und Fieber.

Diese Wirkungen seien in der Regel leicht bis mittelschwer und bessern sich innerhalb weniger Tage nach der Impfung. Aufgrund der begrenzten Anzahl von Kindern und Jugendlichen, die in die Studie eingeschlossen wurden, sind laut EMA keine neuen gelegentlichen Nebenwirkungen oder das Risiko bekannter Nebenwirkungen wie Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels) und Perikarditis (Entzündung der Membran um das Herz) festgestellt worden. Laut Moderna werden alle Studienteilnehmerinnen und Teilnehmer weitere zwölf Monate überwacht, um den langfristigen Schutz und die Sicherheit weiter beurteilen zu können.

Ende Mai war in der EU bereits der Impfstoff von Pfizer/Biontech für 12- bis 17‑Jährige zugelassen worden. In Deutschland können sich seitdem Kinder und Jugendliche in dieser Altersgruppe gegen Covid‑19 mit dem Präparat impfen lassen – allerdings nur nach vorheriger individueller Nutzen-Risiko-Abwägung mit dem Impfarzt oder der Impfärztin. Denn die Ständige Impfkommission (Stiko), zuständig für die Empfehlung zu den Corona-Impfstoffen innerhalb Deutschlands, spricht sich für eine Impfung der 12- bis 17‑Jährigen hierzulande nur dann aus, wenn diese Vorerkrankungen wie beispielsweise Adipositas, Diabetes oder Lungenerkrankungen haben.

Aufgabe der Stiko: Individuelle Risiken gegen Bevölkerungsschutz abwägen

Das Gremium begründet dies damit, dass es noch nicht sicher sei, dass der Nutzen einer Impfung in dieser Altersgruppe deren Risiken überwiegt. Die Datenlage zur Sicherheit des Impfstoffes sei noch nicht ausreichend, ebenso wie die Datenlage zu den gesundheitlichen Risiken durch Covid‑19 für die 12- bis 17‑Jährigen.

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RKI: Erreichen der Herdenimnunität im Herbst unrealistisch
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Das Robert Koch-Institut dringt darauf, im Hinblick auf den Herbst vorbeugende Maßnahmen in verschiedenen Bereichen zu ergreifen.  © dpa

Der Druck aus der Politik in der Debatte um Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche hat in den vergangenen Wochen allerdings zugenommen. Wenn es um das Erreichen einer höchstmöglichen Bevölkerungsimmunität geht, spielen die unter 18-Jährigen, die 16,4 Prozent der Bevölkerung ausmachen, eine wichtige Rolle. Das Ausmaß der vierten Infektionswelle hänge an der Impfquote, machte auch das RKI deutlich.

Politik macht Druck auf Stiko

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Scharfe Worte fand Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in einem BR-Interview vergangene Woche. Mit einer generellen Corona-Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren müsse es schneller gehen. Dabei sprach er von der Stiko als einer ehrenamtlichen Organisation, wohingegen die Europäische Arzneimittelbehörde EMA die „Profis“ seien.

Die Stiko betonte hingegen, „keinesfalls“ weniger professionell zu sein als die EMA, aber andere Aufgaben zu haben als diese. Die EMA prüfe die Zulassungsunterlagen und erteilte die Zulassung. „Hingegen ist es der Auftrag der Stiko, Empfehlungen zu erarbeiten, wie ein zugelassener Covid‑19‑Impfstoff am sinnvollsten in der Bevölkerung zur Anwendung kommt“, teilte die Stiko mit.

Die Stiko werde von Mitarbeitern des Robert Koch-Instituts (RKI) „maßgeblich unterstützt“ und arbeite dem gesetzlichen Auftrag entsprechend „transparent nach streng wissenschaftlichen Kriterien“. Was mit den Impfempfehlungen der Stiko erreicht werden soll, ist im Infektionsschutzgesetz festgelegt. Die Mitglieder werden demnach vom Bundesgesundheitsministerium „im Benehmen mit den obersten Landesgesundheitsbehörden“ berufen.

RND/she/dpa

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