Welche Risiken kann man in der Corona-Pandemie eingehen?

  • Corona hat uns in einen neuen Alltag gestoßen. Wie arrangieren wir uns damit?
  • Das Autorenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und leistet Hilfestellungen für die Krisenzeit – jeden Donnerstag.
  • In dieser Woche: Plötzlich schein alles ganz schnell zu gehen – oder doch nicht?
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Liebe Leserinnen und Leser,

wie werden Sie dieses Jahr Weihnachten feiern? Haben Sie schon eine Entscheidung getroffen? Die Corona-Krise verlangt von uns seit ihrem Beginn eine ganz neue Art der Risikoabschätzung. Denn zwischen „Was ist erlaubt?“ und „Was ist verboten?“ gibt es oft noch eine ganz andere Kategorie: Was ist sinnvoll? Es sind Entscheidungen, die von jedem Einzelnen abgewogen werden müssen. Man darf zwar zum Fri­seur gehen – aber brauche ich den neuen Haarschnitt gerade wirklich? Man soll zwar im Homeoffice arbeiten – aber im Büro kann ich mich besser konzentrieren. Sollten wir nicht lieber Masken tragen, wenn wir uns gegenseitig zu Hause besuchen? Man sollte glauben, dass es im Laufe der Pandemie einfacher geworden ist, diese Entscheidungen zu treffen. Das Beispiel Weihnachten zeigt, dass dem nicht so ist.

Unterschiedliche Menschen haben ein unterschiedliches Risikobewusstsein. Auch das ist in der Corona-Krise von Anfang an deutlich gewesen. Auch das wird jetzt, da viele zu Weihnachten eine harte Entscheidung treffen müssen, wieder zum Problem. Dann nämlich, wenn sich Familienmitglieder nicht einig sind, wie sie ein Risiko zu bewerten haben. Ein Familientherapeut rät in diesem Fall, Sorgen klar und deutlich zu kommunizieren.

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Für den Besuch von Gaststätten, Kinos, Zoos, Theatern oder Museen ist allerdings erstmal keine weitere individuelle Risikoabwägung nötig. Der Teil-Lockdown wurde am Mittwoch bis zum 10. Januar verlängert.

Bleiben Sie gesund!

Anna Schughart

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.
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Erkenntnis der Woche

Plötzlich geht es Schlag auf Schlag: Erst beantragten Anfang der Woche der US-Konzern Moderna und auch die Unternehmen Biontech/Pfizer eine Zulassung ihres Corona-Impfstoffs in der EU. Dann preschte Großbritannien vor und genehmigte den Biontech-Impfstoff. In den kommenden Tagen sollen die Impfungen beginnen. In Europa will die zuständige Behörde ihre Empfehlung spätestens bis zum 29. Dezember geben.

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Doch wie schnell wird dann alles wieder „wie früher“? Das hängt ganz wesentlich von drei Fragen ab: Gibt es genug Impfstoff? Gibt es ausreichende Impfkapazitäten? Und schließlich: Wie viele Menschen sind überhaupt bereit, sich impfen zu lassen? Rein technisch wäre es machbar, die Herdenimmunität noch im kommenden Jahr zu erreichen. Der Hersteller Biontech plant 2021 die Produktion von 1,3 Milliarden Impfdosen. Im ersten Quartal könne Deutschland laut der Bundesregierung wohl mit sieben Millionen Impfdosen von Biontech/Pfizer und Moderna rechnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel machte am Mittwoch jedoch auch klar: „Wir müssen durch den Winter durchkommen, ohne darauf setzen zu können, dass wir in großem Maße schon Impfstoff zur Verfügung haben.“

Alltagswissen

Um Ansteckungen an Weihnachten zu verhindern, raten die Ministerpräsidenten der Länder dazu, einige Tage vor Weihnachten in Selbstquarantäne zu gehen. Eine Quarantäne von vier bis fünf Tagen sei „natürlich besser als gar keine Quarantäne“, sagt der Medizinstatistiker Tim Friede. Aber ausschließen, dass es zu Infektionen kommt, lässt sich damit nicht. Das liegt daran, dass Menschen auch noch nach fünf Tagen Symptome entwickeln könnten – und auch schon vor Auftreten von Symptomen infektiös sein können.

Zitat der Woche

Im Grundsatz bleibt der Zustand, wie er jetzt ist, mit Ausnahme natürlich der Weihnachtsregelungen, die noch extra getroffen wurden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel über den bis zum 10. Januar verlängerten Teil-Lockdown

Forschungsfortschritt

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Wie gelangt das Coronavirus in das Gehirn? Inzwischen ist bekannt, dass viele Covid-19-Patienten auch neurologische Symptome wie etwa Kopfschmerzen, Schwindel oder Geschmacks- und Geruchsverlust haben. Deutsche Forscher haben nun die Route des Erregers rekonstruiert. Wichtigste Erkenntnis: Sars-CoV-2 gelangt wahrscheinlich durch die Nasenhöhle ins Gehirn. Eine Eintrittspforte ist demnach wohl die Riechschleimhaut. Von dort nutzt Sars-CoV-2 Verbindungen wie den Riechnerv, um das Gehirn zu erreichen. Allerdings, schränken die Forscher ein, ließen sich ihre Erkenntnisse nicht zwangsläufig auf leichte oder mittelschwere Fälle übertragen.

Pandemie im Ausland

Die Bilder aus Bergamo sind vielen Menschen in Erinnerung geblieben. Im Frühjahr wurde die italienische Stadt hart von Corona getroffen. Im Oktober dagegen war die Zahl der Neuinfektionen in Bergamo vergleichsweise gering: Ein Hinweis auf eine bestehende Herdenimmunität? Der deutsche Epidemiologe Timo Ulrichs von der Berliner Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften ist skeptisch: „Es könnte sein, aber es gibt noch andere Faktoren, die das verlangsamte Wachstum der Infektionszahlen erklären könnten“, erklärt er RND-Autorin Laura Beigel. Auch Berichte, dass in Neu Delhi oder Manaus schon eine Herdenimmunität entstanden sein könnte, sind mit Vorsicht zu genießen. Die Antikörpertests, auf die diese Einschätzung zurückgehen, seien nur bedingt aussagekräftig.

Pendler tragen Mund-Nasen-Schutz, während sie in Neu-Delhi U-Bahn fahren. © Quelle: Rajesh Kumar Singh/AP/dpa

Was kommt

Wer wird zuerst geimpft? Diese Frage scheint aktuell besonders dringlich. Doch die Bundesregierung will mit der Feinpriorisierung warten, bis es eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission gibt. Dafür wiederum werden die Daten aus dem Zulassungsverfahren der EU benötigt. Doch schon jetzt ist klar: Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Pflege, Ältere und Menschen, die für die „Infrastruktur“ des Landes notwendig sind, wie etwa Polizisten, werden priorisiert.

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Was die Pandemie leichter macht

Es gibt sie durchaus, die schönen Nebenwirkungen dieser Pandemie. Dazu gehört ganz sicher diese Liebesgeschichte: Andrea und Stephie hätten sich unter anderen Umständen wohl nie kennengelernt. Doch die Irrungen und Wirrungen der Corona-Pandemie haben sie zusammengeführt. Nun sind sie ein Paar und haben ihre Geschichte unserer Autorin Isabella Hafner erzählt. Sie zeigt: Verlieben, das geht auch mit Maske.

Ablenkungen vom Pandemiealltag finden derzeit viele Menschen bei den Weihnachtsvorbereitungen. So manch einer zeigt seinen geschmückten Weihnachtsbaum schon jetzt in den sozialen Medien. Wer noch Inspiration braucht: Hier gibt es Ideen für individuelle Weihnachtsplätzchen, Inspirationen für Lichterketten und Bastelanleitungen für kreative Geldgeschenke.

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