„Ich glaube nicht, dass wir da anders rauskommen“: Virologin Brinkmann ist für Corona-Impfpflicht

  • Zwar würde Melanie Brinkmann es sich anders wünschen.
  • Doch die Virologin glaubt, dass eine Impfpflicht nötig sein wird.
  • Außerdem kritisiert sie erneut die Politik.
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Braunschweig. Die Braunschweiger Virologin Melanie Brinkmann hat sich für eine Impfpflicht zur Bewältigung der Corona-Pandemie ausgesprochen. „Ich glaube nicht, dass wir da anders rauskommen“, sagte sie am Dienstagabend bei einer Online-Veranstaltung der Evangelischen Akademie Abt Jerusalem in Braunschweig. Sie habe nie gedacht, dass sie dies einmal vertreten würde. „Ich würde es mir anders wünschen.“

Nötig seien noch mehr niedrigschwellige Informationen und Werbung für die Impfung, sagte Brinkmann. Zugleich sei Druck erforderlich. „Wer ins Restaurant gehen möchte, muss eben geimpft sein.“ In Deutschland sei versäumt worden, nicht nur Impfangebote zu machen, sondern früh auch aktiv für die Impfungen zu werben und etwa Menschen gezielt anzuschreiben. Mittlerweile sei die Impfquote in Portugal sehr hoch und auch in Spanien und Italien. „Und Deutschland dümpelt hinterher.“ Um die aggressivere Delta-Variante des Virus in den Griff zu bekommen, müssten aber mehr als 90 Prozent der Bevölkerung immunisiert sein.

Politik handele zu zögerlich

Brinkmann erneuerte ihre Kritik, die Politik in Deutschland handle zu zögerlich und auch nach Verabredungen in der Ministerpräsidentenkonferenz nicht einheitlich. „Das zermürbt alle.“ In der vierten Welle mit rasant steigenden Infektionszahlen müsse eingegriffen werden, forderte die Virologin, die zum Beraterstab der Bundesregierung gehört. Aktuell gebe es eine „furchterregende Dynamik“. „Die Inzidenzen werden noch weiter steigen.“

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Brinkmann verwies auf Modellrechnungen, nach denen in Regionen mit hohen Inzidenzen wie in Sachsen und Bayern die Kontakte um 65 Prozent reduziert werden müssten, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu vermeiden. Auch in den weniger betroffenen nördlichen Bundesländern sei eine Kontaktreduzierung um 25 Prozent nötig. „Es wäre vernünftig, früh und hart zu bremsen“, sagte sie.

RND/epd

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