Studie: Omikron wohl resistent gegen aktuelle Antikörper

  • Noch immer ist nicht ganz klar, wie wirksam die bisher zugelassenen Corona-Impfstoffe gegen die Omikron-Variante sind.
  • Eine aktuelle Studie geht nun davon aus, dass Omikron gegen aktuelle Antikörper resistent sein könnte - auch nach zweifacher Impfung und Genesung.
  • Die Antikörper müssen deswegen an die neue Variante angepasst werden, empfehlen die Forschenden.
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Göttingen, Hannover. Die sich immer weiter ausbreitende Omikron-Variante des Coronavirus ist nach Einschätzung Göttinger Forschender weitgehend resistent gegen aktuelle Antikörper. Eine neue Studie zeige, dass Antikörper von Genesenen die Omikron-Variante kaum hemmten, teilten die Universitätsmedizin Göttingen und das Leibniz-Institut für Primatenforschung Göttingen am Dienstag mit.

Kein ausreichender Schutz mehr für zweifach Geimpfte und Genesene

Auch die nach zweifacher Biontech-Pfizer Impfung gebildeten Antikörper wiesen gegen die Omikron-Variante eine deutlich geringere Wirksamkeit als gegen die Delta-Variante auf. Eine bessere Hemmung sei hingegen nach dreifacher Biontech-Pfizer-Impfung ebenso wie nach Kreuzimpfung mit Oxford-Astrazeneca und Biontech-Pfizer beobachtet worden.

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Die Forschenden haben zudem untersucht, ob die durch eine Covid-19-Erkrankung, ausgelöst durch eine andere Coronavirus-Variante, gebildeten Antikörper wirksam vor der Omikron-Variante schützen, berichtet das Göttinger Tageblatt. Das Ergebnis: Die Antikörper konnten zwar das Spike-Protein des Ursprungsvirus hemmen, hatten jedoch kaum Wirkung gegen das Omikron-Spike. Auch Genesene haben den Forschenden zufolge also vermutlich keinen Immunschutz mehr gegen die neue Variante. Inwieweit es zu einer Hemmung durch T-Zellen, die sich nach der Infektion bilden, kommt, ist laut dem Göttinger Tageblatt noch zu untersuchen.

Anpassung der Antikörpertherapien an die Omikron-Variante nötig

Sowohl für die Herstellung der Impfstoffe als auch für die Behandlung von Corona-Patienten und -Patientinnen werden Antikörper biotechnologisch erzeugt. Das Spike-Protein des Coronavirus vermittelt den Eintritt des Virus in Zellen und stellt den zentralen Angriffspunkt für Antikörper dar, die das Virus hemmen oder neutralisieren.

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Daher sei es wichtig herauszufinden, ob das Omikron-Spike von Antikörpern gehemmt wird, die nach Impfung oder Infektion gebildet werden oder gegenwärtig für die Covid-19-Therapie eingesetzt werden. Um diese Fragen zu beantworten, haben die Forschenden ungefährliche virusähnliche Partikel untersucht, die das Omikron-Spike tragen und für die Analyse des Virus-Eintritts und seiner Hemmung gut geeignet sind, erklärt das Göttinger Tageblatt.

Zurzeit werden häufig Kombinationen aus den Antikörpern Casirivimab und Imdevimab sowie aus Etesevimab und Bamlanivimab für die Behandlung von Covid-19 eingesetzt. Das Team, zu dem neben den Göttinger Experten und Expertinnen auch Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover, des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig sowie der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg gehörten, konnte nach eigenen Angaben jedoch zeigen, dass die meisten der in der Studie untersuchten therapeutischen Antikörper, die für die Behandlung von Covid-19 eingesetzt werden, nicht gegen die Omikron-Variante wirksam sind.

„Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Antikörpertherapien für Covid-19 an die Omikron-Variante angepasst werden müssen“, sagte Studienleiter Stefan Pohlmann.

Derweil steigt die Anzahl der Menschen, die sich mit der Omikron-Variante infizieren weiter an. Laut einem aktuellen Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden heute 45 Prozent Fälle mehr gemeldet als noch am Vortag. Das hängt damit zusammen, dass immer mehr Proben sequenziert und damit genauer analysiert werden. Die ersten Fälle sind laut RKI Mitte November in Deutschland aufgetreten. Bisher am meisten Omikron-Infektionen wurden kit 6257 in der letzten Woche gemeldet.

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Insgesamt wurden somit schon 10.443 Fälle nachgewiesen – Tendenz steigend. Das RKI weist in dem Bericht explizit darauf hin: „Die Daten wurden nicht validiert und unterliegen damit noch möglichen Korrekturen und nachträglichen Änderungen.“ Aufgrund der Weihnachtsfeiertage ist zudem sehr wahrscheinlich, dass viele Fälle noch gar nicht gemeldet wurden.

Und noch ein Aspekt weist daraufhin, dass die Anzahl der Omikron-Infektionen weiter steigen könnte: Bundesweit gibt es viele Verdächtsfälle – also positive PCR-Tests, die noch genauer untersucht werden müssen. In NRW gelten laut RKI 2872 positive Fälle als Verdacht, aber auch in Bayern und Hamburg gibt es mehr als 1000 Fälle.

RND/mit epd

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