Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Was B.1.1.529 im besten und im schlimmsten Fall für uns bedeuten könnte

Eine junge Frau in London, die als Präventivmaßnahme gegen die Ausbreitung des Covid-19-Virus einen medizinischen Mundschutz trägt.

Die Verunsicherung ist groß. Während weltweit immer mehr Infektionen mit der Coronavirus-Variante Omikron gemeldet werden, stellen sich viele Menschen die bange Frage: Wie gefährlich ist Omikron wirklich? Und was bedeutet das Auftreten der Variante für den Verlauf der Pandemie?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Mit absoluter Sicherheit kann das bisher niemand sagen. Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO und auch viele andere Experten und Expertinnen in den vergangenen Tagen immer wieder betonen: Fragen zur Infektiosität, zum Schweregrad der Erkrankungen und Auswirkungen auf den Schutz der Impfungen werden sich erst in den kommenden Wochen klären. „Es wird ein paar Wochen dauern, bis wir verstehen, welchen Einfluss diese Variante hat“, sagte WHO-Expertin Maria van Kerkhove am Donnerstag.

Dafür gibt es einen einfachen Grund. Aussagen zur Omikron-Variante basieren derzeit im Grunde auf zwei Quellen: Da ist zum einen der genetische Code der Virusvariante mit seinen zahlreichen Mutationen. Er ist der Hauptanlass dafür, dass sich viele Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen derzeit Sorgen machen. Doch das Genom alleine reicht nicht aus, um etwa vorhersagen zu können, was passiert, wenn die neue Variante sich in der Bevölkerung ausbreitet. Expertinnen und Experten schauen daher unter anderem auch ganz genau auf die Menschen, die sich infizieren.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Herausforderung hierbei: Die Zahl der bekannten Omikron-Infektionen ist derzeit gering. Basierend auf kleinen Fallzahlen allgemeine Aussagen zu treffe, ist aber heikel. Ein Beispiel: Als sich die ersten Corona-Patienten in Deutschland infizierten, hatten sie nur sehr milde Symptome. Davon ausgehend zu sagen „Corona ist nur wie eine Grippe“, war ein Trugschluss.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen nun also zum Beispiel mittels Laborexperimenten oder statistischen und medizinischen Analysen der Erkrankungsfälle herausfinden, was die neue Variante ausmacht. Die Parameter, an denen sich das messen lässt, sind jedoch bekannt. Je nachdem, wie sie ausfallen, könnte sich der Fall Omikron in die eine oder andere Richtung entwickeln.

1. Die Viruseigenschaften

Infektiosität, Schutz, Schwere der Krankheit: All das beeinflusst unter anderem, wie „schlimm“ eine Omikron-Welle verlaufen würde.

Infektiosität:

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Was wir wissen: Der genetische Code von Omikron deutet daraufhin, dass das Virus leichter übertragbar ist. Auch die hohe Viruslast bei den beiden infizierten Männern aus Hongkong ist ein weiterer Hinweis darauf. Dazu kommt: Laut den sequenzierten Daten aus Südafrika scheint Omikron andere Varianten schnell zu verdrängen. Die Zahl der Infektionen steigt in den Gebieten Südafrikas, die von der Variante betroffen sind. Eine Analyse des Abwassers in der Stadt Pretoria zeigt beispielsweise: Die Zahl der Infektionen könnte in der Stadt zuletzt wieder zugenommen haben – auch das kann unter Umständen ein Hinweis darauf sein, dass sich das Virus gerade schnell ausbreitet.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, Inc., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Was das bedeutet: Im schlimmsten Fall sind das die entscheidenden Hinweise darauf, dass Omikron tatsächlich leichter übertragbar ist. Doch das muss nicht so sein. Aus den Zahlen in Südafrika allein lasse sich nicht zwingend auf eine erhöhte Übertragbarkeit schließen, unter anderem, da das Infektionsgeschehen dort zuletzt stark reduziert gewesen sei und neu auftretende Ausbrüche vor so einem sehr kleinen Hintergrund übergroß erscheinen könnten, erklärte der Berliner Virologe Christian Drosten.

Auch andere Expertinnen und Experten geben zu bedenken: Es sei möglich, dass das aktuelle Bild, das wir von Omikron haben, dadurch verzerrt werde, dass sich Sequenzierungen in Südafrika zuletzt auf die neue Variante konzentriert haben, schreibt etwa der Wissenschaftsjournalist Kai Kupferschmidt. Im besten Fall wird also in der aktuellen Situation die Infektiosität überschätzt.

Schutz:

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Was wir wissen: Bezüglich des Impfschutzes geben vor allem die genetischen Eigenschaften von Omikron Anlass zur Sorge. Die Variante hat Mutationen an mehreren dafür entscheidenden Stellen. Erste Daten zeigen zudem, dass sich auch Menschen wieder infizieren, die eine erste Infektion bereits durchgemacht haben. Nun wird in Studien, etwa in Labortests an Zellen, untersucht, ob und wenn ja wie gut die neue Virusvariante den Schutz einer Impfung oder einer durchgemachten Infektion umgehen kann.

Was das bedeutet: Im besten Fall zeigen Studien und Tests etwa der Impfstoffhersteller bald, dass die Impfstoffe genauso effektiv sind. Davon gehen aber viele Expertinnen und Experten derzeit nicht aus. Im schlimmsten Fall handelt es sich bei Omikron um die erste wirkliche Immunfluchtvariante, gegen die die bisherigen Impfstoffe kaum oder gar nicht wirken. Dann müssten die Impfstoffe an die neue Virusvariante angepasst werden. Das ist zwar etwa im Fall der mRNA- oder Vektorimpfstoffe vergleichsweise einfach möglich, es dauert aber trotzdem Monate, bis die Mittel dann breit verimpft werden können. Trotzdem, da sind sich die meisten Expertinnen und Experten einig, bedeutet das nicht, dass bisherige Impfungen nicht weiter einen Schutz bieten. Die neue Variante ist kein neuartiges Virus, das auf eine vollkommen ungeschützte Population trifft. „Alle Menschen, die sich impfen lassen, fangen nicht bei null an, wenn sie sich mit einer neuen Variante infiziert haben“, erklärte RKI-Chef Lothar Wieler. Ähnliches sollte für eine durchgemachte Infektion gelten.

Schwere der Krankheit:

Was wir wissen: Laut der WHO ist bisher noch unklar, ob eine Infektion mit Omikron zu anderen – oder auch schwereren – Krankheitsverläufen führt als bei einer Infektion mit der Delta-Variante. Daten zeigen, dass es in Südafrika derzeit zu mehr Hospitalisierungen kommt. Allerdings ist laut WHO nicht klar, ob das wirklich in Zusammenhang mit der Variante steht oder auf die allgemein steigenden Infektionszahlen zurückzuführen ist. Die bislang mit der neuen Coronavirus-Variante Omikron infizierten Menschen in Südafrika sind nach Angaben der dortigen Medizinervereinigung (SAMA) bislang nicht schwer erkrankt. Allerdings handelte es sich bei den ersten Reports vor allem um junge Studierende – nicht unbedingt eine Gruppe mit hohem Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Außerdem infizierten sich vor allem Menschen, die bereits eine Infektion durchgemacht hatten – und so schon einen gewissen Schutz hatten.

Was das bedeutet: Aussagen zur Schwere der Krankheit sind extrem vorsichtig zu interpretieren. Hier Genaueres herauszufinden, könnte Wochen dauern. Klar ist nur: Sollte die Variante zu schwereren Krankheitsverläufen führen und sollte sie sich weit über die Welt ausbreiten, träfe sie auf ein vielerorts durch die aktuelle Delta-Welle völlig an seine Grenzen gebrachtes Gesundheitssystem.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Corona-Variante Omikron könnte im Zusammenhang mit HIV entstanden sein

Die Corona-Variante Omikron könnte Experten zufolge in einem Patienten mit HIV oder einer anderen Form der Immunschwäche entstanden sein.

2. Wie verbreitet ist Omikron schon?

Ob es zu einer Omikron-Welle kommt, hängt neben den Viruseigenschaften auch davon ab, wo und wie sich das Virus in der Welt verbreiten kann.

Was wir wissen: Derzeit scheint sich das Virus schnell über die Welt auszubreiten. Schon kurz nachdem Südafrika auf die neue Virusvariante aufmerksam gemacht hatte, sind in zahlreichen anderen Ländern erste Fälle entdeckt worden – darunter auch in Deutschland. Dabei wird im Grunde erst seit Freitag danach gesucht. Gleichzeitig reagierten viele Staaten rasch – etwa, indem die Einreise eingeschränkt wurde und Menschen, die aus Südafrika einreisen, in Quarantäne geschickt werden. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC hält die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Einschleppung und Verbreitung der Variante in Europa jedoch für hoch.

Was das bedeutet: Womöglich ist es gelungen, die Variante schnell zu entdecken und so auch schnell zu verfolgen. Ausschließen, dass Omikron aber schon viel weiter verbreitet ist – etwa bereits in den USA angekommen ist –, kann man aber auch nicht. Auch ist unklar, wo das Virus vor seiner Entdeckung überall schon war. Im schlimmsten Fall kämen dann Maßnahmen zur Eindämmung zu spät. Aber auch so gilt: Selbst wenn man über Einreisestopps Zeit gewinnt: „Die gewonnene Zeit muss man aber dann auch für verbesserte Strategien nutzen, sonst sinnlos“, twitterte die Virologin Isabelle Eckerle. Dazu gehört laut Expertinnen und Experten etwa die strenge Kontaktnachverfolgung von Infizierten.

3. Wie wird gehandelt?

Die dritte Frage, die geklärt werden muss, ist: Welche Maßnahmen, welche Reaktionen von Politik und Gesellschaft könnten die Verbreitung von Omikron beeinflussen?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Was wir wissen: Aktuell befindet sich Europa und allen voran Deutschland in einer massiven Delta-Welle. Die bisher getroffenen Maßnahmen waren nicht in der Lage, diesen Trend zu stoppen. Expertinnen und Experten drängen darauf, nun wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Vor allem ist es wichtig, die Impflücke schnell zu schließen und ausreichend Menschen zu boostern.

Was das bedeutet: Es ist noch nicht gesagt, ob sich Omikron wirklich durchsetzen wird. Im besten Fall jedoch, helfen effektive Maßnahmen gegen die aktuelle Delta-Variante nebenbei auch dabei, die Verbreitung von Omikron zu behindern. Dazu gehören die Kontaktreduzierung und die bekannten Hygienemaßnahmen und vor allem Impfungen. Wen die Nachrichten zu Omikron also beunruhigen, der reagiert am besten mit einer Impfung darauf. Im schlimmsten Fall trifft Omikron nämlich mitten in einer laufende Welle auf eine immer noch nicht ausreichend geschützte Bevölkerung.

Insgesamt lässt sich festhalten: Welche Konsequenzen und Folgen die Virusvariante haben könnte, lässt sich derzeit nur schwer abschätzen. Oder wie es Expertin Eckerle formuliert: „Im Moment ist weder Zeit für Panik noch für falsche Hoffnungen.“

Mehr aus Gesundheit

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.