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Corona-Variante: Wie gefährlich ist B.1.1.7 für Hunde und Katzen?

  • Die neue britische Variante des Coronavirus könnte für Haustiere gefährlicher sein als der Erreger in seiner ursprünglichen Form.
  • In eine Tierklinik wurden vermehrt Hunde und Katzen mit einer Herzmuskelentzündung eingeliefert, die durch B.1.1.7 ausgelöst wurde.
  • Bisher waren Coronavirus-Infektionen bei Haustieren eher symptomlos verlaufen.
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Die britische Variante B.1.1.7 des Coronavirus könnte bei Hunden und Katzen womöglich öfter zu Erkrankungen führen als die Ursprungsform des Erregers. Das hat eine Studie von Tierärzten in Großbritannien ergeben, die jetzt als Preprint veröffentlicht wurde. Bisher waren Coronavirus-Infektionen bei Haustieren eher symptomlos verlaufen.

Der Grund für die Untersuchung war eine auffällige Zunahme von Erkrankungen bei Haustieren gewesen. In eine Tierklinik in der Nähe von London waren plötzlich deutlich mehr Hunde und Katzen mit einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) eingeliefert worden – und zwar genau in dem Zeitraum, in dem sich die mutierte Variante des Virus B.1.1.7 in Großbritannien ausgebreitet hatte. Von Dezember bis Februar war dort der Anteil von Haustieren mit Herzmuskelentzündungen von 1,4 Prozent auf 12,8 Prozent gestiegen.

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Keines der Tiere hatte demnach schon zuvor an einer Herzkrankheit gelitten. Die Symptome der erkrankten Haustiere ähnelten sich: Sie waren plötzlich lethargisch geworden, verloren den Appetit, entwickelten eine beschleunigte Atmung oder Atemnot und waren in einigen Fällen bewusstlos geworden. Bei genaueren Untersuchungen wurden Störungen des Herzrhythmus und Flüssigkeit in der Lunge festgestellt.

Hunde und Katzen mit B.1.1.7 infiziert

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Den behandelnden Tierärzten fiel auf, dass nicht nur mehr Tiere erkrankten, sondern in vielen Fällen bei deren Besitzern drei bis sechs Wochen zuvor eine Covid-19-Erkrankung diagnostiziert worden war. Sie entschieden sich daher, sieben Katzen und einen Hund mit PCR-Tests auf das Virus zu untersuchen. Bei zwei genesenen Hunden und Katzen führten sie außerdem eine Antikörperuntersuchung von Blutproben durch.

Mithilfe der PCR konnte bei drei der insgesamt elf untersuchten Tiere eine Infektion mit B.1.1.7 festgestellt werden. Drei weitere hatten Antikörper gegen das Virus im Blut, was bedeutet, dass sie eine Infektion durchgemacht hatten. Den Studienautoren zufolge handelt es sich um die ersten labormedizinisch nachgewiesenen Infektionen mit B.1.1.7 bei Hunden und Katzen.

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Alle elf Tiere aus der Studie wurden zunächst erfolgreich therapiert. Die Veterinärmediziner behandelten sie mit Sauerstoffgaben, Herzmitteln und entwässernden Medikamenten sowie Käfigruhe. Die Hunde und Katzen konnten daraufhin nach wenigen Tagen aus der Klinik entlassen werden. Nur eine Katze wurde später wegen wiederkehrender Herzprobleme eingeschläfert.

Infektionen auch bei Großkatzen bekannt

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass B.1.1.7 ein anderes Krankheitsbild bei Haustieren auszulösen scheint als die Ursprungsvariante. Neu sei das plötzliche Auftreten einer Herzmuskelentzündung ohne vorherige Anzeichen einer Erkältung. So waren vor der Mutation des Virus zwar bereits Coronavirus-Infektionen bei Hunden und Katzen festgestellt worden. Diese waren aber in der Regel asymptomatisch verlaufen oder hatten nur milde Erkältungssymptome ausgelöst.

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Auch bei Großkatzen waren in der Vergangenheit schon Infektionen mit dem Coronavirus entdeckt worden: So hatten sich vier Tiger und drei Löwen in einem Zoo im New Yorker Stadtteil Bronx im vergangenen Jahr mit dem Coronavirus infiziert. Sie hatten aber ebenfalls nur milde Symptome wie Husten gezeigt.

Für neue wie für alte Varianten des Coronavirus gilt, dass Hunde und Katzen sich in einigen Fällen bei ihren Besitzern anstecken können. Wer sicher infiziert ist, sollte daher auch beim Umgang mit seinem Haustier vorsichtig sein. Der umgekehrte Fall, die Übertragung des Virus von Hunden oder Katzen auf den Menschen, gilt hingegen bisher als unwahrscheinlich.

Infizierte sollten Kontakt zum Haustier meiden

Die Kleintierklinik der Ludwigs-Maximilian-Universität (LMU) München empfiehlt infizierten Tierbesitzern, den Kontakt zu ihren Haustieren möglichst zu vermeiden. Diese sollten während der Quarantänezeit am besten von einer nicht infizierten Person betreut werden, die selbst keiner Risikogruppe für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion angehört. Der Kontakt zu Tieren von Sars-CoV-2-infizierten Personen sollte vorsichtshalber auf ein Minimum reduziert werden und es sollten allgemeine Hygienemaßnahmen beachtet werden, wie etwa das Händewaschen nach Kontakt zu dem Tier.

Hunde von infizierten Personen sollten laut der LMU-Tierklinik vorsichtshalber nur an der Leine ausgeführt werden. Freiläuferkatzen, die in einem Haushalt mit Sars-CoV-2-infizierten Personen leben, sollen aber weiterhin ins Freie gelassen werden, um Stress für die Katzen und das Risiko einer möglichen Ansteckung der Tiere zu vermindern. Die Tierklinik empfiehlt, den Tierarzt zu kontaktieren, wenn Hunde und Katzen von infizierten Haltern Atemwegserkrankungen oder Fieber entwickeln.

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