Studie: Kippe, E-Zigarette, Shisha – was ist in Corona-Zeiten schädlicher?

  • Verschiedene Studien haben bereits untersucht, inwiefern der Konsum eines klassischen Glimmstängels, der E-Zigarette und der Wasserpfeife den Körper schädigen.
  • Wissenschaftler haben nun die Ergebnisse verglichen und betonen, dass jede Form bestimmte Gesundheitsrisiken mit sich bringt.
  • Die Forscher betonen, dass Rauchen und Dampfen gerade während der Corona-Pandemie ein Risikofaktor sei.
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Rauchen von Zigaretten oder Wasserpfeifen sowie das Dampfen von E-Zigaretten erhöhen möglicherweise das Risiko, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, schwerere Symptome zu entwickeln und daran zu sterben. Davor warnen Wissenschaftler im Kontext einer Studie, die die Folgen dieser Formen des Rauchens und Dampfens vergleicht.

Das Team um Thomas Münzel, Direktor des Zentrums für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, analysierte unterschiedliche Studien zu den gesundheitlichen Folgen des Konsums von Zigaretten, Wasserpfeifen (Shishas) und E-Zigaretten. Besonders interessierte die Autoren, wie sich Rauchen und Dampfen auf die Funktion jener Zellen auswirkt, die die innerste Wandschicht der Blutgefäße bilden – der Endothelzellen. Störungen des Endothels können Vorboten einer Arteriosklerose und anderer kardiovaskulärer Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sein.

Zigarettenrauch gefährlicher als Dampf

Wie die Wissenschaftler im “European Heart Journal” schreiben, belegen viele Studien, dass das Rauchen von Zigaretten insgesamt schädlicher ist als das Dampfen von E-Zigaretten. Zum Zusammenhang zwischen Wasserpfeifen und E-Zigaretten einerseits und Funktionsstörungen des Endothels andererseits gebe es hingegen nur wenige große Studien. Hier müssten die Langzeitfolgen noch besser untersucht werden, so das Plädoyer der Mediziner.

Sie überprüften zudem eine Reihe von Arbeiten zum Zusammenhang von Zigarette, Wasserpfeife und E-Zigarette mit verschiedenen Erkrankungen wie etwa der nicht heilbaren chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), zu deren Symptomen Husten, Atemnot und Auswurf gehören. Hier stellten sie fest, dass das COPD-Risiko von Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern um gut 700 Prozent höher ist. Bei Wasserpfeifen ist das Risiko demnach um 218 Prozent erhöht, bei E-Zigaretten um 194 Prozent.

Zigaretten- und Shisha-Konsum lösen Lungenkrebs aus

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Raucher haben außerdem eine um 1210 Prozent größere Gefährdung für Lungenkrebs, bei Wasserpfeifen ist die Wahrscheinlichkeit um 122 Prozent erhöht. Bei E-Zigaretten reiche die Studienlage noch nicht für verlässliche Zahlen aus.

Wie die Autoren weiter schreiben, liegt das Risiko für Arterienversteifung bei Rauchern um 10 Prozent über dem von Nichtrauchern, bei Wasserpfeifen-Konsum um 9 Prozent, beim Dampfen um 7 Prozent. Das ist deswegen wichtig, weil diese Versteifungen langfristig Herzprobleme und Schlaganfälle begünstigen können.

Zudem warfen die Forscher einen Blick auf die Effekte von Rauchen und Dampfen auf Covid-19-Infektionen und verweisen auf ein Statement der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese hatte Ende Mai gewarnt, dass das Rauchen von Zigaretten oder Wasserpfeifen Covid-Symptome verschlimmern könne, sodass eine Intensivbehandlung oder Beatmung nötig und schwerwiegende gesundheitliche Folgen möglich sein könnten.

Rauchen als Risikofaktor für schwere Corona-Erkrankung

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“Da Rauchen ein bekannter Risikofaktor für Infektionen der Atemwege ist und die Wahrscheinlichkeit für Vorerkrankungen wie etwa des Herz-Kreislauf-Systems erhöht, könnte es Covid-19-Patienten anfälliger für schwere Symptome machen und somit zu einer erhöhten Mortalität führen”, heißt es in der Studie.

Die E-Zigarette sei hier keine Alternative: Zwar betont die WHO, dass E-Zigaretten weniger schädlich als Tabakzigaretten zu sein scheinen. “Es gibt aber zunehmend Hinweise darauf, dass E-Zigaretten Nebenwirkungen auf Lunge, Herz und Blutgefäße haben könnten und ihr Gebrauch das Risiko einer Covid-19-Infektion erhöhen könnte”, wird Münzel in einer Mitteilung der Zeitschrift zitiert.

Das Rauchen von Wasserpfeifen sei ebenso schädlich wie der Konsum traditionellen Zigaretten und könne nicht als “gesunde” Alternative gesehen werden, schreiben die Autoren. Sie merken kritisch an, dass Deutschland das einzige Land in der EU sei, in dem für Tabakprodukte und E-Zigaretten geworben werden darf.

Angesichts all dieser Risiken und Gefahren für die Gesundheit schließen die Autoren sich den Mahnungen der WHO, der US-Gesundheitsbehörden und der US-Arzneimittelbehörde FDA sowie der European Society of Cardiology an, der zufolge Raucher und Dampfer versuchen sollten, sich ihr Laster abzugewöhnen – unabhängig davon, ob sie zu Zigarette, Wasserpfeife oder E-Zigarette greifen.

RND/dpa

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