Können sich Krebspatienten während einer Chemotherapie gegen Covid-19 impfen lassen?

  • Krebspatienten, deren Immunsystem geschwächt ist, haben ein besonders hohes Risiko, an Covid-19 zu erkranken.
  • Ihnen sollen die Corona-Impfstoffe Schutz bieten.
  • Allerdings vermuten Experten, dass die Wirksamkeit der Impfungen bei Tumorpatienten geringer sein könnte.
Laura Beigel
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Die Corona-Impfungen haben das Ziel, die körpereigene Immunabwehr zu aktivieren, indem Antigene von Sars-CoV-2 dem Immunsystem präsentiert werden. Antikörper, die infolgedessen produziert werden, sollen vor einem schweren Krankheitsverlauf bei erneutem Kontakt mit dem Erreger schützen. Doch wie wirksam und sicher sind die Impfstoffe bei Menschen, deren Immunsystem wegen einer Krebserkrankung oder Chemotherapie geschwächt ist?

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Krebspatienten haben „mit erhöhter Priorität“ Anspruch auf eine Impfung

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„Die Verträglichkeit der Impfstoffe ist gut“, sagte Katharina C. Kähler, Ärztin für medikamentöse Tumortherapie und Leiterin des Hautkrebszentrums am UKSH Kiel, gegenüber den „Kieler Nachrichten“. „Krebspatienten wird die Corona-Impfung unbedingt empfohlen. Die Impfung trägt zum individuellen Schutz bei und kann die zusätzliche Sorge um eine Ansteckung neben der ohnehin belastenden Krebserkrankung reduzieren.“

In der „Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2″ des Bundesgesundheitsministeriums heißt es, dass Krebspatienten „mit erhöhter Priorität“ Anspruch auf eine Schutzimpfung haben. Deshalb hat die Ständige Impfkommission sie in die zweite beziehungsweise dritte Prioritätengruppe eingeordnet, abhängig vom jeweiligen Erkrankungsgrad.

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Zeitlichen Abstand zwischen Chemotherapie und Impfung einhalten

„Ein Tumorpatient ist mindestens genauso gefährdet für einen tödlichen Verlauf wie ein 90-jähriger Altenheimbewohner“, sagte Prof. Wolfgang Knauf, Vorsitzender des Berufsverbands der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland, im RND-Interview. Es gebe bisher keine Hinweise darauf, dass die Corona-Impfung bei Krebspatienten Schäden anrichtet.

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Gleichzeitig riet der Onkologe dazu, dass die Corona-Impfung und die Chemotherapie nicht am gleichen Tag stattfinden sollten. Mindestens eine Woche sollte zwischen beiden Terminen vergehen. Bei Hochdosis-Chemotherapien oder einem sehr geschwächten Immunsystem, zum Beispiel in Folge einer Stammzelltransplantation, werde ein Abstand von drei bis sechs Monaten zur letzten Therapie empfohlen, macht Kähler ferner deutlich.

Schutzwirkung könnte bei Krebspatienten geringer ausfallen

„Zum jetzigen Zeitpunkt erscheint die Covid-19-Schutzimpfung für alle Krebspatienten sinnvoll, insbesondere bei aktiver Erkrankung und wenn in absehbarer Zeit eine Chemo- und/oder Antikörpertherapie erforderlich ist“, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) in einem Faktencheck.

Allerdings sei die Datenlage noch zu gering, um beurteilen zu können, wie hoch die Schutzwirkung der Impfung bei immunsupprimierten Patienten ist. Es könne sein, dass der Impfschutz geringer ausfällt. Deshalb sei es wichtig, dass auch das medizinische Personal in der Onkologie geimpft werde, um einen Nestschutz zu erzeugen, heißt es von der DGHO. Gemeint ist, dass noch ungeimpfte Krebspatienten vor Covid-19 geschützt werden, indem sich ihre Kontaktpersonen impfen lassen – und so eine Übertragung der Krankheit verhindert wird. Auf die empfohlenen Schutzmaßnahmen könne trotzdem nicht verzichtet werden.

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