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  • Corona trotz Impfung: Lohnt sich die Corona-Impfung noch? Impfdurchbrüche und Viruslast bei Geimpften

Wieso sich Corona-Impfung und Booster trotz Impfdurchbrüchen lohnen

  • Geimpfte können das Coronavirus eher weitergeben als gedacht und manchmal auch an Covid-19 erkranken.
  • Trotzdem bleiben Impfung und inzwischen auch Booster die entscheidenden Werkzeuge für den Weg aus der Winterwelle.
  • Vier Gründe, die dafür sprechen.
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Der Schutz durch die Impfung vor einer Corona-Infektion ist geringer als zunächst angenommen. Die Zahl der Impfdurchbrüche nimmt zu und verdeutlicht, dass sich auch Geimpfte noch anstecken können. Studien zeigen, dass der Schutz vor einer Infektion nach der Corona-Impfung nach spätestens einem halben Jahr abnimmt. Mehrere Untersuchungen haben zudem nachgewiesen, dass Menschen, die trotz Impfung durch Delta krank werden, in den ersten Tagen der Infektion eine ähnlich hohe Viruslast haben wie nicht Geimpfte.

Überflüssig wird die Impfung dadurch aber nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Erstimpfungen, Auffrischungen für Ältere, auch die Impfung von Teenagern bleiben relevant, auch wenn die Vakzine weniger gut vor Transmission schützen als noch im Frühjahr angenommen. Die Impfstoffe bleiben trotzdem ein entscheidendes Werkzeug im Kampf gegen Corona und zum Schutz vor Krankheit.

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Viruslast bei Geimpften ähnlich hoch wie bei Ungeimpften

Das betonten Ende Oktober auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Großbritannien. In einer in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichten Studie zeigten die Forschenden, dass Geimpfte mit Delta-Infektion im häuslichen Umfeld eine ähnlich hohe Viruslast haben wie Ungeimpfte. Das sei eine Erklärung dafür, wieso die Delta-Variante gegenwärtig in Ländern mit hoher Durchimpfungsrate, wie etwa derzeit in Großbritannien und Israel zu beobachten, trotzdem noch so stark übertragen wird.

Die Forschenden resümieren, dass es die Impfungen braucht, aber gleichzeitig auch Schutzmaßnahmen wie Maske tragen, Abstand halten und Testungen: für Ungeimpfte wie Geimpfte und vor allem, wenn Menschen mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf im Raum sind. Also beispielsweise Menschen mit Immunschwäche oder über 60-Jährige. Auch das RKI empfiehlt Geimpften, sich bei für Covid-19 typischen Symptomen testen zu lassen. Die Politik diskutiert Konzepte wie 2Gplus - also dass nur Geimpfte und Genesene Zugang zu bestimmten Veranstaltungen haben und sich vorher testen lassen.

Geimpft sein bedeutet also nicht mehr unbedingt, dass gleichzeitig Schutzmaßnahmen wegfallen sollten. Wieso lohnt die Impfung dann trotzdem?

1) Die Impfstoffe wirken gegen schwere Erkrankung und Tod

Das persönliche Risiko für eine Covid-19-Erkrankung ist in pandemischen Zeiten stark erhöht. Wirklich zuverlässig schützen kann nur eine Impfung – die Infektion oder den Krankheitsverlauf stoppende Medikamente gibt es nicht. Auch wenn der Schutz vor Infektion abnimmt – alle Impfstoffe schützen nach derzeitigem Kenntnisstand weiterhin in hohem Maße vor einem schweren Covid-19-Verlauf.

In Zahlen: Die Impfeffektivität bei Hospitalisierung schätzt das RKI auf Basis der aktuellen Daten zu Impfdurchbrüchen in Deutschland (Stand: 11. November) auf rund 88 Prozent bei den 18 bis 59-Jährigen. Bei den über 60-Jährigen sind es rund 85 Prozent. Der Schutz vor Intensivstation beträgt bei den 18 bis 59-Jährigen 93 Prozent, bei den Älteren rund 90 Prozent. Den Schutz vor Tod beziffert das RKI bei den Jüngeren mit 92 Prozent, bei den über 60-Jährigen mit rund 87 Prozent.

Das heißt dann konkret: Die Impfung schützt in den allermeisten Fällen vor einem schweren Lungenversagen, vor schwerwiegenden Entzündungen im gesamten Körper. Sie bewahrt vor schwerer Atemnot, vor einer wochenlangen Behandlung und Beatmung auf der Intensivstation – und nicht zuletzt vor dem Tod. Es sinkt auch das Risiko, später an für Long Covid typischen Symptomen zu leiden. Geschmacksverlust, neurologische Probleme, Gedächtnisstörungen – all das kann durch Covid-19 ausgelöst und durch die Impfung vermieden werden, weil in den meisten Fällen schon prophylaktisch die Infektion ausbleibt.

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2) Geimpfte entlasten das Gesundheitssystem

Das RKI schätzt die Gesundheitsgefährdung durch Corona für Geimpfte aktuell als „moderat“ ein, bei Ungeimpften hingegen als „sehr hoch“. Dass Geimpfte in den allermeisten Fällen weniger schwer erkranken, ist für jeden Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft und insbesondere unser Gesundheitssystem relevant – auf das alle angewiesen sind. Denn je weniger Menschen schwer erkranken, umso weniger stark werden die hausärztlichen Praxen, Kliniken und insbesondere Intensivstationen in Anspruch genommen. Das gilt für die Erstimpfung genauso wie für die Auffrischimpfung - die den Schutz vor Infektion, Krankheit und Tod noch einmal erhöhen kann.

Schon jetzt werden an vielen Klinikstandorten in Deutschland planbare Eingriffe und Operationen verschoben, berichten Medizinerinnen und Mediziner. Auch die Notfallversorgung, etwa bei einem Schlaganfall oder Verkehrsunfall, könnte bei weiter so stark zunehmenden Infektionen im Winter nicht mehr überall gleichbleibend gewährleistet sein. Je mehr Menschen aber geimpft oder sogar noch geboostert sind, umso weniger Menschen erkranken schwer.

3) Geimpfte können andere anstecken – aber weniger wahrscheinlich

Kommt es trotz Impfung zur Durchbruchsinfektion, weisen vollständig Geimpfte eine Spitzenviruslast ähnlich hoch wie Ungeimpfte auf. Sie können trotz Impfung noch Infektionen im Haushalt übertragen – auf Ungeimpfte wie auch Geimpfte. Aber: Im Durchschnitt verringert die Impfung das Risiko einer Infektion mit der Delta-Variante auch weiterhin.

Denn vollständig Geimpfte sind bei einem Impfdurchbruch trotz ähnlich hoher Viruslast deutlich weniger ansteckend für andere als Ungeimpfte. Wahrscheinlich bleibt das insbesondere in den ersten sechs Monaten nach der Impfung oder dem Booster. Niederländische Forschende konnten beispielsweise zeigen, dass es weniger wahrscheinlich ist, infektiöse Viren in Atemwegsproben von erkrankten Geimpften zu finden als bei Ungeimpften. Während der ersten drei Krankheitstage nahm die Viruslast ab – also früher als bei Nichtgeimpften üblich.

Heißt also auch: Wer sich jetzt impfen lässt, steckt in diesem Winter mit hohen Infektionszahlen weniger wahrscheinlich andere mit dem Virus an. Einen hundertprozentigen Schutz vor Ansteckung gibt es zwar nicht. Aber in der Summe ist das Risiko einer Virusübertragung unter Geimpften vermindert. Das heißt, je mehr Geimpfte aufeinandertreffen, umso besser sind auch die nicht Geimpften, erst einfach Geimpften oder auch Geimpften, bei denen der Immunschutz nicht (mehr) ausreichend ausfällt, geschützt.

4) Corona bleibt – also lieber geimpft infizieren

Das Coronavirus wird weiter mutieren – und nicht mehr aus der Welt verschwinden. Da ist sich die Fachwelt einig. Deshalb erwarten Forschende auch, dass jeder und jede, ob geimpft oder genesen, auch nach der pandemischen Phase irgendwann in Kontakt mit dem Virus kommt – und sich erneut ansteckt. Auch wenn der Impfschutz mit der Zeit nachlässt, bleibt aber in der Regel eine Grundimmunität bestehen. Die Erkrankung verläuft dann milder oder die Infektion symptomlos. Forschende haben bereits erste Hinweise dafür, dass durch die Kombination aus Impfung, Auffrischung und späterer Infektion eine länger anhaltende, robuste Immunität gegen den Erreger bestehen könnte.

Noch sind dazu aber viele Fragen offen. Klar ist aber, da sind sich RKI, WHO, Stiko und viele weitere Zulassungs- und Gesundheitsbehörden auf der Welt einig: Die Impfung vor der Infektion birgt weitaus weniger Krankheitsrisiken mit sich als sich zuerst zu infizieren und dann später eine Impfung zu bekommen. Der Nutzen der Impfung überwiegt die Risiken bei weitem.

Wir haben diesen Text am 15. November aktualisiert.

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