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Auf Zeit geschlossen? Wie es mit den Testzentren weitergeht

  • Im Sommer sinkt die Nachfrage nach Corona-Tests und viele Anbieter ziehen sich zurück.
  • Laut Behörden und Betreibern von Einrichtungen ist die Testversorgung trotzdem gegeben.
  • Und im Herbst könnte das Angebot wieder erweitert werden, sagen Betreiber.
Tim Niklas Herholz
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Alles schien nach Plan zu laufen: Die Impfquote stieg, der Sommer sorgte dafür, dass sich die Menschen wieder unter freiem Himmel trafen. Als Folge sanken die wöchentlichen Infektionen mit dem Coronavirus, die Inzidenz lag zeitweise bundesweit unter fünf. Verpflichtende Tests auf das Virus fielen weg. Essen gehen im Restaurant, einen Film gucken im Kino und auch einkaufen war auf einmal vielerorts wieder ohne vorheriges negatives Ergebnis möglich. Das hat auch Auswirkungen auf die Testzentren in der Bundesrepublik. Immer mehr schließen derzeit ihre Türen. Doch werden diese Schließungen angesichts der nun steigenden Infektionszahlen auf Dauer bleiben?

„Das Angebot richtet sich nach der Nachfrage. Es ist zu erwarten und unausweichlich, dass weitere Testzentren schließen, weil Testzwänge weggefallen sind und die Impfquote steigt“, sagt Marius Livschütz, Pressesprecher des Gesundheitsministeriums in Schleswig-Holstein. Alleine im nördlichsten Bundesland haben laut Ministerium in der vergangenen Woche rund 60 Testeinrichtungen geschlossen. Ähnlich verhält es sich in Niedersachsen. Hier brachen seit Ende Juni 124 Einrichtungen ihre Zelte ab. Die Testungen auf das Coronavirus sind nun einmal auch ein Geschäft. „Die privaten Anbieter schauen natürlich auch, ob es sich lohnt, die Testzentren offen zu halten“, sagt Marius Livschütz.

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Tests werden schlechter bezahlt

So verwies beispielsweise schon im Juni der Apothekerverband Abda darauf, dass der Bund weniger für Tests zahle als bisher und die Durchführung für viele Apotheken nicht mehr wirtschaftlich sei. Statt ursprünglich 18 Euro gibt es seit dem 1. Juni nur noch eine Vergütung von 11,50 Euro. Ähnlich geht es da dem privaten Anbieter von Teststandorten CoviMedical. Das Unternehmen betreibt in Deutschland derzeit 90 Testcenter. Mehr als 20 wurden seit Juni jedoch wieder geschlossen. „Die Vergütung für den Aufwand wurde fast halbiert, gleichzeitig wurden die Kontrollen stark verschärft“, erklärt Christoph Neumeier, Geschäftsführer von CoviMedical, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Schließung auf Zeit

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Über die Schließung der Zentren entscheiden die Betreiber selber. Die Kommunen vergeben zwar an Bewerber „Beauftragungen“ zur Eröffnung von Zentren, können diese Lizenz aber nur begründet wieder entziehen. Zum Beispiel, wenn Hygienevorschriften nicht eingehalten werden. Ansonsten ist es den Betreibern selbst überlassen, wann ein Testzentrum eröffnet wird – und wann es wieder schließt.

„Wir bleiben geöffnet, solange es pandemisch sinnvoll ist, zu testen und Nachfrage vorhanden ist“, sagt etwa Jonas Singelmann von 21Dx, einem großen Betreiber von Testzentren und mobilen Testlösungen. Das Unternehmen sei bereit, bei Bedarf jederzeit Testmöglichkeiten wieder zu öffnen.

„Pandemie ist noch nicht vorbei“

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Käme es zu Schließungen, seien diese zunächst nur vorübergehend, sagt Singelmann. „Wir freuen uns sehr über einen vergleichsweise entspannten Sommer und die Atempause, aber wir sind im Gespräch mit unseren Vermietern und versuchen, die Mietverträge flexibel zu halten.“ So könnte das Equipment in den Räumlichkeiten stehen bleiben, um bei ansteigender Inzidenz und hoher Nachfrage schnell bisherige und bei Bedarf auch zusätzliche Kapazitäten bereitzustellen. „In England ist gerade geplant, die bisherige Testkapazität zu vervierfachen, um auf die steigenden Inzidenzen zu reagieren“, sagt Singelmann. Er gehe auch davon aus, dass andere Betreiber von Testzentren ähnlich agieren werden.

Und auch bei CoviMedical ist man sich sicher, „dass die Pandemie noch nicht vorbei ist“. Das zeigten schon die steigenden Inzidenzen in vielen Nachbarländern und Urlaubsregionen wie Mallorca. „Wir sehen Tests weiterhin als einen wichtigen Baustein bei der Bekämpfung der Pandemie an“, sagt Neumeier.

Der Bedarf ist gedeckt

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Momentan sei der Bedarf trotz Schließungen noch gedeckt, teilten die Gesundheitsministerien mehrerer Bundesländer auf RND-Anfrage mit. So böten in Niedersachsen unter anderem mehr als 2000 Arzt- und Zahnarztpraxen und knapp 750 Apotheken Corona-Schnelltests an, außerdem gebe es Angebote von Rettungs- und Hilfsorganisationen, Testzentren in kommunaler Hand und weitere Zentren, die nur Bürgertestungen durchführten. Auch im ländlichen Raum sei der Bedarf gedeckt.

„Wenn die Nachfrage nach einem Testangebot wieder wächst, wird es sich auch für die privaten Anbieter wieder lohnen, Testeinrichtungen zu öffnen“, ist sich Marius Livschütz vom Schleswig-Holsteinischen Gesundheitsministerium sicher. Tatsächlich gehen Experten und Expertinnen davon aus, dass die Zahl der Neuinfektionen im Herbst wieder steigen wird. Dann wären auch wieder mehr Tests gefragt. Die Nachfrage hinge aber natürlich auch mit eventuell neu beschlossenen Corona-Maßnahmen und Testvorschriften zusammen.

Antigentests stoßen an ihre Grenzen

Fraglich ist jedoch, ob im Herbst die Antigentests noch eine große Rolle spielen werden. „Die Impfquoten steigen und es hat sich gezeigt, dass Antigentests wegen der vorliegenden deutlich geringeren Viruslast im Nasen-Rachen-Raum Geimpfter unzuverlässig sind und oft ein negatives Ergebnis anzeigen, obwohl die Person infiziert ist“, teilt zum Beispiel das Niedersächsische Gesundheitsministerium mit. Benötigt würden bei steigender Impfquote daher vor allem PCR-Tests, die auch in der zweiten und dritten Welle überwiegend in Arztpraxen, teilweise auch von Rettungs- und Hilfsorganisationen angeboten worden seien.

Auch das Unternehmen CoviMedical beobachtet, dass sich der Trend vom Antigen- zum PCR-Test verschoben habe – nicht nur weil viele Urlaubsländer diese für die Einreise fordern, sondern auch, weil diese deutlich aussagekräftiger seien. Bei Veranstaltungen, bei denen nur einmal getestet werden kann, seien zum Beispiel PCR-Tests unerlässlich, um einen sicheren Ablauf zu gewährleisten. Antigenschnelltests wären dann geeignet, wenn regelmäßige Testungen möglich sind. „PCR-Tests werden zur Bekämpfung der Pandemie, jetzt und im Herbst, der Schlüssel sein, da sie deutlich sicherer in ihrem Ergebnis sind“, ist sich Neumeier sicher.

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