• Startseite
  • Gesundheit
  • Corona-Tests: Gibt es falsch positive Ergebnisse? Wie hoch ist die Infiziertenzahl wirklich?

So wird die Zahl der Corona-Neuinfektionen ermittelt

  • Täglich gibt das Robert Koch-Institut die Zahl der neu bestätigten Corona-Infektionen bekannt.
  • Aber woher stammen die Daten – und wie zuverlässig sind sie?
  • Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Anzeige
Anzeige

Wie ermittelt das RKI die neuesten Infektionszahlen?

Labore, die den Erreger nachweisen, müssen dies an das zuständige Gesundheitsamt melden. Auch Ärzte, die vermuten, dass sich ein Patient mit dem Coronavirus angesteckt hat, müssen das Gesundheitsamt informieren. Die Gesundheitsämter geben diese Daten an das RKI weiter. Erfasst werden also sowohl Verdachtsfälle als auch bestätigte Fälle. Als Neuinfektionen werden aber nur labordiagnostisch bestätigte Fälle gezählt.

Warum werden teils unterschiedliche Zahlen angegeben?

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Alle Meldungen fließen beim RKI zusammen. Möglich ist aber, dass regional Infektionszahlen veröffentlicht werden, bevor diese an das RKI übermittelt wurden oder dort in den aktuellen Situationsbericht eingeflossen sind. Dadurch lassen sich geringfügige Abweichungen bei den aktuellen Fallzahlen erklären. Das Meldesystem kann auch Schwankungen bei den Fallzahlen im Verlauf einer Woche begünstigen. So übermitteln an den Wochenenden nicht alle Gesundheitsämter ihre Daten, was niedrigere Fallzahlen an Sonntagen und Montagen und höhere Fallzahlen jeweils ab Dienstag erklären kann.

Anzeige

Mit welcher Methode wird eine Infektion nachgewiesen?

Eine Infektion wird dadurch bestätigt, dass ein Labor das Erbgut des Erregers im Untersuchungsmaterial des Infizierten (Nase-Rachen-Abstrich) nachweist. Genutzt wird dazu das sogenannt RT-PCR-Verfahren. Positive Antikörpernachweise (Bluttests), die auf eine vergangene Infektion mit dem Virus hinweisen, fließen hingegen laut RKI nicht in die Statistik der Neuinfizierten ein.

Anzeige

Wie zuverlässig sind die Testergebnisse – gibt es falsch positive Tests?

Ja, es gibt die Möglichkeit, dass ein PCR-Test ein falsch positives Ergebnis liefert, also eine gesunde Person fälschlicherweise als infiziert einstuft. Das kommt selten vor und fällt umso stärker ins Gewicht, wenn auch Infektionen selten sind, aber viele Menschen getestet werden. Tatsächlich sind derzeit nur etwa ein Prozent der Corona-Labortests positiv. Bei 1000 Tests werden demnach zehn Infektionen festgestellt. Hersteller geben die Genauigkeit ihrer Tests mit über 99 Prozent an. Das bedeutet: Selbst wenn ein Test zu 99,9 Prozent zuverlässig wäre, würde er dann bei einer Person von 1000 ein falsch positives Ergebnis liefern.

Allerdings ist die Zahl falsch negativer Tests wahrscheinlich höher, da das Erbgut des Erregers nicht zu jeder Zeit nachgewiesen werden kann. Andererseits kann die Rate falsch positiver Ergebnisse von Labor zu Labor schwanken und theoretisch auch höher ausfallen.

Ist es möglich, dass Fälle doppelt gezählt werden, wenn eine Person zweimal positiv getestet wurde?

Ein doppelte Zählung von Fällen ist bei den Neuinfektionen nicht möglich. Dem Gesundheitsamt müssen nämlich nach Infektionsschutzgesetz auch Name, Adresse und Kontaktdaten der betroffenen Person mitgeteilt werden, damit es einen Ausbruch nachverfolgen und eindämmen kann. Erst bei der Übermittlung an das RKI werden die Daten anonymisiert.

Steigt die Zahl der gemeldeten Infektionen, weil mehr getestet wird?

Wenn mehr getestet wird, werden auch mehr Infektionen mit dem Coronavirus erkannt. Laut RKI reicht das als Erklärung aber nicht aus, um die gestiegenen Fallzahlen zu erklären. Zu welchem Anteil die häufigeren Tests für höhere Infektionszahlen verantwortlich sind, lässt sich nur schwer ermitteln. Das liegt auch daran, dass in der RKI-Statistik zu den durchgeführten Tests jeder einzelne durchgeführte Test gezählt wird, auch wenn zweimal die gleiche Person getestet wurde. Daher lässt sich nicht genau sagen, in welchem Umfang sich die Zahl der getesteten Personen erhöht hat. Anders sieht es bei den bestätigten Fällen von Neuinfizierten aus: Hierbei werden die infizierten Personen gezählt.

Wie hoch ist die tatsächliche Anzahl der Infizierten?

Die meisten Infektionen mit dem Coronavirus verlaufen mild oder symptomlos und werden deshalb nicht erkannt. Es gibt also eine Dunkelziffer, die um ein Vielfaches höher liegt als die Zahl der offiziell registrierten Fälle. Das RKI verweist auf Studien aus China, wonach der Anteil der Infizierten dort elf- oder sogar 20-mal höher lag als die Zahl der erfassten Fälle. Diese Zahlen erlaubten aber nur eine vorsichtige Schätzung für Deutschland.

Anzeige

Um die Dunkelziffer in Deutschland verlässlich zu ermitteln, will das RKI eine bundesweite Studie starten. Dabei soll ermittelt werden, wie viele Menschen Antikörper gegen das Virus im Blut haben – was bedeutet, dass sie in der Vergangenheit infiziert waren. Eine hohe Dunkelziffer unerkannter Fälle ist nicht unbedingt bedrohlich: Im Gegenteil, sie spricht dafür, dass die Sterblichkeit noch geringer ist, als es nach den offiziellen Zahlen den Anschein hat. Andererseits erschweren es unerkannte Fälle, das Infektionsgeschehen einzudämmen.

RND

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen