Positiv auf Corona getestet worden, aber nicht ansteckend? Was der Ct-Wert über die Infektiosität verrät

  • Nicht jeder, der positiv auf das Coronavirus getestet wird, ist auch ansteckend.
  • Wie infektiös ein Getesteter ist, ließe sich aus dem Ct-Wert ableiten.
  • Dieser wird zwar vom Labor erhoben, den Gesundheitsämtern aber nicht übermittelt.
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Wer nur eine geringe Menge Viren in sich trägt, ist für andere kaum oder gar nicht ansteckend – und bekommt trotzdem ein positives Testergebnis. Anhand der genauen Laborwerte ließe sich zwar erkennen, wie infektiös jemand ist. Die Informationen werden aber nicht übermittelt.

Das Standardtestverfahren beim Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion ist nach wie vor das PCR-Verfahren. Der PCR-Test kann Erbgutsequenzen des Virus in Abstrichen aus dem Nasenrachenraum aufspüren. Diese sind aber erst ab einer bestimmten Menge nachweisbar. In mehreren Durchlaufzyklen wird daher versucht, das Virenerbgut zu vermehren. Irgendwann liegt genug Erbgut vor und der Test schlägt positiv an.

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Viele positiv Getestete womöglich nicht ansteckend

Der PCR-Test liefert nebenbei aber noch eine weitere Information. So gibt der sogenannte Ct-Wert an, wie viele Vermehrungszyklen nötig waren, ehe ein Test angeschlagen hat. Wenn sich viele Viren in der Probe befinden, ist ein Test schon nach zehn bis 15 Durchläufen, also bei einem Ct-Wert von zehn bis 15, positiv. Enthält ein Abstrich hingegen nur sehr wenig Virusmaterial, sind mehr als 30 Vermehrungszyklen erforderlich, der Ct-Wert ist dann höher als 30. Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge ist ab einem Ct-Wert von über 30 aus einer Probe kein Virus mehr anzüchtbar. Das heißt: Infizierte dürften nicht mehr in der Lage sein, andere anzustecken. Trotzdem gilt ein solches Testergebnis als positiv. Erst wenn nach 37 oder 40 Vermehrungszyklus kein Virus nachgewiesen wird, wird ein Testergebnis als negativ eingestuft.

Ct-Wert wird bei Quarantäneanordnung nicht berücksichtigt

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Wie Recherchen von NDR, WDR und SZ ergeben hatten, werden die meisten Gesundheitsämter aber nicht einmal über den Ct-Wert von Infizierten informiert. Auf Nachfrage konnten nur drei Ämter Zahlen liefern: Demnach lag bei 20 bis 60 Prozent der positiv Getesteten der Ct-Wert über 30, sie waren also nicht ansteckend. Nur in Einzelfällen wird der Ct-Wert aber bei Entscheidungen über Isolation und Quarantäne berücksichtigt.

Das RKI empfiehlt bisher nur in einem Fall, den Ct zur Beurteilung heranzuziehen: Patienten mit schwerem Verlauf dürfen zehn Tage nach Symptombeginn aus der Isolation entlassen werden, wenn sie 48 Stunden symptomfrei sind und ihr Ct-Wert auf eine niedrige Viruslast hindeutet. Patienten mit leichten Symptomen oder Patienten ganz ohne Symptome sollen nach Auffassung des RKI auch bei hohen Ct-Werten nicht eher „entisoliert“ werden.

Zur Begründung verweist das RKI darauf, dass Ct-Werte je nach Probennahme und Testverfahren variieren können – allerdings gilt das insgesamt für die Aussagekraft der PCR-Tests. Der Test kann auch so schon Infektionen übersehen, wenn er nicht zum richtigen Zeitpunkt oder schlecht durchgeführt wird.

Drosten empfiehlt Auswertung der Ct-Werte

Charité-Virologe Christian Drosten hatte bereits im September in seinem NDR-Podcast empfohlen, Ct-Werte zur Einschätzung der Infektiosität zu nutzen. Wenn ein standardisiertes Verfahren angewendet werde, sei das für jedes Labor möglich. Zusammen mit dem Testergebnis könne dann der Befund übermittelt werden, ob eine hohe oder niedrige Infektionsgefahr vom Getesteten ausgehe.

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Falls die Gesundheitsämter Ct-Werte künftig berücksichtigen, würde das vielen nicht Ansteckenden die Isolation und ihren Familien und Freunden die Quarantäne ersparen. Auch die Ämter wären letztendlich entlastet, da bei nicht Ansteckenden auf eine Nachverfolgung der Kontakte verzichtet werden könnte. Maßnahmen könnten sich stärker auf Hochinfektiöse konzentrieren.


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