Die schwierige Suche nach dem schnellen Corona-Test

  • In der Corona-Krise hängt viel von der Entwicklung der Infektionszahlen ab.
  • Und um die zu kennen, müssen viele Menschen getestet werden.
  • Große Hoffnungen werden in einen Antigentest gesetzt - doch der ist vorerst noch Zukunftsmusik.
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Alles ist eine Frage der Zahlen. Welche Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in Frage kommen, hängt davon ab, wie viele Menschen infiziert sind. Gibt es nur wenige Infizierte - und sind die Fälle bekannt - dann könnten strenge Restriktion gelockert werden. Viele Maßnahmen und Entscheidungen hängen daher derzeit davon ab, wie sich die Infektionszahlen entwickeln. Doch um das zu wissen, braucht es Tests. Sehr viele Tests.

Die Testkapazität liege derzeit bei rund 360.000 Tests pro Woche in Deutschland, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, am Donnerstag. Doch es gibt Überlegungen, sie auszubauen: In einem nun öffentlich gewordenen internen Strategiepapier des Bundesinnenministeriums wird mit bis 200.000 Test geplant- und zwar am Tag.

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Wie könnte das gehen? Und welches Potenzial haben die “Schnelltestst”, die derzeit von verschiedenen Firmen entwickelt werden? Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Testmethoden.

Der PCR-Test - sicher, aber langsam

Bisher werden mögliche Coronavirus-Proben mittels der sogenannten PCR (“Polymerase-Kettenreaktion”) analysiert. Untersucht werden mit dem Wattestäbchen genommene Schleimhautabstriche. Dabei wird das Virus, einfach gesagt, durch sein Erbgut identifiziert. Das in der Probe vorhandene Virus-Genom wird erst vervielfältigt und anschließend mit dem bekannten Erbgut von Sars-Cov-2 verglichen.

Der Test sei zwar einerseits sehr spezifisch, bringe aber einen gewissen logistischen Aufwand mit sich, sagt Stefan Dübel von der TU Braunschweig, der selbst an der Entwicklung eines Tests beteiligt ist. Die Proben müssen an ein Labor geschickt werden und dort von ausgebildeten Mitarbeitern bearbeitet und analysiert werden. Das führe dazu, dass das Testergebnis den Patienten manchmal erst nach Tagen bekannt werde.

Welche Rolle spielt der Schnelltest von Bosch?

Diesen Vorgang beschleunigen will ein von der Firma Bosch entwickelte “Schnelltest”. Das Unternehmen hat für eines seiner Analysegeräte einen Corona-Test entwickelt. Das entsprechende Analysegerät, das bereits auf verschiedene andere Erreger testet, bekommt quasi ein Corona-Update. Auch in dem Fall wird das Virus über sein Erbgut mit Hilfe eines PCR-Tests identifiziert, teilt Bosch mit. “Nachdem die Probe einer Testperson in die Kartusche eingefüllt wurde, wird diese in das Auswertegerät gesteckt und der Test läuft anschließend vollkommen automatisiert ab.”

Der Unterschied ist: Statt einem Labor braucht es nur noch das Analysegerät. Tests könnten deshalb direkt vor Ort in Krankenhäusern oder Arztpraxen möglich sein, sagt Bosch. Dadurch reduziere sich die lange Wartezeit auf unter zweieinhalb Stunden. “In diversen internen Labortests mit SARS-CoV-2 lieferte der Test Ergebnisse mit einer Sensitivität von über 95 Prozent”, teilt das Unternehmen mit. Weitere Angaben zur Genauigkeit des Tests machte Bosch auf Nachfrage nicht. Erhältlich soll der Test ab April sein - zu welchem Preis sagt Bosch nicht.

KBV-Chef Gassen machte am Donnerstag jedoch deutlich, dass er den Bosch-Schnelltest eher als ergänzende Maßnahmen betrachte. Der Test habe “zwar den Charme”, dass man ihn in der Praxis machen könne, ein Test pro Person dauere aber zweieinhalb Stunden. "Da können Sie sehr schnell hochrechnen, wie viel Maschinen sie brauchen, um auf die derzeitige Testkapazität zu kommen.“ Auch das Bundesgesundheitsministerium will erst klar wissen, wie zuverlässig der Test ist.

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Der Antikörpertest - schneller, aber nicht aktuell

Schneller als die PCR ist der sogenannte “Antikörpertest”. Dabei untersucht man anhand einer Blutprobe, ob ein Mensch Antikörper gegen Sars-Cov-2 entwickelt hat. Diese werden gebildet, wenn der Körper gegen ein Virus oder einen anderen Eindringling vorgeht.

Mit dem Test lässt sich also gut feststellen, ob jemand eine entsprechende Immunreaktion hatte. Das ist aber auch gleichzeitig sein Problem: Denn Menschen können durchaus bereits infiziert sein, ohne schon Antikörper gegen das Virus gebildet zu haben. “Sie laufen dann vielleicht viele Tage weiter als Virusschleuder durch die Gegend, während sie erst Antikörper bilden”, sagt Dübel. Antikörpertests (oder genauer: Tests, die zeigen, ob es schon eine Immunantwort gab) sind daher keine gute Möglichkeit, wenn man Infektionszahlen möglichst aktuell bestimmen möchte.

Trotzdem haben sie einen Nutzen: Sie können zeigen, ob Menschen bereits immun sind. Genau das ist das Ziel eines großen Forschungsprojekts, bei dem das Blut von mehr als 100.000 Probanden auf Antikörper gegen den Covid-19-Erreger untersucht werden soll. Wie der Spiegel am Freitag berichtete, könnten demnächst einige Forschungsinstitute auf dem Wege untersuchen, wie viele Menschen in Deutschland bereits immun gegen das Virus sind.

Der Antigentest - schneller und aktueller

Eine dritte Möglichkeit, auf die gerade große Hoffnungen gesetzt wird, ist daher der sogenannte Antigentest. Auch dabei kommen Antikörper zum Einsatz - allerdings auf dem Teststreifen. Die Idee: Wenn eine Probe das Virus enthält, reagieren seine Proteine auf der Außenhülle (die Antigene) mit den passenden Antikörpern auf dem Teststreifen.

Das Ergebnis wäre innerhalb von wenigen Minuten verfügbar und gleichzeitig könnte man die Tests auch direkt vor Ort in Kliniken, Arztpraxen oder - eines Tages vielleicht sogar - zu Hause machen, erklärt Dübel. Ein erfolgreicher Antigentest - am besten direkt auf einem sehr schnellen Direkt-Auslesesystem wie einem elektronischen Chip - wäre damit also wesentlich schneller als die PCR, und auch aktueller als der Antikörpertest. Oder wie Dübel es sagt, “der Versuch eine eierlegende Wollmichsau zu finden”.

Dübel will sie finden. Damit das gelingt, hat er sich unter anderem mit dem Healthtech-Unternehmen Digital Diagnostics AG zusammengetan. Während Dübel und seine Kollegen an den passenden Antikörpern forschen, arbeitet das Unternehmen an der Entwicklung der notwendigen Chips. “Die grundlegenden Elemente sind entwickelt”, sagt Dübel. “Jetzt müssen sie nur noch zusammengeführt werden - und zwar in Rekordzeit." Der Wissenschaftler hofft, dass im Mai die ersten Prototypen getestet werden können.

Drosten hofft auf Antigentests

Tatsächlich ist der Zeitdruck groß. So sagte zum Beispiel der Virologe Christian Drosten im Interview mit “Zeit Online”: “Wenn die [Antigentests] gut anschlagen, dann können sie die aktuellen komplett ersetzen. Dann sind die Warteschlangen weg.”

Auch Dübel glaubt, dass ein funktionierender Antigen-Schnelltest das “Handling der Corona-Pandemie revolutionieren würde”. Denn er gebe so viel schneller Rückmeldung über die tatsächliche Verbreitung des Virus: “Wenn die Ärzte dann zum Beispiel digital direkt an das RKI aktuelle Fallzahlen melden, könnte man quasi eine Echtzeitkarte bereitstellen.” Das würde es auch leichter machen, politische Entscheidungen zu treffen.





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