Studie untersucht, welche Lockdownmaßnahmen den größten Effekt haben

  • Wie wirksam sind die einzelnen Coronamaßnahmen? Eine pauschale Antwort gibt es auf diese Frage bisher nicht.
  • Ein internationales Forscherteam hat jetzt den Versuch gewagt, mithilfe von Statistik die Effektivität der Regelungen zu ermessen.
  • Es zeigte sich, dass nicht alle Maßnahmen gleichermaßen effektiv sind.
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Oxford. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, hat am Freitag bei der Bundespressekonferenz eine düstere Prognose abgegeben: „Es gibt deutliche Signale, dass diese Welle schlimmer wird als die ersten beiden Wellen.“ Weil sich die leichter übertragbare britische Virusvariante B.1.1.7 in Deutschland ausbreitet, dürften die Corona-Fallzahlen weiter steigen. „Wenn wir jetzt nicht sofort massiv gegensteuern, dann werden die Folgen gravierend sein“, warnte Wieler.

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Doch mit welchen Maßnahmen lässt sich die dritte Corona-Welle brechen? Ein internationales Forscherteam um den Mediziner Jan M. Brauner von der Oxford-Universität hat analysiert, wie sich unterschiedliche Regelungen auf die Reproduktionszahl auswirken. Diese Kennzahl gibt an, wie viele Menschen ein Corona-Infizierter im Schnitt ansteckt.

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Wissenschaftler werten Daten aus 41 Ländern aus

Die Forscher griffen für ihre Untersuchungen auf Daten von 41 Ländern zurück – darunter auch Österreich, Deutschland, Großbritannien, Südafrika und Singapur. Ihre Studie, die sie im Fachmagazin „Science“ veröffentlichten, betrachtet dabei die Verläufe der Reproduktionszahl im Zeitraum von Januar bis Mai 2020.

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Die wirksamste Maßnahme sind demnach die Kontaktbeschränkungen. Ein Versammlungsverbot für mehr als zehn Personen könne die Reproduktionszahl um durchschnittlich 42 Prozent reduzieren, heißt es in der Studie. Ebenfalls effektiv seien Schul- und Universitätsschließungen sowie die Begrenzung von Versammlungen auf 100 Personen. Eine geringere Wirksamkeit wiesen bisher hingegen Schließungen von Restaurants, Bars und Clubs auf, die die Reproduktionszahl nur um rund 18 Prozent senkten.

Zusätzliche Ausgangssperren haben nur geringen Effekt

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder hatten beim Corona-Gipfel am Montag auch über Ausgangssperren verhandelt. Am Ende fand sich dafür jedoch keine Mehrheit. In Ländern, die diese Maßnahme ergriffen hatten, zeigte sich nur ein mittelmäßiger Einfluss auf die Reproduktionszahl. Um durchschnittlich 13 Prozent ging die Corona-Kennzahl zurück, wenn die Ausgangssperren als zusätzliche Maßnahme angeordnet wurden.

„Die Begrenzung von Versammlungen auf weniger als zehn Personen, die Schließung von Geschäften mit hoher Exposition und die Schließung von Schulen und Universitäten waren jeweils effektiver als die Anweisung, zu Hause zu bleiben, die nur eine bescheidene Wirkung auf die Verlangsamung der Übertragung hatte“, schrieben die Forscher. Bei der Interpretation der Ergebnisse muss jedoch beachtet werden, dass es sich nur um Schätzungen zu den Effekten der einzelnen Lockdownmaßnahmen handelt.

Spahn: „Staatliche Maßnahmen alleine lösen das Problem nicht“

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Zu einer ähnlichen Einschätzung kam Anfang Januar eine Preprint-Studie aus der Schweiz. Darin wurden ebenfalls Versammlungsverbote, Schulschließungen und Schließungen von Veranstaltungsorten wie Geschäfte, Restaurants und Bars als wirksame Lockdownmaßnahmen benannt. Die Wissenschaftler der ETH Zürich hatten anonymisierte Telekommunikationsdaten ausgewertet, um beurteilen zu können, wie sich die unterschiedlichen Regelungen auf die Mobilität der Menschen auswirken.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) machte in der Bundespressekonferenz am Freitag wiederum deutlich: „Staatliche Maßnahmen alleine lösen das Problem nicht.“ Jeder Bürger könne selbst einen Beitrag dazu leisten, die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, indem die AHA+L-Regeln (Abstand halten, Hygiene, Alltagsmasken tragen, lüften) beachtet werden.

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