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Corona-Studie aus Mainz: Knapp drei Millionen Deutsche hatten Corona – wissen es aber nicht

  • Rund drei Millionen Menschen waren mit dem Coronavirus infiziert – ohne es zu wissen.
  • Das geht aus der „Gutenberg COVID-19 Studie“ hervor, die Forscher der Unimedizin Mainz vorgestellt haben.
  • Außerdem infizieren sich offenbar besonders junge Menschen häufig.
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Mainz. Eine groß angelegte Studie der Universitätsmedizin Mainz gibt tiefe Einblicke, wie sich das Coronavirus verbreitet. Über 42 Prozent aller Corona-Infizierten wissen laut der Studie nicht, dass sie das Virus in sich tragen. Das erklärte der Epidemiologe Philipp Wild am Mittwoch bei der Vorstellung der Studienergebnisse. Es bestehe die Gefahr, dass die Betroffenen den Erreger unbewusst weitergeben und sich die Pandemie weiter ausbreiten kann. „Zu zehn Personen, die wissentlich infiziert sind, müssen wir acht dazurechnen, die unwissentlich infiziert sind“, erklärt Wild. Hochgerechnet auf die RKI-Zahlen aller Infizierten bedeute dies laut Wild, dass knapp drei Millionen Deutsche mit dem Corona-Erreger infiziert waren, ohne es zu wissen.

Wer hat ein höheres Corona-Risiko?

Laut der Mainzer Studie infizieren sich mehr Männer mit dem Coronavirus als Frauen. Das überrascht zunächst, denn laut den offiziellen RKI-Zahlen werden mehr Corona-Infektionen bei Frauen nachgewiesen. Epidemiologe Wild erklärt aber: „Mehr Männer sind unwissentlich infiziert als Frauen.“ Dagegen kommen positive PCR-Tests bei Frauen häufiger vor.

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Auch ältere Menschen seien deutlich häufiger unwissentlich infiziert als jüngere, heißt es in der Studie. Ein Grund dafür ist, dass sich jüngere Menschen öfter testen lassen und eine Infektion mit dem Coronavirus daher häufiger auffalle. Konkret: In der Altersgruppe 75 bis 88 Jahren wissen zwei Drittel der infizierten Personen nichts von der Infektion. Bei den Jüngeren ist es dagegen nur jeder Dritte. Gleichzeitig weisen die Forscher darauf hin, dass jüngere Menschen (25 bis 44 Jahre alt) ein 1,7-mal häufigeres Infektionsrisiko haben als ältere Menschen. Eine weitere Erkenntnis: Menschen mit hohem sozioökonomischen Status wissen häufiger von ihrer Infektion als sozial benachteiligte Menschen. Sie erkranken häufiger unwissentlich.

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Abstand und Maske: Was taugen die Corona-Maßnahmen?

„Ganz klar: Ich kann mein Risiko auf die Hälfte reduzieren, wenn ich den Mindestabstand einhalte“, sagt der Epidemiologe Wild von der Unimedizin in Mainz. Wer nie oder nur selten den Mindestabstand einhält, hat laut Studie ein Infektionsrisiko von 6,2 Prozent. Wer immer oder fast immer den Abstand einhält, nur ein Risiko von 3,0 Prozent. Einen ähnlichen Befund machen die Forschenden für das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes aus. Hier sinkt das Risiko einer Infektion um etwa ein Drittel. „Das heißt: Abstand bringt mehr als ein Mund-Nasen-Schutz, aber beides hat einen Effekt“, so Wild.

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Kinder im Haushalt bedeuten kein höheres Infektionsrisiko, zeigt die Auswertung von 2200 Personen aus Familien mit Kindern. Auch seien Kinder weniger anfällig, sich selbst anzustecken. Rund 10.000 Menschen haben insgesamt an der Studie teilgenommen.

Impfen und Testen gegen Corona – was sagt die Studie aus Mainz?

Die Forschenden haben untersucht, bei wem besonders häufig eine Impfreaktion auftritt. Sie kommen zum Ergebnis, dass die Impfreaktionen abhängig nach Alter auftreten und dass dies alle Impfstoffe betreffe. Junge Menschen bis 30 haben in über 90 Prozent der Fälle eine Impfreaktion, so die Mainzer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Außerdem seien Frauen deutlich häufiger von Impfreaktionen betroffen als Männer.

Der sozioökonomische Status steht in einem engen Zusammenhang mit der Frage, wer sich impfen lässt und wer nicht. So liegt die Impfbereitschaft sozial benachteiligter Menschen bei rund 75 Prozent, bei Menschen mit hohem sozioökonomischen Status bei 90 Prozent. „Das bedeutet, dass wir besser über die Impfungen kommunizieren und auch die Risiken ins Verhältnis setzen müssen, Barrieren abbauen, Angebote bei Arbeitgeber oder im Stadtteil vor Ort errichten müssen und dass wir kommunizieren sollten, dass die Impfung nicht nur sich selbst, sondern auch anderen hilft“, meint Wild.

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Der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) kündigte an, eine Fortsetzung der Studie mit EU-Fördermitteln sei geplant. Dafür werde die Universitätsmedizin 1,5 Millionen Euro erhalten. Auch die Auswertung der bereits erhobenen Daten ist noch nicht abgeschlossen. So sollen die Auswirkungen der Pandemie auf die allgemeine gesundheitliche und psychische Verfassung untersucht werden.

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