Studie zu Spätfolgen: Hälfte der Covid-19-Patienten kämpft mit Müdigkeit

  • Welche langfristigen Folgen kann eine Infektion mit dem Coronavirus haben?
  • Viele Corona-Patienten klagen lange nach ihrer Ansteckung über Müdigkeit und Erschöpfung.
  • Medizinern fehlen bisher wichtige Forschungserkenntnisse, um Corona-Spätfolgen einschätzen zu können.
David Sander
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Hannover. Wer sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert hat und 14 Tage später keine Symptome hat und bei folgenden Corona-Tests ein negatives Ergebnis hat, gilt als genesen. Doch weltweit berichten immer mehr Corona-Patienten auch noch lange nach ihrer Ansteckung mit dem Coronavirus über wiederkehrende Symptome. Viele von ihnen fühlen sich unter anderem erschöpft und müde.

Eine noch zu begutachtende Studie auf dem Preprint-Server Medrxiv aus Irland hat die Erschöpfungserscheinungen bei Covid-19-Patienten näher unter die Lupe genommen. ″Obwohl die Merkmale der Sars-CoV-2-Infektion gut charakterisiert sind, bleiben die mittel- und langfristigen Folgen einer Infektion unerforscht”, schreibt einer der Studienurheber, Liam Townsend vom St. James’s Hospital und dem Trinity Translational Medicine Institute am Trinity College Dublin, in einem Papier zur Studie.

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Besonders in den vergangenen zwei Wochen ist die Zahl der verstorbenen Personen auf 50 bis 60 pro Tag angestiegen – nachdem sie im Juli noch einstellig war.
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Covid-19-Patienten berichten von Erschöpfung nach Genesung

128 genese Covid-19-Patienten des St. James’s Hospitals nahmen an der Studie zu Langzeitfolgen teil: 52 Prozent von ihnen berichteten von anhaltender Müdigkeit, teils zehn Wochen nach “offizieller Genesung” – unabhängig von der Schwere des Krankheitsverlaufs. Die Ergebnisse von Townsend und seinen Kollegen bilden keine Minderheit ab, immer wieder wird über ähnliche Fälle berichtet.

Diverse Berichte: Viele Genesene fühlen sich erschöpft

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So ergab beispielsweise auch eine im Juli durchgeführte Studie mit 143 genesenen Krankenhauspatienten in Italien, dass 87 Prozent von ihnen zwei Monate nach ihrer Covid-19-Erkrankung immer noch unter mindestens einem Symptom leiden – Müdigkeit und Atembeschwerden traten am häufigsten auf. Auch in Deutschland wurden ähnliche Fälle bekannt. Die “Berliner Morgenpost” berichtete im August beispielsweise über eine junge Berlinerin, die seit ihrer Corona-Infektion an Müdigkeit leidet.

Auch Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover beobachteten nach der Erkrankung vieler Patienten noch Erschöpfung und Kurzatmigkeit – teils auch bei jüngeren Patienten mit mildem oder moderatem Krankheitsverlauf. “Das ist das, was ich jungen Leute immer versuche, klarzumachen: Für die Langzeitfolgen spielt das Alter gar keine Rolle", betonte Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover gegenüber der “Tagesschau”.

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Corona-Spätfolgen: Weitere Forschungen nötig

In Onlinenetzwerken haben sich Erkrankte und Genesene zu Selbsthilfegruppen formiert. Viele berichten davon, dass sie sich von ihren behandelnden Ärzten nicht richtig verstanden fühlten. Noch ist vieles unklar, etwa das, was im Körper passiert. Eine zentrale Frage bleibt: Verursacht das Coronavirus selbst diese Spätfolgen oder ist es eine überschießende Immunreaktion des Körpers auf den Erreger? Klar ist aktuell lediglich, dass sich das Virus auch noch lange nach der Erkrankung bei vermeintlich Genesenen bemerkbar macht.

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