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Long-Covid: Forscher identifizieren mögliche Ursache für „Hirnnebel“

  • Es gilt mittlerweile als gesichert, dass das Coronavirus auch das Gehirn angreifen kann.
  • Patienten berichten dann über Symptome wie Kopfschmerzen oder Gedächtnisverlust.
  • US-amerikanische Forscher haben in Entzündungsmolekülen eine mögliche Ursache für diesen „Hirnnebel“ entdeckt.
Laura Beigel
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New York. Mediziner weltweit beobachten bei einigen Corona-Patienten neurologische Symptome wie Müdigkeit, Gedächtnisverlust, Verwirrtheit oder Kopfschmerzen. Was umgangssprachlich als „Hirnnebel“ oder „Covid-Gehirn“ bezeichnet wird, kann für Betroffene mitunter zu einer langfristigen Belastung werden. Denn die Symptome können noch wochenlang nach der Erkrankung vorhanden sein. Doch wie kommt es überhaupt dazu?

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US-amerikanische Forscher des Memorial Sloan Kettering Cancer Centres (MSK) in New York vermuten die Ursache für diesen „Hirnnebel“ in Entzündungsmolekülen, den sogenannten Zytokinen. „Wir fanden heraus, dass die Patienten anhaltende Entzündungen und hohe Konzentrationen von Zytokinen in ihrem Gehirnwasser hatten, was die Symptome erklärte“, sagte Jan Remsik, Forscher am MSK und Erstautor der im Fachmagazin „Cancer Cell“ veröffentlichten Studie.

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Entzündungsmoleküle lagern sich im Gehirnwasser an

Im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 haben Wissenschaftler schon häufiger über einen Zytokinsturm berichtet. Dabei handelt es sich um eine überschießende Immunreaktion, die das Coronavirus im Körper auslöst. Diese Entzündungsproteine scheinen sich im Fall einer Sars-CoV-2-Infektion auch im Gehirnwasser anzulagern und neurologische Funktionsstörungen zu verursachen.

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Die Forscher hatten zunächst vermutet, dass das Coronavirus selbst Auslöser für die Symptome sein könnte. Bei 13 von insgesamt 18 Krebspatienten, die über neurologische Probleme klagten und zuvor positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden, untersuchten sie die Rückenmarksflüssigkeit, um Spuren des Erregers festzustellen – allerdings erfolglos. Als sie die Proben später im Labor genauer untersuchten, wurden die Wissenschaftler schließlich auf die hohe Konzentration an Zytokinen aufmerksam.

Entzündungshemmende Medikamente könnten Symptome mildern

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„Früher dachten wir, dass das Nervensystem ein immunprivilegiertes Organ ist, was bedeutet, dass es überhaupt keine Beziehung zum Immunsystem hat“, sagte Adrienne Boire, Neuroonkologin am MSK, die an der Studie mitgewirkt hat. „Aber je mehr wir suchen, desto häufiger finden wir Verbindungen zwischen den beiden.“

Die Ergebnisse der Studie liefern zudem wichtige Erkenntnisse für die Therapie von Corona-Patienten mit neurologischen Symptomen. Die Forscher glauben, dass entzündungshemmende Medikamente gegen den „Hirnnebel“ wirksam sein könnten.

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Diese Arzneimittel erhalten beispielsweise auch Patienten, wenn sie im Zuge einer chimären Antikörper-Rezeptor-T-Zell-Therapie – also einer Krebsimmuntherapie – Nebenwirkungen entwickeln. Bei ihnen sind dann ähnliche Entzündungsmarker nachweisbar wie bei den Corona-Patienten. In der Regel werden die Nebenwirkungen mit Steroiden behandelt. Allerdings wissen die Forscher noch nicht genau, welche Rolle entzündungshemmende Behandlungen für Menschen mit neurologischen Symptomen von Covid-19 spielen.

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