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Corona-Sequenzierung: Was machen andere Länder besser als Deutschland?

Die Art der Corona-Variante können Fachleute mithilfe einer Sequenzierung einer positiven Sars-CoV-2-Probe feststellen.

Um herauszufinden, mit welcher Corona-Variante sich ein Mensch infiziert hat, müssen Fachleute die Probe eines positiven Sars-CoV-2-Befundes im Labor genauer untersuchen. Diese Analyse wird Sequenzierung genannt – und ist im Kampf gegen das Virus eine wichtige Waffe. Denn so können Forschende frühzeitig erkennen, wie sich das Virus genetisch verändert und wie sich neue Varianten auf den Infektionsverlauf auswirken. „Je mehr Sequenzierungen wir haben, umso besser wird auch die Beurteilung der Lage“, sagte etwa der Virologe Jörg Timm vom Universitätsklinikum Düsseldorf im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Deutschland hinkte bei der Genom-Sequenzierung im Vergleich zu manchen anderen Ländern jedoch bis vor einem Jahr noch deutlich hinterher: In Deutschland wurde damals nur jede Tausendste positive Corona-Probe sequenziert, in England und Dänemark dagegen jede Zehnte. Dieser deutliche Unterschied hat sich inzwischen zwar verringert. Doch noch immer sequenzieren andere Länder schneller und häufiger.

Deutlich mehr Sequenzierungen im Vereinigten Königreich und Dänemark

In Europa dürfen sich vor allem drei Staaten als Vorreiter in Sachen Sequenzierung bezeichnen: Dänemark, Norwegen und das Vereinigte Königreich. Letzterer Inselstaat hat bislang insgesamt gut 24 Prozent aller weltweiten Covid-19-Sequenzierungen zur Initiative „Gisaid“ beigesteuert, die die weltweiten Sequenzierungsdaten sammelt. Weltweit haben nur die USA mehr Sequenzierungen eingereicht: Ihre Analysen machen einen Anteil von fast 32 Prozent aus. Der Beitrag von Deutschland liegt dagegen bei gut 4,8 Prozent.

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Im EU-Vergleich weist Deutschland mit inzwischen knapp 310.000 geteilten Befunden die meisten Sequenzierungen auf – und auch im weltweiten Vergleich haben Forschende hierzulande die drittmeisten Sequenzierungen durchgeführt. Allerdings hat Deutschland bei fast sieben Millionen Covid-19-Fällen seit Beginn der Pandemie damit nur knapp über 4,4 Prozent der Infektionen sequenziert. In dieser Hinsicht liegt Deutschland deutlich hinter Dänemark, die inzwischen 42 Prozent ihrer bestätigten Corona-Infektionsfälle in die Sequenzanalyse gegeben haben. Weltweit hat nur Island (über 44 Prozent) häufiger sequenziert. Und in Europa haben außerdem Norwegen (10,5 Prozent), die Schweiz (8,3 Prozent) und Irland (6,9 Prozent) prozentual mehr Covid-19 Fälle sequenziert als Deutschland, wie aus den Daten von „Gisaid“ hervorgeht.

Für mehr Sequenzierungen in Deutschland fehlt das Personal und Geld

In Deutschland hat die Menge an Sequenzierungen im Laufe der Pandemie zugenommen. Inzwischen sollen nach der nationalen Surveillance-Verordnung bei einer hohen Inzidenz mit über 70.000 täglichen Corona-Neuinfektionen bis zu 5 Prozent der positiven Proben sequenziert werden. Unter 70.000 Neuinfektionen müssen es 10 Prozent sein. Virologe Timm bezeichnet das als „guten Kompromiss“: Damit könne man einen Überblick darüber bekommen, welche Varianten bereits in Deutschland zirkulierten.

Dass Deutschland nicht häufiger sequenziert, liegt aktuell vor allem an zwei Gründen: Eine Sequenzierung kostet viel Geld und ist zeitaufwendig. Würde man die Zahl der Sequenzanalysen aufstocken wollen, brauche es dem Virologen zufolge somit auch mehr Personal und Geld, zumal eine Sequenzierung rund 200 Euro koste.

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In Deutschland schloss sich zwar schon früh in der Pandemie eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen, um die „Deutsche Covid-19-Omics-Initiative (Decoi) zu gründen. Allerdings fehlten anfangs das Geld für eine systematische Überwachung der Population und eine großflächige Sequenzierung von Coronaviren.

Was die Dänen und Briten anders machen

Das Vereinigte Königreich etwa ist hinsichtlich der Sequenzierung besser aufgestellt. Die Briten gelten sogar als Vorreiter bei der Genom-Sequenzierung. Schon am Anfang der Pandemie wurde das Konsortium „Covid-19 Genomics UK“ gegründet, dass dem britischen Gesundheitsdienst NHS und der Regierung umfangreiche Sequenzierungsdaten möglichst schnell zur Verfügung stellt. Anders als Decoi in Deutschland hatte das Konsortium schon anfangs die finanziellen Voraussetzungen für eine Analyse von möglichst vielen Proben. Forschende vermuten, dass die vor gut einem Jahr entstandene Beta-Variante auch deshalb im Vereinigten Königreich zuerst entdeckt wurde: So kann es sein, dass Beta in einem anderen Land entstanden ist – im Vereinigten Königreich aber aufgrund der häufigen Sequenzierungen erstmals festgestellt wurde.

Aufgrund der fortgeschrittenen Genom-Sequenzierungen hat sich das Vereinigte Königreich dazu entschlossen, andere Länder weltweit zu unterstützen. Mit der im Januar gegründeten „New Variant Assessment Platform“ sollen die Kapazitäten zur Sequenzierung mithilfe von britischer Expertise in anderen Ländern erweitert werden. Das Vereinigte Königreich bietet an, Proben aus anderen Ländern zu sequenzieren – oder Personal und Ausstattung zur Verfügung zu stellen.

Neben dem Vereinigten Königreich hat auch Dänemark aufwendige Projekte zur großflächigen Sequenzierung von Sars-CoV-2 gestartet. Kein Wunder also, dass auch das nördliche Nachbarland Deutschlands deutlich mehr sequenziert. Aufgrund ihrer schon früh ausgebauten Sequenzierungskapazitäten gelingt es dem Vereinigten Königreich und Dänemark, einen positiven PCR-Tests innerhalb einer verhältnismäßig kurzen Zeit zu sequenzieren. Schon im Januar erfolgte die Sequenzierung innerhalb von zwei Wochen – und damit deutlich schneller als damals in Deutschland. Inzwischen geht das Prozedere in den Ländern schneller. In Deutschland dauert die Analyse mittlerweile laut Timm „einige Tage“, weshalb es sich aber noch immer um eine „zeitaufwendige Untersuchung“ handele.

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EU-Forschungsstelle schlägt künftig andere Nachweismethode vor

Bislang bahnt sich in Deutschland nicht an, dass man die Sequenzierungen von Coronaviren aufstockt. Angesichts der steigenden Fälle mit der Omikron-Variante schlägt die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission eine andere Nachweismethode vor, mit der Labore anhand von Routine-PCR-Tests Omikron kostengünstig und in verhältnismäßig kurzer Zeit nachweisen und identifizieren können. Das „modifizierte Nachweisreagenz“ sei demnach schnell einsatzbereit und könne von den üblichen Anbietern von PCR-Tests bestellt werden. „Jedes Labor, das heute PCR-Tests durchführt, wird sich schnell umstellen können“, schreibt die Forschungsstelle in einer Mitteilung.

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