Corona-Selbsttests: RKI rät zur Vorsicht

  • In Deutschland sind nun die ersten Corona-Tests für Laien zugelassen worden.
  • Erhältlich sollen sie in Drogerien und bei Discountern sein, teilt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mit.
  • Das Robert-Koch-Institut hat einige wichtige Hinweise für den Selbsttest auf das Coronavirus – vor allem für negativ getestete Anwender.
Alice Mecke
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Hannover. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat die ersten drei Sonderzulassungen für Corona-Tests zur Eigenanwendung durch Laien erteilt. Das teilte ein Sprecher am Mittwoch mit. Bei allen drei Tests würden die Proben durch einen Abstrich im vorderen Nasenbereich entnommen. Erhältlich sollen sie in Drogerien und bei Discountern sein.

Im Gegensatz zu den geplanten Schnelltests, bei denen sich Menschen etwa in Apotheken von geschultem Personal mit Antigen-Schnelltests testen lassen sollen können, wird der Laientest komplett zu Hause durchgeführt: von der Probennahme über die Testung bis zur Bewertung.

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Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) haben Antigentests (also sowohl die Laien- als auch die Schnelltests) einen entscheidenden Vorteil – aber auch einen Nachteil. Sie weisen „eine geringere Sensitivität und Spezifität als PCR-Tests auf, was zu einer höheren Anzahl falsch negativer bzw. falsch positiver Testergebnisse führen kann“, so das RKI. Daher seien die Durchführung und Interpretation der Ergebnisse entscheidend im Kampf gegen die Pandemie.

Das RKI hat für den Umgang mit den Selbsttests im Epidemiologischen Bulletin 8/2021 wichtige Hinweise formuliert. Zunächst zur Frage, wann Antigentests eingesetzt werden sollten:

  • Antigentests können eine Infektion am ehesten erkennen, wenn sie kurz vor dem Auftreten von Symptomen beziehungsweise in der frühen symptomatischen Phase einer Infektion durchgeführt werden.
  • Die Sensitivität ist deutlich geringer, wenn die Tests ungezielt ohne Vorliegen von Symptomen und nur „sporadisch“ eingesetzt werden.
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Negative Testergebnisse nicht mit Sicherheit gleichstellen

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Es sei wichtig, dass die Bürger den Sinn und Zweck des Testens richtig verstehen, so das RKI. So diene er „nicht zum ‚Freitesten‘ mit Verzicht auf Schutzmaßnahmen, nicht zur ‚Selbstdiagnose‘, sondern zur Früherkennung sonst nicht erkannter Infektionen“. Ein negatives Testergebnisse könne die Anwender in falscher Sicherheit wiegen. „Ein negatives Testergebnis schließt eine Sars-CoV-2-Infektion nicht aus!“, lautet daher ein wichtiger Appell des RKI.

Auch bei korrekter Testdurchführung sei es lediglich weniger wahrscheinlich zum Zeitpunkt der Testung für andere ansteckend zu sein. Zudem sei die Aussagekraft eines solchen Testergebnisses zeitlich begrenzt. „Es ist also durchaus möglich, dass eine infizierte Person, die ein negatives Antigentestergebnis erhält, bereits am darauffolgenden Tag (bei gestiegener Viruslast im Nasen-Rachen-Raum) ein positives Ergebnis bekommt.“

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Ein negatives Testergebnis sollte daher nicht als „Ich bin nicht infiziert und kann daher auf Schutzmaßnahmen verzichten“ verstanden werden. Es sei in jedem Falle erforderlich, trotz eines negativen Antigentestergebnisses weiterhin die AHA+L-Regeln einzuhalten. Treten auch trotz eines negativen Ergebnisses Corona-Symptome auf, sei es erforderlich, einen Arzt aufzusuchen, informiert das RKI.

Positive Ergebnisse müssen gemeldet werden

Ein positives Ergebnis jedoch stelle zunächst einen Verdacht auf eine Corona-Infektion dar. Eine Diagnose dagegen erteile ein daran anschließender PCR-Test und die ärztliche Beurteilung. Ganz wichtig ist aber, dass das positive Antigentestergebnis nicht ignoriert werden darf: „Gemäß den Verordnungen einiger Bundesländer löst ein positives Antigentestergebnis bereits die Verpflichtung zur häuslichen Absonderung aus.“ Bei einem positiven Ergebnis ist es also erforderlich, dass man sich in Selbstisolation begibt und Kontakte konsequent reduziert und sich mit dem Hausarzt oder einem geeigneten Testzentrum in Verbindung setzt, um eine PCR-Testung zu vereinbaren und als Corona-Infizierter gelistet zu werden.

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Hilfestellung durch Apps?

Das RKI sei sich im Klaren darüber, dass an Verständnis und Eigenverantwortlichkeit der Anwender „sehr hohe Anforderungen“ gestellt werden. So könne zum Beispiel das sichere Ablesen schwacher Testreaktionen für medizinische Laien schwierig sein. Hier könnte gegebenenfalls eine fotografische Dokumentation der Testreaktion mit anschließender professioneller Bewertung hilfreich sein, raten die Experten.

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