Coronavirus in Deutschland: Wie kann ich mich schützen?

  • Das Coronavirus ist in Deutschland angekommen. Immer mehr Fälle werden bekannt. Experten raten dennoch zur Ruhe.
  • Zum Schutz vor Coronaviren gelten dieselben Maßnahmen, die bei Grippewellen angeraten sind.
  • Regelmäßiges Händewaschen, gründliche Hygiene und Abstand zu Erkrankten sind sinnvoll.
Heidi Becker
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Die Sorge um das Coronavirus rückt näher: Italien als das Land mit den bisher meisten erfassten Fällen in Europa hat drastische Maßnahmen zur Eindämmung des Sars-CoV-2-Virus und der Krankheit Covid-19 umgesetzt. Auch in Deutschland wird über Schutzmaßnahmen diskutiert.

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Coronavirus: So schützt man sich davor
2:02 min
Das neuartige Coronavirus hat Deutschland erreicht, doch Experten sehen keinen Grund zur Panik.  © Heidi Becker/AFP

Händewaschen hilft zur Vorbeugung

Generell gelten zum Schutz vor Coronaviren dieselben Maßnahmen, die zur Zeit von Grippewellen sowieso angeraten sind. Husten und Niesen sollte man in die Armbeuge und nicht in die Faust oder Handfläche. Hustet oder niest jemand anderes, hält man am besten einen bis zwei Meter Abstand. Von Nutzen kann sein, Umarmungen und Händeschütteln einzuschränken und von vielen Menschen berührte Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe und Aufzugknöpfe nicht anzufassen.

Die Hände sollten regelmäßig mindestens 20 Sekunden und mit Seife gewaschen werden – eine zusätzliche Desinfektion wird nötig, wenn kranke oder abwehrgeschwächte Menschen im Haushalt leben oder ein Krankenhaus besucht wird.

Um eine Übertragung von Infektionskrankheiten zu vermeiden, sollten Menschen nach Meinung der Experten den engen Kontakt zu anderen Menschen meiden – dazu zählt etwa das Küssen, Umarmen oder auch Händeschütteln. Dies gilt vor allem für gefährdete Menschen wie Schwangere, Säuglinge und alte oder immungeschwächte Personen. Wer seinen Schutz erhöhen will, sollte zudem große Menschenansammlungen meiden.

Grippeschutz ist jetzt wichtig

Einen Impfstoff gibt es noch nicht und wird es auch vor Jahresende nicht geben, sagt der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. Auch wenn eine Grippeimpfung nicht vor dem Coronavirus schützt, empfehlen Mediziner, diese dennoch vornehmen zu lassen. Auf diese Weise können Mediziner bei Menschen, die sich einer Grippeschutzimpfung unterzogen haben und trotzdem an den typischen Symptomen erkranken – das können etwa Husten oder Atemwegsinfektionen sein –, eine Influenza ausschließen. So werden unnötige Verdachtsfälle vermieden und den Behörden wird die Arbeit erleichtert. Und ältere Menschen können sich gegen Pneumokokken impfen lassen.

An den Flughäfen Berlin-Tegel und Berlin-Schönefeld wurden Warnplakate zum Coronavirus aufgehängt. Sie hängen im Ankunftsbereich, warnen vor den Symptomen und erklären Vorsichtsmaßnahmen. © Quelle: imago images/A. Friedrichs

Virusforscher: Atemmasken schützen nur bedingt

Gerade auf Bildern der Metropolen Chinas sieht man derzeit viele Menschen, die Atemmasken tragen, um sich nicht mit Infektionen – wie dem Coronavirus – anzustecken. Diese Masken sind keine Spezialmasken, wehren Feinpartikel nicht ab und schützen dementsprechend auch nicht vor einer Tröpfcheninfektion, erklärt Virusforscher Christian Drosten von der Charité Berlin. Für Menschen, die sich bereits angesteckt haben, sei es aber sinnvoll, sogenannte FFP3-Masken zu tragen, um andere Menschen nicht anzustecken.

Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie erklärt, dass die chirurgischen Gesichtsmasken nicht zum Schutz vor Ansteckungen geeignet sind und eigentlich nur dafür sorgen sollen, dass keine möglicherweise infektiösen Tröpfchen aus dem Atemtrakt von Chirurgen in das Operationsgebiet gelangen. „Aber der Schutz vor einer Infektion von außen ist sehr, sehr schlecht damit“, sagt Salzberger.

Experte: Ein Schnupfen ist noch kein Coronavirus

Ein Schnupfen ist nach Angaben von Experten kein Alarmzeichen für eine mögliche Ansteckung mit dem Coronavirus. Typische Symptome sind trockener Husten, Fieber, Abgeschlagenheit, auch Atemnot. Klar ist außerdem: Wer krank ist, sollte zum Arzt gehen. Übertreiben sollten es Erkrankte aber nicht. „In Situationen wie dieser besteht die Gefahr, dass Menschen, die gar nichts haben, plötzlich in der Notaufnahme stehen“, sagt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie und des Westdeutschen Zentrums für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen.

Gibt es eine schützende Impfung?

Nein. Etliche Labors weltweit forschen derzeit an Impfstoffen wie es sie auch bei der Grippe gibt. Die Entwicklung einer Schutzimpfung nimmt aber viel Zeit in Anspruch. Erste experimentelle Impfstoffe könne es noch dieses Jahr geben, sagte der Virologe Gerd Sutter von der Ludwig-Maximilians-Universität München kürzlich. Ob und wann sie an Menschen getestet werden könnten, sei eine andere Sache. „Die Entwicklung eines Impfstoffs ist ein langwieriger, mühsamer Prozess, vor allem die Zulassung und die klinische Prüfung eines Kandidaten.“

WHO-Chefwissenschaftlerin Soumya Swaminathan glaubt, dass erste Impfstoff-Tests an Menschen in drei bis vier Monaten beginnen könnten. Ein zertifizierter Impfstoff für weitreichenden Einsatz stehe aber wohl erst in 18 Monaten zur Verfügung.

Wo gibt es aktuelle Informationen zum Coronavirus?

Das Robert Koch-Institut (RKI), die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und das Bundesgesundheitsministerium (BMG) haben entsprechende Webseiten eingerichtet. Von der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es Tipps auf Englisch. Für Fragen hat auch die Krankenkasse Barmer eine kostenlose Hotline (0800/84 84 111) eingerichtet. Sie ist rund sdie Uhr erreichbar.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr?

Das Robert-Koch-Institut erfasst ständig die Lage und schätzt das Risiko für die Bevölkerung ein. Nach Aussage des Instituts gibt es zurzeit noch keine Hinweise darauf, dass die Viren anhaltend im Umlauf sind. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte am Montag jedoch in Berlin, man müsse damit rechnen, dass sich die Krankheit auch in Deutschland ausbreiten könne. Die „sehr, sehr dynamische Lage“ deute darauf hin, dass sich das Virus in Form einer Pandemie ausbreite. In Italien forderte der Ausbruch bis Montagnachmittag mindestens fünf Todesopfer.

Angesichts von 16 bekannten Infektionsfällen in Deutschland sei es noch möglich, Betroffene zu isolieren, zu behandeln und ihre Kontaktpersonen zu ermitteln, so Spahn. Bei einer stärkeren Ausbreitung müsse der Schwerpunkt in einer möglichen „nächsten Phase“ auf Behandlung und Verhaltenshinweise an die Bevölkerung gelegt werden.

Bisher sind in Deutschland waren bundesweit nur wenige bestätigte Infektionsfälle aufgetreten. Sie betrafen eine Firma in Bayern oder Menschen, die Anfang Februar 2020 aus Wuhan in China ausgeflogen worden waren, wo es die meisten Fälle von Covid-19 weltweit gibt. Fast alle diese Patienten sind bereits gesund aus dem Krankenhaus entlassen worden. Am Montagabend vermeldeten Behörden in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen zwei neue Fälle.

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RKI erwartet Corona-Medikament in wenigen Wochen
1:59 min
Ein Impfstoff wird nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts aber erst nächstes Jahr verfügbar sein.  © Heidi Becker/Reuters


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