Mit Schnelltests für Laien die Pandemie stoppen? Acht wichtige Fragen und Antworten

  • Bund und Länder setzen im Kampf gegen das Coronavirus auf den massenhaften Einsatz von Selbst- und Schnelltests.
  • Die Tests sollen Infektionen schnell detektieren und so das Infektionsgeschehen kontrollierbar machen.
  • In unserem Überblick erfahren Sie, wo die Schnell- und Selbsttests erhältlich sind, was sie kosten und was es beim Gebrauch zu beachten gibt.
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Bund und Länder wollen die Teststrategie in Deutschland weiter ausbauen: Nach den Osterfeiertagen sollen Tests „noch mehr eine entscheidende Rolle spielen“, heißt es im aktuellen Beschluss zum Corona-Gipfel. Vorgesehen sind flächendeckende Schnell- und Selbsttests in Schulen und Kitas. Was kommt nun wirklich – und was bringt es im Kampf gegen das Virus?

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Was planen Bund und Länder zu wann?

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder haben sich am Montagabend darauf verständigt, dass die Testkapazitäten in den Schulen und Kitas ausgebaut werden sollen. Im Beschlusspapier ist von „flächendeckenden Tests“ die Rede. Genauer gesagt streben Bund und Länder „baldmöglichst zwei Testungen pro Woche“ an. So sollen Infektionsketten in den Einrichtungen schnellstmöglich erkannt und unterbrochen werden.

In einem ersten Beschluss-Entwurf verlautete es noch, dass Schulen und Kitas wieder geschlossen werden müssten, wenn zwei Testungen pro Woche nicht gewährleistet werden könnten. Dieser Abschnitt wurde am Ende deutlich entschärft.

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Außerdem will die Bundesregierung eine Testpflicht für Reiserückkehrer einführen. Man erwarte von den Fluglinien „konsequente Tests von Crews und Passagieren vor dem Rückflug“, heißt es im Beschluss. Diese Testpflicht soll auch ins Infektionsschutzgesetz geschrieben werden. Noch während Merkel und die Ministerpräsidenten über das weitere Vorgehen diskutierten, hatten führende Fluggesellschaften wie Tui, Condor und Lufthansa angekündigt, Mallorca-Rückkehrer selbst auf Corona zu testen. Es gehe um bis zu 40.000 Rückkehrer zu Ostern, hatte die „Bild“-Zeitung berichtet.

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Im Video: „Richtig verstehen kann das keiner“ - So lief die Corona-Gipfel-Nacht
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Die stellvertretende Leiterin des Berliner RND-Büros Kristina Dunz wirft im Video einen Blick zurück auf die zähen Verhandlungen und die Ergebnisse der MPK.  © RND
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Auch in den Unternehmen sollen die Testmöglichkeit ausgeweitet werden. Allerdings setzen Bund und Länder hier weiterhin auf Freiwilligkeit. Anfang April würden die Wirtschaftsverbände einen ersten Umsetzungsbericht vorlegen, wie viele Unternehmen sich beteiligen, sagte Kanzlerin Merkel.

Welche Schnelltests gibt es?

Antigenschnelltests mit einem Ergebnis zur Infektiosität nach wenigen Minuten gibt es schon länger auf dem europäischen Markt. Bis vor wenigen Wochen durften sie aber nur von medizinisch geschultem Personal durchgeführt werden. Die 17 in Deutschland zugelassenen Selbsttests für Laien entsprechen von der Methode her grundsätzlich den bisherigen Antigenschnelltests: Anhand bestimmter Virusproteine wird über einen Teststreifen wie bei einem Schwangerschaftstest innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis nachgewiesen. Zwei Striche bedeuten: Eine Person ist Sars-CoV-2-positiv. Ein Strich signalisiert ein negatives Testergebnis.

Ein Strich nur beim C ist ein gutes Zeichen: So sieht ein Schnelltest mit negativem Testergebnis aus. © Quelle: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Bei den Selbsttests wird ein Abstrich im vorderen Nasenbereich entnommen. Das heißt, der Wattetupfer muss nicht mehr durch die Nase bis an die hintere Rachenwand geführt werden, wie es bei den bisherigen Antigen-Schnelltests üblich war. Das macht die Tests deutlich anwenderfreundlicher. Auch Gurgeltests sind in der Entwicklung und Prüfung.

Wo gibt es Schnelltests zu kaufen – und zu welchem Preis?

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Corona-Selbsttests sind mittlerweile in den Apotheken erhältlich. Dort sind die Tests aber oftmals nur in Großpackungen von 25 Stück verfügbar. Außerdem verkaufen Discounter und Drogeriemärkte Schnelltests für Laien. Die Tests bekommen Kunden in der Regel je nach Verfügbarkeit an der Kasse erhältlich, die Abgabemenge ist auf eine Packung pro Kunde begrenzt.

Eine Packung mit fünf Tests kostet rund 25 Euro. Ein Ergebnis nach dem Nasenabstrich soll in 15 Minuten vorliegen. Die Erkennungsrate liegt bei rund 96 Prozent. Auch online sind solche Tests erhältlich, aber meist ausverkauft.

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Schnelltest bei Aldi: Corona-Tests schnell vergriffen
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Die Drogeriemarkt-Ketten Rossmann und dm planen den Start für Dienstag. Apotheken wollen die Produkte ebenfalls anbieten.  © dpa

Seit dem 8. März kann jeder Bürger zudem einen kostenlosen Corona-Schnelltest pro Woche unter medizinischer Aufsicht durchführen lassen. Dies ist unter anderem in Testzentren des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Arztpraxen und Apotheken möglich. Inzwischen werden Schnelltests ferner in Schulen oder vereinzelt auch in Unternehmen angewandt. Voraussetzung ist eine Schulung des Personals. An den Kosten beteiligt sich der Bund.

Wie werden Schnelltests für Laien angewendet?

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Selbsttests funktionieren ganz ähnlich wie die Schnelltests. Der Unterschied: Sie werden selbst durchgeführt und die Probe wird aus dem vorderen Nasenbereich entnommen. Der Wattetupfer sollte ganz langsam und gerade in die Nase eingeführt werden, rät der HNO-Arzt Bernhard Junge-Hülsing aus Starnberg – und zwar flach in Richtung des Gehörgangbodens. „Keinesfalls am Nasenrücken in Richtung Stirn schieben“, warnt der Mediziner. Spürt man einen Widerstand oder es schmerzt, sollte man nicht weiter drücken und stattdessen lieber das andere Nasenloch ausprobieren. Weitere Tipps bei der Anwendung von Selbsttests lesen Sie hier.

Sind die Selbsttests leicht durchzuführen?

Eine oft geäußerte Kritik an der Selbsttestung durch Laien ist die Gefahr, diesen falsch durchzuführen. Einer Studie zufolge kann der Durchschnittsbürger aber sehr wohl mithilfe bildlicher und schriftlicher Anleitung einen Schnelltest durchführen und interpretieren.

Eine Anfang Januar auf dem Preprintserver „medrxiv“ veröffentliche Untersuchung eines Forschungsteams der Berliner Charité und des Universitätsklinikums Heidelberg zeigte das bei 146 symptomatischen Studienteilnehmern, die sich selbst erfolgreich einen Abstrich aus dem vorderen Nasenbereich entnahmen. 80 Prozent der Studienteilnehmer gaben danach an, der Selbsttest sei einfach in der Handhabung.

Die Studie habe zudem gezeigt, dass die am besten ausgefallenen Schnelltests rund 80 Prozent aller Infektionen erkannten, sagte die Infektiologin und Studienautorin Claudia Denkinger bei einem Gespräch mit dem Science Media Center. „Bei hohen Viruslasten werden im Durchschnitt 95 Prozent erkannt“, so die Expertin.

Was passiert, wenn der Test positiv ausfällt?

Selbsttests kann jeder auch ohne Schulung bei sich zu Hause durchführen. Fällt ein Test positiv aus, muss aber per PCR-Test zur Diagnostik nachgetestet werden, betont das Robert-Koch-Institut. Denn Selbsttests haben eine höhere Fehlerquote als PCR-Tests.

Bei einem positiven Selbsttest soll also zunächst der Hausarzt oder das Gesundheitsamt kontaktiert werden. Wichtig ist es hierbei, dass Betroffene so lange in Quarantäne bleiben, bis das Ergebnis vom PCR-Test bekannt ist. Wer auch nach der Laboruntersuchung positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurde, muss sich an die Quarantänevorschriften halten, und sich demnach laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mindestens zehn Tage nach Krankheitsbeginn in häusliche Isolierung begeben.

Was bedeutet ein negativer Test?

Bei Selbsttests für den privaten Gebrauch gilt es stets zu beachten, dass auch ein negatives Testergebnis eine Infektion mit Sars-CoV-2 nicht zu 100 Prozent ausschließt. Zum einen, weil die Antigenschnelltests eine größere Virusmenge benötigen, um ein positives Ergebnis anzuzeigen, betont das RKI. Und zum anderen handelt es sich immer nur um eine Momentaufnahme. Schon nach wenigen Stunden könnte der Test ein anderes Ergebnis liefern. Es wäre also falsch, dem Ergebnis des Selbsttests blind zu vertrauen.

Auch RKI-Präsident Wieler betonte, dass es auch bei einem negativen Selbsttest wichtig sei, sich und andere auch weiter durch Abstand halten, Masken tragen, Hygiene und Lüften zu schützen. Besonders wenn Symptome einer Covid-19-Infektion auftreten oder Kontakt zu einer infizierten Person bestand, sollte eine mögliche Infektion am besten per PCR-Test abgeklärt werden.

Kann die Teststrategie die Pandemie stoppen?

Virologen wie Sandra Ciesek, Jonas Schmidt-Chanasit und Christian Drosten begrüßen den vermehrten Einsatz geeigneter Schnelltests. „Wenn wir die Zahlen trotz zunehmender Öffnungen verschiedener Bereiche unten halten wollen, können Schnelltests als Selbsttests eine zentrale Rolle spielen“, erklärte auch der Virologe Marco Binder vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Er hält einen möglichst flächendeckenden und regelmäßigen Einsatz von Schnelltests nicht nur in bestimmten Settings wie Schulen und Großraumbüros, sondern auch im Privaten für ein geeignetes Instrument, um nach dem Senken der Infektionszahlen im Lockdown sorgenfreier Lockerungen und mehr Alltag zulassen zu können. „Aber wir sollten auch nicht zu große Hoffnungen in sie setzen“, sagte er dem RND. „Sie sind kein Allheilmittel.“ Trotzdem könnten regelmäßige Tests in Schulen und Arbeitsstätten einen großen Beitrag leisten, um Infektionsketten und akut infektiöse Personen zu erkennen.

Die Gesundheitsämter könnten nur Kontakte von Fällen nachverfolgen, die positiv getestet wurden, weil sie klare Symptome zeigten oder aus anderen Gründen ein Anlass zum Test bestand, erläuterte Binder. Es werde aber weiterhin Infektionen geben, die gar nicht bemerkt werden und so zu einer Verbreitung des Coronavirus führen, die nicht nachvollzogen und nicht verhindert werden könnte.

„Schnelltests, die jeder ganz einfach zu Hause durchführen kann, können meiner Ansicht nach ein ganz zentrales Werkzeug sein, um dieses Problem in den Griff zu bekommen“, ist sich der Virologe sicher. Voraussetzung ist aus Expertensicht, dass das Infektionsgeschehen grundsätzlich auf niedrigem Niveau bleibt, so dass die Gesundheitsämter einen großen Teil des Aufspürens von Fällen stemmen können.

Wir haben diesen Artikel am 23. März umfassend aktualisiert.

RND/dpa/sbu/lb

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