Corona-Tests: Was ist der Unterschied zwischen Schnelltest und Selbsttest?

  • Seit dem 8. März soll allen Bürgern bundesweit ein kostenloser Corona-Schnelltest pro Woche zur Verfügung stehen.
  • In Apotheken, Geschäften oder im Internet werden derweil sogenannte Selbsttests für zu Hause verkauft.
  • Worin unterscheiden sich die beiden Corona-Tests?
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Berlin. Die Bundesregierung setzt verstärkt auf Tests, die nicht extra im Labor ausgewertet werden müssen. Jedem Bürger steht seit dem 8. März deshalb ein kostenloser Schnelltest pro Woche zu. Gleichzeitig bieten immer mehr Supermärkte, Discounter und Drogerien sogenannte Selbsttests zum Verkauf an.

Oft werden beide Begriffe synonym verwendet – doch was ist der Unterschied, und wie gut funktionieren die Antigentests auf das Coronavirus?

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Das ist der Corona-Schnelltest

Die sogenannten Corona-Schnelltests sollen durch geschultes Personal etwa in Apotheken, Testzentren oder Arztpraxen mithilfe eines Nasen- oder Rachenabstriches durchgeführt werden. Die Probe kommt auf einen Streifen, der nach 15 bis 20 Minuten mit einer Verfärbung reagiert.

Das ist der Corona-Selbsttest

Corona-Selbsttests für zu Hause können in konkreten Alltagssituationen helfen, etwa bei Privatbesuchen. Sie gibt es in Apotheken, Geschäften oder im Internet zu kaufen. Selbsttests funktionieren ganz ähnlich wie Schnelltests. Der Unterschied: Sie werden selbst durchgeführt und die Probe wird aus dem vorderen Nasenbereich entnommen. Dabei sind die Gebrauchshinweise unbedingt zu beachten, denn unsachgemäße Abstriche können die Aussagekraft des Tests stark einschränken.

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Selbst- oder Schnelltest: Positives Ergebnis muss durch PCR-Test überprüft werden

Sowohl beim Schnell- als auch beim Selbsttest handelt es sich um Antigen-Tests. Dabei sind die Selbsttests mit den Schnelltests identisch. Dabei gilt: Ein positives Ergebnis muss unabdingbar durch einen PCR-Test überprüft werden. Antigen-Tests suchen in Abstrich-Proben nämlich nicht nach Erbgut wie ein PCR-Test, sondern nach Molekülen, die charakteristisch für das Virus sind.

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In jedem Fall gilt: Auch bei einem negativen Testergebnis durch Schnell- oder Selbsttests sind die Corona-Regeln weiterhin einzuhalten.

Spezifität und Sensitivität: Was die Werte über die Tests aussagen

Wie zuverlässig sind die Ergebnisse der Schnellanalysen? Studien zeigen, dass Antigen-Schnelltests prinzipiell weniger zuverlässig sind als die für die offizielle Corona-Statistik berücksichtigten PCR-Tests. Dabei sind zwei Werte bedeutend: die Sensitivität und die Spezifität. Die Spezifität gibt es, wie viele Nicht-Infizierte korrekt ein negatives Ergebnis erhalten. Die Sensitivität wiederum gibt den Anteil der mit dem Virus Infizierten an, die tatsächlich korrekt ein positives Testergebnis erhalten.

Das Paul-Ehrlich-Institut hat Mindestanforderungen für Antigen-Tets festgelegt: Die Spezifität muss über 97 Prozent liegen, das heißt mindestens 97 von 100 Gesunden müssen als solche erkannt werden. Die Sensitivität soll größer als 80 sein, das heißt mindestens 80 von 100 Infizierten muss der Test erkennen. Bei allen sieben Selbsttests (Stand 6.3.), die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bislang zugelassen hat, liegt die Spezifität den Herstellerangaben zufolge bei mindestens 98 Prozent. Es kann demnach in einigen Fällen zu falsch-positiven Ergebnissen kommen – was sich dann durch die unabdingbare Prüfung durch einen genaueren PCR-Test herausstellt.

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Die Sensitivität liegt bei den bisher zugelassenen Selbsttests nach Herstellerangaben und BfArM-Stichproben bei gut 95 Prozent. Das Problem: Die Tests schlagen am besten bei einer hohen Viruslast an. Infizierte mit geringer Viruslast – etwa zu Beginn oder beim Abklingen der Erkrankung – werden möglicherweise nicht entdeckt.

Wie viele falsche Aussagen sind möglich? Ein Rechenbeispiel

Könnte das dazu führen, dass sich viele Infizierte in falscher Sicherheit wiegen und unbewusst andere Menschen anstecken? Ein Rechenbeispiel: Geht man davon aus, dass in einer Gruppe von 10.000 Getesteten 1000 tatsächlich das Coronavirus tragen, dann könnten mindestens 50 dieser Infizierten im Selbsttest fälschlicherweise ein negatives Ergebnis bekommen. Sie nähmen an, nicht infiziert zu sein – und stecken so womöglich weitere Menschen an.

„Ein negatives Ergebnis im Antigen-Test schließt eine Infektion nicht aus, insbesondere, wenn eine niedrige Viruslast vorliegt“, so das RKI. Auch bei korrekter Durchführung sei es „lediglich weniger wahrscheinlich“, ansteckend zu sein. Zudem sei die Aussagekraft zeitlich begrenzt – schon am nächsten Tag kann das Ergebnis anders sein. Daher ist ein negatives Ergebnis kein Freifahrtschein, die Corona-Regeln zu missachten.

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Von den 9000 Nicht-Infizierten der Beispielgruppe wiederum erhielten bei einer Spezifität von 98 Prozent rund 180 ein falsches Positiv-Ergebnis. Bis zum Ergebnis des PCR-Tests gehen sie dann davon aus, infiziert zu sein und andere anstecken zu können. Das kann für Frust sorgen.

Fehler beim Gebrauch der Tests können diese Werte noch merklich beeinflussen. Inwieweit die angegebenen Prozentzahlen auch unter Realbedingungen zutreffen, lässt sich derzeit kaum absehen. Erst die Erfahrung der kommenden Monate wird zeigen, wie groß die Probleme durch falsch-positive und falsch-negative Ergebnisse tatsächlich sind – und auch, wie gut sich mit den Schnelltests die Pandemie in Schach halten lässt.

RND/pf/dpa

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