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Britischer Corona-Schnelltest: Mehr als 50 Prozent der positiven Fälle wurden übersehen

  • Großbritannien setzt beim Kampf gegen das Coronavirus unter anderem auf Schnelltests.
  • Der Schnelltest der Firma Optigene entdeckt noch nicht einmal die Hälfte der Infektionen.
  • Ab 2021 sollen bis zu zehn Millionen Corona-Tests täglich in Großbritannien durchgeführt werden.
Laura Beigel
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London. In Großbritannien startet heute ein großes Pilotprojekt: Die rund 500.000 Einwohner der nordwestenglischen Stadt Liverpool sowie Berufspendler sollen in einer Massentestinitiative auf das Coronavirus getestet werden. So erhofft sich die britische Regierung, Infektionen schneller zu detektieren und Infektionsketten zu unterbrechen. Neben PCR-Tests sollen auch Schnelltests der Firma Optigene zum Einsatz kommen.

Die Schnelltests, die Ergebnisse in 20 Minuten liefern sollen, hätten sich bei Versuchen in Manchester und Salford in den vergangenen Monaten jedoch nicht bewährt, berichtet der „Guardian“. Mehr als 50 Prozent der positiven Corona-Fälle hätten sie übersehen.

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Schnelltest muss von medizinischem Personal durchgeführt werden

In einem Brief an die britische Tageszeitung äußerten Wissenschaftler der Massentestgruppe (MTEG) des Großraums Manchester ihre Bedenken hinsichtlich der Genauigkeit der Schnelltests. So sprachen sie sich beispielsweise dagegen aus, die Tests für das Personal in klinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Pflegeheimen zu verwenden.

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Das britische Gesundheitsministerium sagte dem Guardian, dass der Schnelltest von Optigene mehrfach validiert worden sei. Die Ergebnisse hätten sich von denen aus Manchester und Salford unterschieden. Die genauen Daten habe die Behörde laut Medienberichten aber nicht veröffentlicht.

Eignen sich die Schnelltests für asymptomatische Personen?

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Anders als PCR-Tests weisen Antigen-Schnelltests nicht das Erbgut des Coronavirus Sars-CoV-2 nach, sondern erregertypische Eiweiße. Bisher müssen alle auf dem Markt erhältlichen Tests von medizinischem Personal durchgeführt werden. Einen Schnelltest für zu Hause gibt es noch nicht.

Gerade bei asymptomatischen Personen könnten Antigen-Schnelltests „eine ganz gute Lösung“ sein, sagte Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt im NDR-Podcast Coronavirus-Update. Als Beispiel führte sie Besucher von Seniorenheimen an, die vor dem Besuch ihrer Angehörigen einen Schnelltest durchführen könnten, um somit mehr Sicherheit zu haben. Anders verhalte es sich bei symptomatischen Patienten. Dann sei ein sensitives Verfahren wie ein PCR-Test deutlich besser.

„Wie gut die Tests für Screeninguntersuchungen bei asymptomatischen Personen sind, das weiß man noch nicht“, gibt hingegen die Virologin Prof. Isabella Eckerle von der Uni Genf zu bedenken. Im Interview mit dem ZDF erklärte sie, dass alle Daten, die bisher zu Antigen-Schnelltests vorliegen, auf symptomatischen Patienten beruhen.

Großbritannien startet 2021 mit der „Operation Moonshot“

Trotzdem sind Schnelltests bereits Teil der nationalen Teststrategie der Bundesregierung – insbesondere bei asymptomatischen Fällen. So empfiehlt das Bundesgesundheitsministerium, die Tests beispielsweise bei Patienten, Bewohnern und dem Personal von klinischen Einrichtungen einzusetzen, ohne dass ein Covid-19-Verdacht besteht. Sofern das Ergebnis des Antigen-Schnelltests positiv ist, soll anschließend ein PCR-Test zur Bestätigung durchgeführt werden.

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Auch die britische Regierung will mit den Schnelltests der Firma Optigene ihre nationale Teststrategie erweitern. Rund 323 Millionen Pfund wurden dafür investiert. Ab 2021 sollen bis zu zehn Millionen Corona-Tests – sowohl Antigen-Schnelltests als auch PCR-Tests – täglich in Großbritannien durchgeführt werden, hofft Premierminister Boris Johnson. Diese sogenannte „Operation Moonshot“ – zu deutsch: Operation Mondflug – soll die schnelle Ausbreitung des Coronavirus eindämmen.


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