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  • Corona: Reiseverbot für Impfverweigerer? Experte widerspricht Landes-Kassenarztchef

Experte widerspricht der Forderung nach einem Reiseverbot für Impfverweigerer

  • Der Landes-Kassenarztchef von Rheinland-Pfalz hat sich für deutliche Einschränkungen für Ungeimpfte ausgesprochen.
  • Er fordert unter anderem ein Reiseverbot für Impfverweigerer.
  • Der Psychologe Professor Florian Kaiser hält davon nichts und warnt vor solchen Strafmaßnahmen.
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Mainz. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung in Rheinland-Pfalz, Peter Heinz, fordert massive Freiheitseinschränkungen für Ungeimpfte: „Die Nicht-Geimpften haben nicht die Freiheit, ihre Maske abzulegen. Sie dürfen nicht ins Stadion, nicht ins Schwimmbad und nicht ohne Maske im Supermarkt einkaufen. Und man darf Ungeimpften und jenen mit nur einer einfachen Impfung nicht mehr gestatten, in den Urlaub zu fahren“, sagte er der „Rhein-Zeitung“.

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Selbst mit einem negativen Test dürften Ungeimpfte seiner Ansicht nach nicht in den Urlaub fahren: „Das Freitesten schützt ja nicht. Wer zum Beispiel auf eine Insel mit einem negativen PCR-Test fährt, kann sich dort sehr wohl anstecken, fährt wieder nach Hause und ist Virusträger.“

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Ohne Corona-Impfung keine Freiheiten?

„Wer Ungeimpften Freiheiten zurückgibt, verspielt die Chance, alle Menschen mit der Impfung zu erreichen“, sagte Heinz. Man müssen den Menschen klarmachen: „Ohne Impfung gibt es keine Freiheiten. Ohne diesen Druck werden wir die Menschen nicht überzeugen.“ Ungeimpfte seien eine Gefahr für die Gesellschaft und dürften daher nicht die gleichen Freiheiten wie Geimpfte bekommen. Impfprämien hält Heinz für „absurd“. Eine Impfpflicht lehnt er als „Bevormundung“ aber ab. Freiheiten nur Geimpften zu geben sei keine versteckte Impfpflicht, „sondern eine zwangsläufige Schlussfolgerung aus einer pandemischen Lage“.

Psychologe kritisiert Reiseverbote für Impfverweigerer

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Der Sozialpsychologe Professor Florian Kaiser von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hält nichts von Reiseverboten für Ungeimpfte. „Man bräuchte Überwachungsinstanzen und Bestrafungsmechanismen, um zu verhindern, dass Ungeimpfte bestimmte Dinge tun, zum Beispiel reisen“, sagt Kaiser im RND-Interview. „Ein solches Überwachungs- und Bestrafungssystem würde Ressentiments gegen diejenigen hervorbringen, die das System erschaffen, die Politik“, so Kaiser. Aufgrund dieser Nachteile warne er vor dem Einsatz von Überwachungs- und Strafsystemen.

Stattdessen spricht sich Kaiser dafür aus, dass Impfverweigerer bei einer Erkrankung an Covid-19 selbst für die Behandlungskosten aufkommen müssten. „Mit der Impfverweigerung verletzen Personen das Solidarprinzip der Krankenversicherung, und deshalb sollten sie auch nicht auf die Solidarleistung zurück­greifen dürfen“, sagt der Psychologe im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

RND/dpa

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