Coronavirus-Abstandsregeln: Braucht es einen Mindestabstand von drei Metern?

  • Um sich vor dem Coronavirus zu schützen, gilt in Deutschland ein Mindestabstand von 1,5 Metern.
  • Ein britisches Expertengremium regt jetzt an, die Regel auf drei Meter auszuweiten.
  • Was sagen deutsche Virologen?
Laura Beigel
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In Zeiten der Corona-Pandemie ist das Abstandhalten zum obersten Gebot geworden. Um das Risiko einer Übertragung von Sars-CoV-2 zu minimieren, empfiehlt das Robert-Koch-Institut einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen Personen. Der britischen Scientific Advisory Group for Emergencies (Sage) geht diese Maßnahme nicht weit genug. Das Expertengremium spricht sich für eine Drei-Meter-Regel aus, wie die „Daily Mail“ berichtet.

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In Großbritannien gilt seit Juli eine Abstandsregel von „einem Meter plus“. „Es gibt keine aktuellen Pläne, die sozialen Distanzierungsregeln zu ändern“, teilte ein Sprecher der Downing Street mit. „Allerdings wird alles unter Beobachtung gehalten.“ Auslöser für die Empfehlung der Sage war auch die sich rasch ausbreitende Coronavirus-Mutation B.1.1.7, die nach Einschätzung britischer Experten rund 70 Prozent ansteckender ist als die bisher bekannte Virusvariante.

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Weber: „Es ist sicher sinnvoll, die Abstandsregel auszuweiten“

Es ist nicht das erste Mal, dass darüber diskutiert wird, die Corona-Abstandsregel auszuweiten. Vor allem seit bekannt ist, dass Sars-CoV-2 mithilfe von ausgeatmeten Aerosolen größere Distanzen von mehr als 1,5 Metern zurücklegen kann, mehren sich Bedenken, ob der aktuelle Mindestabstand ausreicht.

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„Es ist sicher sinnvoll, die Abstandsregel auszuweiten“, sagte Prof. Friedemann Weber, Direktor des Instituts für Virologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Ich kann mir vorstellen, dass dies dazu beiträgt, das Virus zu bekämpfen.“ Inwieweit eine strengere Distanzregel in Deutschland umgesetzt werden kann, sei hingegen schwierig einzuschätzen. „Aber da der überwiegende Anteil der Bevölkerung die bisherigen Maßnahmen unterstützt, gehe ich davon aus, dass dies mitgetragen werden würde.“

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Drei-Meter-Regel genügt in geschlossenen Räumen nicht

Auch Prof. Stephan Ludwig von der Universität Münster glaubt, dass eine Vergrößerung des Abstands wirksam sein kann. „Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Vergrößerung von 1,5 Meter auf drei Meter Abstand besonders große Effekte bringt“, gab der Virologe gegenüber dem RND zu bedenken. Berücksichtigt werden müsse zudem die jeweilige Situation: So sei im Freien ein Abstand von 1,5 Metern durchaus angemessen, in geschlossenen, schlecht gelüfteten Räumen würden hingegen auch drei Meter nicht ausreichen.

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Der Grund: In geschlossenen Räumen können sich potenziell virenbeladene Aerosole besser verbreiten. „Eine infizierte Person reicht aus, damit ein Raum innerhalb von ein paar Minuten voll mit Aerosolen ist“, sagte Aerosolexperte Martin Kriegel, Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts an der Technischen Universität Berlin, im RND-Interview. Das einzige Hilfsmittel ist in diesem Fall eine hinreichende Frischluftzufuhr.

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