Corona-Pandemie: Psychologinnen befürchten für kleine Kinder Schäden

  • Seit rund anderthalb Jahren grassiert Covid-19 in Deutschland.
  • Für kleine Kinder ist diese Zeitspanne ein großer Teil ihres bisherigen Lebens.
  • Das hinterlässt Spuren und kann sich negativ auf die Entwicklung auswirken, sagen Expertinnen.
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Die Corona-Pandemie kann sich nach Einschätzung von Expertinnen negativ auf die Entwicklung von Kleinkindern auswirken. Durch den eingeschränkten oder fehlenden Kontakt zu anderen Kindern hätten manche Kinder in der Pandemie wichtige Entwicklungsschritte verpasst, fanden die Psychologinnen Julia Dillmann und Özlem Sensoy von der Justus-Liebig-Universität Gießen in einer noch laufenden Studie heraus. Dazu gehöre beispielsweise das soziale Rollenspiel.

Die Entwicklungspsychologinnen untersuchen seit April 2020 die elterliche Belastung und die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern im Alter von drei Monaten bis dreieinhalb Jahre. Sozial-emotionale Fähigkeiten sind wichtig für die Interaktion mit anderen Menschen. Ausgewertet haben die Forscherinnen bislang die Daten aus dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020. „Ab etwa zwei Jahren fanden sich niedrigere Werte bei der sozial-emotionalen Entwicklung im Vergleich zur Normstichprobe“, sagte Sensoy. Die Ergebnisse lägen jedoch noch nicht im kritischen Bereich.

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Die elterliche Belastung sei erhöht, aber ebenfalls noch nicht im klinisch-kritischen Bereich gewesen, sagte Sensoy und verwies auf einen höheren Bildungsstand und eine vergleichsweise entspannte berufliche Situation der befragten Eltern. Die Forscherinnen fanden zudem einen Zusammenhang zwischen der Belastung der Eltern und der Entwicklung der Kinder: „Je höher das elterliche Stressempfinden war, desto geringer waren die Werte in der sozial-emotionalen Entwicklung“, sagte Dillmann. Dies gelte insbesondere für die Zwei- bis Dreijährigen.

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Psychologin: Kehrt der Alltag zurück, normalisiert sich die frühkindliche Entwicklung

„Insgesamt kann es sehr gut sein, dass sich die frühkindliche Entwicklung wieder normalisiert, wenn der normale Alltag wieder eintritt“, sagte Sensoy. Es gebe zwar Meilensteine, die innerhalb eines bestimmten Alters erreicht würden. „Diese sind aber bei der sozial-emotionalen Entwicklung nicht so streng abzugrenzen wie beispielsweise die sogenannte sensible Phase beim Spracherwerb“, sagte die Psychologin. „Kinder können Meilensteine wie das Rollenspiel wahrscheinlich trotz allem ganz normal erreichen, auch wenn es vielleicht ein bisschen später ist.“

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Die Gießener Psychologinnen wollen außerdem untersuchen, wie sich das Tragen von Masken auf die frühkindliche Entwicklung auswirkt. „Kinder lesen sehr viel aus Gesichtern. Sie müssen eine gewisse Anzahl an Gesichtern kennenlernen, um Informationen entnehmen zu können“, sagte Dillmann. Kleinkinder seien jedoch sehr anpassungsfähig. „Es kann sein, dass sich Fähigkeiten wie die Gesichtswahrnehmung verzögert entwickeln, aber dann einfach zeitversetzt erlernt werden.“

RND/epd

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