Endlich entlassen: Corona-Patient verbringt 129 Tage auf der Intensivstation

  • 2592 Covid-19-Patientinnen und Patienten befinden derzeit sich laut Divi auf den Intensivstationen in Deutschland.
  • Doch auch hier kommt es regelmäßig zu Genesungen, sogar in vermeintlich hoffnungslosen Fällen.
  • Ein Münchner, der ganze 129 Tage lang – und teilweise mit einer künstlichen Lunge – auf der Intensivstation lag, ist nun wieder zu Hause.
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Während Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schon Anfang des Monats von einer überstandenen dritten Corona-Welle in Deutschland sprach, ist der Bruch mit der Pandemie für einen Covid-19-Patienten aus München aktueller denn je. Ganze 129 Tage verbrachte der 42-Jährige auf der Intensivstation im Klinikum Bogenhausen. Die Ärztinnen und Ärzte schätzten seine Überlebenschancen als gering ein. Jetzt aber ist er ein gesunder Mann: Der ehemalige Intensivpatient hat das Krankenhaus vergangene Woche verlassen, teilt das Klinikum mit.

„Es lohnt sich zu kämpfen“, heißt es seitens des Oberarztes Stefan Volz. Der schwer erkrankte Patient sei unter anderem an die sogenannte Ecmo angeschlossen gewesen. Das steht für „extrakorporale Membranoxygenisierung“: Die Maschine übernimmt außerhalb des Körpers, was die gesunde Lunge sonst leistet, die Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff und die Entfernung von Kohlendioxid. Das Gerät fungiert also als künstliche Lunge. Das Ziel: der echten Lunge Zeit geben sich zu erholen. 20 Corona-Patientinnen und Patienten wurden nach Angaben des Klinikums bereits auf diese Weise behandelt.

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Arzt: „Wollte diesem jungen Mann nicht sagen, dass wir aufgeben“

Wieso hat die Behandlung des jetzt genesenen 42-Jährigen dann mehr als vier Monate lang angehalten? Bei ihm schien die Therapie zunächst nicht anzuschlagen, erklärt das Krankenhaus. Nach 30 Tagen blickte Oberarztkollege Markus Engel demnach auf die weiterhin zerstörte Lunge seines Patienten. „Aber ich wollte diesem jungen Mann nicht sagen, dass wir ihn aufgeben.“ Seine ärztlichen Kolleginnen und Kollegen hätten mit Blick auf das Lungen-CT mit dem Kopf geschüttelt.

Doch das Intensivteam aus der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin machte trotz der schwierigen Prognose weiter – insgesamt 71 Tage lang. „Und es zeigte sich ein Muster, wie wir es beispielsweise von Patienten mit Morbus Wegener kennen. Die Lungenschädigung war trotz des katastrophalen Befunds reversibel, unser Patient konnte noch an Ecmo erste Schritte machen und hat sich mittlerweile weitgehend holt“, heißt es dazu von Engel. Nach 70 Tagen Therapie habe er sogar einen Ausflug ins Freie gemacht.

Es sind die kleinen Dinge im Leben – zum Beispiel nach einer sehr langen Zeit wieder ein Eis essen zu können. © Quelle: München Klinik
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Auch Bilder von diesem Tag teilt das Klinikum Bogenhausen. Darunter heißt es: Raus ins Freie und das erste Eis essen – das sind Dinge, die für die Psyche wichtig sind und damit auch indirekt zur Genesung beitragen.

In Deutschland kämpfen noch immer Tausende mit einem schweren Covid-19-Verlauf. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung (Divi) erfasste zuletzt 2592 Erkrankte, die in 1276 Krankenhäusern in Deutschland intensivmedizinisch behandelt werden. 65 Prozent von ihnen müssen künstlich beatmet werden. Zudem verzeichnete die Divi 19.484 belegte Intensivbetten. 3635 Betten sind noch frei (Stand 29. Mai 2021).

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