Was heißt schon Pandemie­ende?

  • Seit mehr als einem Jahr prägt die Corona-Pandemie unser Leben. Wie geht es nun weiter?
  • Das Autorenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und zeigt Wege in den postpandemischen Alltag.
  • In dieser Woche: Wie geht es mit der Maske weiter?
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Liebe Leserinnen und Leser,

das Ende der Pandemie wurde schon häufig angekündigt. Die Frage, wann das alles überstanden sei, begleitet uns beinahe genau so lange wie Sars-CoV-2 selbst. Gefühlt heißt jedoch die Antwort seit Monaten: später. Vergangenes Jahr war allen klar: Ohne Impfstoffe würde es kein Pandemie-Ende geben. Dann hieß es, der Sommer werde es richten. Nun sind die Impfstoffe da, der Sommer ist da, doch die Warnungen vor der nächsten Welle sind es ebenfalls. „Wenn wir gut durch Herbst und Winter kommen, können wir ab Beginn 2022 die Pandemie beenden“, sagte Timo Ulrichs von der Berliner Akkon-Hochschule für Human­wissenschaften, kürzlich gegenüber dem Redaktions­Netzwerk Deutschland.

Doch was heißt das schon – Pandemie-Ende? Eine genaue Definition gibt es nicht, dafür viele Interpretations­möglichkeiten: Ist die Pandemie vorbei, wenn Deutschland den Gemeinschafts­schutz erreicht hat? Wenn die Corona-Maßnahmen nicht mehr gelten? Oder wenn die Welt Sars-CoV-2 besiegt hat? Letzteres dürfte – so die deprimierende Erkenntnis – deutlich länger dauern: Die ärmeren Staaten leiden unter einem fundamentalen Impfstoff­mangel.

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Das Pandemie-Ende wird sich wahrscheinlich für jeden und jede anders anfühlen. Manche wird das Virus länger begleiten als andere. Manche können schneller in ihren Vor-Corona-Alltag zurückkehren, für andere wird die Welt nie wieder dieselbe sein. Derzeit aber begleiten uns die Nachrichten, die Studien und Meldungen noch durch den Alltag. Deshalb wollen wir Ihnen in diesen komplizierten Zeiten auch weiterhin Orientierung mit unserem Newsletter bieten.

Bleiben Sie stark!

Anna Schughart

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.
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Erkenntnis der Woche

Die Debatte um die Corona-Maßnahmen und allen voran die um die Masken ist zurück. Außenminister Heiko Maas hat sich diese Woche für einen Wegfall aller Corona-Einschränkungen ausgesprochen, sobald alle in Deutschland ein Impfangebot bekommen hätten – und damit sei im Laufe des August zu rechnen. Gesundheits­minister Spahn war ein bisschen vorsichtiger, wollte sich auf einen genauen Zeitpunkt nicht festlegen.

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Auch Expertinnen und Experten sind sich nicht einig, ob und vor allem zu welchem Zeitpunkt ein Aufheben der Maßnahmen sinnvoll sei. Vor allem die Virusvariante Delta macht vielen Sorgen. „Würde man eine Aufhebung der Maskenpflicht ab September jetzt schon beschließen, wäre das meiner Meinung nach zu voreilig. Es ist noch zu unsicher, wie sich die Lage in Deutschland im September und Oktober angesichts der Delta-Variante entwickelt“, sagte etwa Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventions­forschung und Epidemiologie.

Alexander Dalpke, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Virologie am Universitätsklinikum Dresden, hält es dagegen für richtig, jetzt eine Diskussion um die Aufhebung der Maßnahmen zu führen: „Wenn jeder ein Impfangebot und damit die Chance bekommen hat, sich impfen zu lassen, dann besteht die Möglichkeit, sich individuell gegen Corona zu schützen.“ Dann könnten Corona-Maßnahmen, die das Ziel haben, schwere bis tödliche Erkrankungen zu verhindern, ihre Berechtigung verlieren, so der Forscher. Noch läuft also die Diskussion – Daten oder Zeitpläne gibt es noch nicht.

Alltagswissen

Wer nach einer Corona-Infektion genesen ist, braucht für den vollen Schutz nur eine Impfdosis. „Eine zweite Impfung wäre nicht gefährlich, sondern eher verschwendet, weil sie den Antikörper­spiegel im Blut nicht mehr merklich nach oben verändert“, erklärt Prof. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI). Laut RKI können dazu alle zugelassenen Impfstoffe verwendet werden.

Doch welcher Impfstoff dabei den besten Booster-Effekt bietet, ist noch nicht klar. Die empfohlene Wartezeit zwischen überstandener Corona-Infektion und Impfung beträgt derzeit sechs Monate. Das liegt aber vor allem an der Impfstoff­knappheit. „Aus immunologischer Sicht könnte man auch schon nach zwei bis drei Monaten impfen“, sagt Watzl.

Zitat der Woche

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Die Delta-Variante wird nach den Sommerferien sehr schnell durch die Schulen rauschen, wenn wir keine Vorsorge treffen.

Melanie Brinkmann , Virologin

Weil die Delta-Variante bei voll besetzten Klassen vor allem Kinder und Jugendliche trifft, brauche es bessere Testsysteme, fordert Melanie Brinkmann. Im RND-Interview erklärt die Virologin, wie sich Schulen auf steigende Infektionszahlen vorbereiten sollten.

Forschungsfortschritt

Noch gibt es keine Impfempfehlung für stillende Mütter. Die Datenlage zur Wirksamkeit und zur Sicherheit der Impfstoffe für diese Personengruppe sei noch zu gering, begründet die Ständige Impfkommission ihre Zurückhaltung. Eine Studie aus den USA ist nun zu dem Ergebnis gekommen: Corona-Impfungen für stillende Frauen mit mRNA-Impfstoffen sind in Hinblick auf die Muttermilch unproblematisch. Wegen der Immunisierung sollten Mütter nicht aufhören zu stillen.

Tatsächlich mehren sich inzwischen die Hinweise, dass die Covid-Impfung für stillende Frauen nicht nur nicht gefährlich ist, sondern sogar vorteilhaft sein könnte. Das legt etwa eine Studie aus Boston nahe, die zeigen konnte, dass stillende Mütter eine ähnlich robuste Immunantwort durch die Impfung entwickeln wie schwangere und nicht schwangere Frauen. Und auch die Neugeborenen profitieren womöglich. Denn die bei stillenden Müttern nachgewiesenen Antikörper gegen das Coronavirus waren auch in der Muttermilch zu finden.

Pandemie im Ausland

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Weil das Gesundheits­system in Malawi begrenzte Kapazitäten hat, wurden nach der achten bestätigten Corona-Infektion im Land Maßnahmen ergriffen: Konferenzen wurden abgesagt, Menschen­ansammlungen verboten, an jedem Eingang zu Gebäuden fanden sich Spender mit Desinfektionsmitteln. © Quelle: Joseph Mizere/XinHua/dpa

Großbritannien und Portugal sind seit dieser Woche keine Virusvariantengebiete mehr. Die besonders strengen Reisebeschränkungen wurden auch für Nordirland, Russland, Indien und Nepal von Mittwoch an wieder gelockert. Von den elf Ländern, die derzeit als Virusvarianten­gebiet eingestuft sind, liegen nun neun in Subsahara-Afrika. Die meisten stehen seit Monaten auf der Liste, berichtet RND-Autorin Miriam Keilbach.

Sie wurden hochgestuft, als die Beta-Variante grassierte, und das blieb so, unabhängig davon, was vor Ort passierte und obwohl etwa die Inzidenz in Sambia schon monatelang einstellig ist. Für Afrika-Wirtschafts­wissenschaftler Robert Kappel hat das einen Grund: „Diese Entscheidung hat wirtschaftliche, politische Gründe“, sagt er dem RND. Die Interessen Afrikas spielten keine Rolle, so der Experte.

Pandemie in Zahlen

Was kommt

Bisher ist in Deutschland nur ein mRNA-Impfstoff für die Impfung von Kindern und Jugendlichen zugelassen – und das auch nur für eine bestimmte Altersgruppe. Die Europäische Arzneimittel­-Agentur (EMA) hatte Ende Mai die Zulassung für den Impfstoff von Biontech/Pfizer bei Zwölf- bis 15-Jährigen empfohlen, die EU-Kommission hat daraufhin das Vakzin zugelassen. Während es Eltern in Deutschland also freisteht, ihre Kinder ab zwölf Jahren impfen zu lassen, gibt es für jüngere Kinder bisher keinen zugelassenen Impfstoff.

Die Impfstoff­hersteller Moderna und Biontech/Pfizer haben inzwischen aber auch damit begonnen, ihre Corona-Impfstoffe an unter zwölfjährigen Kindern zu testen. Dafür wurde kein neuer Impfstoff entwickelt. Stattdessen wird die Verträglichkeit der Erwachsenen­impfstoffe in niedrigerer Dosierung an Kindern getestet. Pfizer gab gegenüber dem kanadischen Fernsehsender CTV News an, erste Resultate im Juli zu erwarten und auf eine Zulassung bis Anfang 2022 zu hoffen.

Was die Pandemie leichter macht

Es sind zwar deutlich weniger, aber auch in dieser Pandemie­phase infizieren sich noch Menschen mit dem Coronavirus. Das ist für Betroffene nicht einfach: Zu Sorgen um die eigene Gesundheit und möglichen Langzeit­folgen kommt oft noch die Furcht, vielleicht auch andere angesteckt zu haben. „Wie in jeder stressigen Situation ist es individuell unterschiedlich, wie Menschen auf die Erkrankung als Stressor reagieren“, sagt Laura Letschert, Coachin für systemische Resilienz aus Höhr-Grenzhausen in Rheinland-Pfalz.

Sie rät Menschen, sich nach einem positiven Testergebnis die Zeit zu nehmen, sich zu sammeln. Ein solcher Moment der Besinnung führe dazu, dass man bewusst agieren könne, anstatt nur zu reagieren. Hat man tatsächlich jemand anderes angesteckt, könne es helfen, darüber mit den Betroffenen zu sprechen.

Was außer Corona noch spannend ist

Eine Rehaklinik sollte für die jeweilige Erkrankung geeignet und entsprechend ausgestattet sein. © Quelle: iStock

Ob Bandscheiben­­vorfall, Depression oder Schlaganfall: Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erkranken im Laufe ihres Berufslebens schwer – und oft auch chronisch. Im Anschluss an eine Therapie etwa im Krankenhaus können weitere medizinische Behandlungen erforderlich sein, um die Gesundheit wieder­herzustellen. Betroffenen stellen sich dabei einige Fragen: Wer kann eine Reha beantragen, wann wird sie bewilligt, wer bezahlt? RND-Autor Sebastian Hoff hat die wichtigsten Antworten in diesem Text zusammengestellt.

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