Jetzt brauchen wir frische Energie

  • Corona hat uns in einen neuen Alltag gestoßen. Wie arrangieren wir uns damit?
  • Das Autorenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und leistet Hilfestellung für die Krisenzeit.
  • In dieser Woche: Wieso die letzten Energiereserven für den Stillstand jetzt umso mehr nötig sind.
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Liebe Leserinnen und Leser,

sind Sie gerade auch ständig müde? Der Lockdown fühlt sich inzwischen alles andere als „light“ an. „Mega“ ist er schon gar nicht, knallhart bis radikal vielleicht, aber es hätte auch noch härter werden können. Wie auch immer die neuen Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern nun genannt werden, eines sind sie ganz sicher: für jeden Einzelnen in irgendeiner Art belastend bis zermürbend. Unbeschwerte Zeiten zeichnen sich vorerst nicht ab. Also weiter durchhalten – und versuchen, sich die Lebensfreude trotz Krise zu erhalten.

Denn auch wenn alle müde sind – genau jetzt ist unser aller Verzicht besonders entscheidend. Pandemieexperten wiesen nicht umsonst vor den Beratungen von Bundeskanzlerin Merkel und den Ministern auf den gefährlichen Wendepunkt hin, an dem Europa mit der Verbreitung der neuen Virusvarianten gerade steht. „Wir müssen jetzt was machen, wenn wir speziell das Aufkeimen der Mutante in Deutschland noch beeinflussen wollen“, sagte unter anderem der Virologe Christian Drosten. „Später kann man das nicht mehr gut machen, dann ist es zu spät.“

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Heißt übersetzt: Trotz einer leicht sichtbaren Entspannung bei den Infektionszahlen braucht es jetzt präventiv die letzten Kraftreserven – um eine noch schwierigere Situation mit noch mehr Infizierten und noch weniger Freiheiten zu verhindern. Ob die Homeofficeverpflichtung, weiter geschlossene Schulen und damit noch weniger Kontakte als sowieso schon in einigen Wochen die erhoffte Wirkung zeigen, bleibt wahrlich zu hoffen. Allein die Variante B.1.1.7 aus Großbritannien breitet sich rasant aus, nachgewiesenermaßen in inzwischen mindestens 60 Ländern.

Bleiben Sie stark!

Ihre Saskia Bücker

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.
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Erkenntnis der Woche

Auch wenn sich nach Monaten der Einschränkungen zu Recht Erschöpfung breitmacht, ist in der Tat noch Luft nach oben. Mobilitätsdaten zeigen, dass in den letzten Wochen weniger Menschen als noch im Frühjahrslockdown 2020 im Homeoffice waren, was auch zu mehr Bewegung in Bus und Bahn führte. Schulen und Kitas sollten zwar schließen – gleichzeitig wurde die Notbetreuung vielerorts noch stark in Anspruch genommen. Die Fernreisen fielen zwar weg, dafür erfreuten sich Tagesausflüge in die nähere Umgebung großer Beliebtheit. Unter anderem deshalb haben die Minister die Regeln noch einmal verschärft.

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Und es gibt Hoffnung: „Wir rechnen damit, dass bei einer erfolgreichen Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen eine weitere Kontaktreduktion um 30 Prozent möglich ist“, sagt etwa Thorsten Lehr. Der Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes entwickelt mit seinem Forscherteam einen „Covid-Simulator“, der das Infektionsgeschehen in Deutschland berechnet und Prognosen liefert. Dem Experten zufolge seien weitere 30 Prozent weniger Kontakte in der Bevölkerung mindestens erforderlich, um das von der Politik gefasste Ziel bis etwa Mitte Februar zu erreichen: 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner pro Woche, in jedem Landkreis.

Alltagswissen

Langer Bart und Maske verträgt sich nicht gut. © Quelle: Vadim Ghirda/AP/dpa

Es ist der Zeitpunkt gekommen, dem selbstgenähten Mund-Nasen-Schutz aus Stoff ade zu sagen – zumindest bei Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen. Vorgeschrieben sind dort nun medizinische Masken oder sogenannte FFP2-Masken. Da schadet es nicht, sich noch einmal an das Einmaleins der Maskenhygiene zu erinnern. FFP2-Masken können die Träger nämlich nur vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen, wenn sie sehr eng anliegen.

„Billige Masken schließen bei der Nase oft nicht richtig“, sagt etwa der Virologe Alexander Kekulé. Der Bügel über der Nase müsse mit beiden Händen fest angedrückt werden, sodass Luft nur noch durch die Maske entweichen kann. Denn ansonsten wirkt sie nicht besser als eine einfache Einwegmaske. Gut zu wissen für Bartträger: „Ein Vollbart kann die Abdichtung der Maske beeinträchtigen und damit natürlich die Schutzwirkung verringern“, erklärte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Auch wenn es schwerfällt – vielleicht lieber abrasieren?

Zitat der Woche

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Mitte Februar wird aus unserer Sicht nicht ausreichen, um von den hohen Inzidenzzahlen herunterzukommen. Da sollten wir uns keine Illusion machen. Wir werden nicht Mitte Februar wieder die Innenstädte öffnen oder im Restaurant sitzen.

Gernot Marx Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung der Intensiv- und Notfallmedizin (Divi)

Forschungsfortschritt

Kann man sich nach überstandener Sars-CoV-2-Infektion erneut mit dem Virus infizieren? Immer wieder gibt es dazu einzelne Meldungen. Diese Woche wurde in Deutschland zudem erstmals ein Todesfall nach Reinfektion gemeldet. Ein 73 Jahre alter Mann aus Baden-Württemberg war laut Landesgesundheitsamt im April vergangenen Jahres erstmals an einer Infektion mit dem Coronavirus erkrankt – und verstarb nun nach erneuter Ansteckung Mitte Januar.

Auch Forscher aus Qatar und Großbritannien versuchen, der Frage auf den Grund zu gehen – und haben erste Ergebnisse veröffentlicht. „Beide Studien aus Qatar und dem Vereinigten Königreich kommen zu dem Ergebnis, dass nach überstandener Covid-19-Erkrankung erneute Infektionen selten sind“, fasst Prof. Jörg Timm, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, die Studienergebnisse zusammen. „Die Daten sprechen dafür, dass der Körper nach einer Infektion eine Immunität aufbaut. Sie zeigen aber auch, dass diese Immunität in einigen wenigen Fällen nicht ausreicht, um eine erneute Infektion zu verhindern.“

Noch nicht geklärt ist, ob das Risiko für eine Neuinfektion mit einer mutierten Virusvariante höher ist. So wurde in der brasilianischen Stadt Manaus ein rasanter Anstieg der Neuinfektionen mit dem Coronavirus beobachtet, obwohl Experten davon ausgehen, dass drei Viertel der Bevölkerung dort bereits eine Infektion durchgemacht haben.

Pandemie im Ausland

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Für Aufsehen sorgte diese Woche ein Vorfall im US-Bundesstaat Kalifornien. Epidemiologen rieten dort dazu, eine Impfstoffcharge mit mehr als 330.000 Dosen des Herstellers Moderna vorerst nicht zu verimpfen. Denn in einem Impfzentrum kam es an einem Tag mehrmals zu schweren allergischen Reaktionen bei Geimpften. Die genauen Umstände untersuchen jetzt die Gesundheitsbehörden.

Grundsätzlich ist in seltenen Fällen – also etwa bei einem von 100.000 Geimpften – mit allergischen Reaktionen bei Impfungen mit dem mRNA-Impfstoff zu rechnen. Laut dem US-amerikanischen Zentrum für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten (CDC) und auch dem Impfstoffhersteller selbst kann Anaphylaxie – eine schwere allergische Reaktion – nach dem Erhalt des Moderna-Mittels auftreten. Symptome können demnach Atemnot, niedriger Blutdruck, schneller Herzschlag, Schwindel und Ohnmacht sein. Solche Reaktionen sind Experten zufolge aber gut behandelbar – wenn direkt nach Auftreten der Symptome reagiert wird.

Was kommt

Wie nach dem Lockdown die Fallzahlen auf lange Sicht niedrig halten, bis die Impfungen Wirkung entfalten? Darüber machen sich im Moment viele Wissenschaftler Gedanken. Einen neuen Ansatz haben diese Woche Forscher um die Virologin Melanie Brinkmann vorgelegt – die sogenannte No-Covid-Strategie.

Diese besteht aus drei Kernelementen: Erstens, schnell die Infektionszahlen in ganz Deutschland möglichst niedrig, am besten auf null, senken. Zweitens, das Wiedereintragen des Virus verhindern, durch das Errichten sogenannter grüner Zonen – durch lokale Mobilitätskontrollen, Tests und Quarantänen. Und drittens, „ein rigoroses Ausbruchsmanagement“ bei sporadischem Auftreten neuer Fälle. Dadurch sei im Prinzip eine weitestgehende Rückkehr zur Normalität möglich – davon gehen die Forscher unterschiedlicher Disziplinen in ihrem Strategiepapier aus.

Auch der Expertenrat in Nordrhein-Westfalen denkt über langfristige Strategien nach. Es sei nicht hinnehmbar, dass über die Ansteckungsorte sowie die Dynamik des epidemiologischen Geschehens seit dem Lockdown im Frühjahr 2020 immer noch zu wenig bekannt ist, sagen die Vertreter, zu denen auch der Bonner Virologe Hendrik Streeck gehört. Bereits während des derzeitigen Lockdowns müssten Kriterien definiert werden, wie es nach dessen Zurückfahren differenziert weitergehe.

Was die Pandemie leichter macht

Wie lassen sich Homeoffice und Homeschooling vereinen? © Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Homeschooling, die Kinder beschäftigen und gleichzeitig im Homeoffice zu arbeiten bleibt für viele Familien auch die nächsten drei Wochen nervenaufreibend. Gerade in den unteren Klassen brauchen Kinder die Unterstützung ihrer Eltern, zum Beispiel beim Verstehen der Aufgaben, beim Planen des Schultags oder beim Starten einer Videokonferenz mit den Lehrern. Planung und Struktur seien deshalb immens wichtig, sagen Psychologen.

„Die Schülerinnen und Schüler sollten sich nicht von einem Berg von Aufgaben erschlagen fühlen“, rät etwa die Psychologin Ilka Wolter. Ihr Tipp: „Sinnvoll sind kleinere Lerneinheiten, mit klaren Pausenzeiten und Belohnungen zur Lernmotivation – zum Beispiel in Form von Medienzeit oder Lieblingsspeisen. Ganz wichtig sind natürlich auch Feedback und Lob zu Lernfortschritten.“ Damit ließen sich viele Konflikte umschiffen. Und kommt es dann doch zum Streit? Dann sollten sehr starke Emotionen möglichst schnell beiseitegeschoben werden, um stattdessen nach den Gründen für den Frust und nach möglichen Lösungen zu suchen.

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