Erlebnishunger und Corona-Unsicherheit: Geht das zusammen?

  • Seit mehr als einem Jahr prägt die Corona-Pandemie unser Leben. Wie geht es nun weiter?
  • Das Autorenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und zeigt Wege in den postpandemischen Alltag.
  • In dieser Woche: Improvisationskunst ist gefragt.
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Liebe Leserinnen und Leser,

ich bin in Vorfreude – und maximal unentspannt zugleich. Nächste Woche geht es in den Urlaub. Urlaub? Urlaub! Eine lang ersehnte Reise in den hohen Norden, Zelt auspacken, neue Orte und Landschaften erkunden. Nach monatelanger Passivität und Lockdowntraben im Umkreis von nur wenigen Kilometern kommen da echte Glücksgefühle auf. Wäre da nicht das „Was, wenn Corona plötzlich doch noch einen Strich durch die Rechnung macht?“-Misstrauen.

Unsicherheit wird zum Corona-Standard

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Erst Portugal, dann Spanien und Zypern, bald wohl Griechenland und die Niederlande – ein Urlaubsziel nach dem anderen wird bei steigenden Inzidenzen auf die Corona-Risikoliste gesetzt. Statt Sonnencreme und Snacks für unterwegs einzukaufen, surfe ich lieber täglich das Portal des Auswärtigen Amtes an, um Einreise-, Test- und Quarantäneregeln zu checken. Ich verfolge die internationalen Kurven. Und prüfe die RKI-Liste der ausgewiesenen Risikogebiete. Zwischendurch funkt das schlechte Gewissen dazwischen. Reisen trotz Delta, ist das okay?

Und es ist ja nicht nur das Reisen. Dieses Gefühl der Unsicherheit wird uns wohl noch länger begleiten. Herbst und Winter kommen. Improvisationskunst und Spontaneität sind gefragt. Wie gut, dass wir da nach Welle eins, zwei und drei noch im Training sind. Egal, was in den kommenden Wochen noch auf der Abenteueragenda steht: Erleben lässt sich eine Menge, auch im zweiten Corona-Jahr. Noch ideenlos? Ein paar Anregungen finden Sie in unserer Rubrik „Was die Pandemie leichter macht“.

Machen wir das Beste draus!

Saskia Heinze

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Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.

Erkenntnis der Woche

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Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit über zwei Wochen kontinuierlich. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Donnerstagmorgen lag sie bei 12,2 – am Vortag betrug der Wert 11,4 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli noch 4,9. Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Wie stark die vierte Infektionswelle ausfällt und wie viele Menschen dann schwer an Covid-19 erkranken, hängt laut RKI insbesondere von der Impfquote ab. Je höher sie ausfällt, desto schwächer wird auch der Anstieg der schweren Covid-19-Erkrankungen und Intensivbettenbelegung im Herbst und Winter. Aktuell sind laut dem RKI mehr als 80 Prozent der über 60-Jährigen geimpft.

Pandemie in Zahlen

Alltagswissen

Auch wer geimpft ist, kann sich unter Umständen noch mit dem Coronavirus infizieren und auch Symptome entwickeln. Medizine­rinnen und Mediziner sprechen dann von sogenannten Impf­durch­brüchen. Im Zusammenhang mit Covid-19 hat das Robert Koch-Institut (RKI) vom 1. Februar bis zum 14. Juli bereits 5374 solcher Fälle registriert.

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Die Gründe dafür sind vielfältig. Alle Impfstoffe schützen zuverlässig vor Tod und einem schweren Covid-19-Verlauf mit wochenlanger Beatmung auf der Intensivstation. Aber: Kein Impfstoff bietet einen hundert­prozentigen Schutz. Außerdem können sich Geimpfte mit dem Virus anstecken, wenn die Infektion kurz vor der Impfung stattgefunden hat. Oder wenn die Infektion in den ersten Tagen nach der Impfung erfolgt, also wenn noch kein ausreichender Impfschutz vorhanden ist.

In den höheren Alters­gruppen kann es wegen veränderter Immunreaktionen häufiger zu Impf­durch­brüchen kommen. Auch bei Menschen mit Immun­suppression kann die Antwort des Immun­systems auf die Corona-Impfstoffe schwächer ausfallen. Das Risiko für Impf­durch­brüche kann auch mit der Ausbreitung neuer Virus­varianten zunehmen. Eine detaillierte Übersicht zu Faktoren, die zu Impfdurchbrüchen führen können, finden Sie hier.

Zitat der Woche

Wir entscheiden jetzt, jetzt in diesen Tagen des Julis darüber, wie September, Oktober, November werden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ruft angesichts steigender Corona-Zahlen dazu auf, Schutzmaßnahmen nicht zu vernachlässigen.

Forschungsfortschritt

Haustiere stecken sich offenbar oft bei ihren Besitzern und Besitzerinnen mit dem Coronavirus an. Das hat eine Untersuchung von Tiermedizinern und Tiermedizinerinnen der Universität Utrecht ergeben. Die Forschenden hatten Hunde- und Katzenhalter und ‑halterinnen aufgesucht, die sich innerhalb der vergangenen 200 Tage mit dem Coronavirus infiziert hatten.

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Von 156 untersuchten Hunden hatten 23 Antikörper gegen das Virus im Blut. Bei den Katzen waren es 31 von 154 – was auf eine vorherige Infektion schließen lässt. Bei sechs Katzen und sieben Hunden schlug der PCR-Test an, sie waren akut infiziert. Die Forschenden empfehlen Tierbesitzern und Tierbesitzerinnen deshalb, den Kontakt zu ihren Haustieren genauso zu meiden wie den zu anderen Menschen, um eine mögliche Weiterübertragung auf jeden Fall zu verhindern.

Pandemie im Ausland

Fans jubelten in Rom den Spielern der italienischen Fußball-Nationalmannschaft zu, die auf dem offenen Bus ihren EM-Sieg feierten. © Quelle: Roberto Monaldo/LaPresse/dpa

Die ausgelassenen Siegesfeiern nach dem EM-Finalsieg der „Azzurri“ vom 11. Juli wirken in Italien wie ein Brandbeschleuniger. Millionen Italienerinnen und Italiener waren auf die Straßen und Plätze geströmt und hatten einander – fast immer ohne Gesichtsmaske – umarmt, geküsst und zugeprostet. Die Folge zehn Tage später: Im ganzen Land schießen die Corona-Fallzahlen in die Höhe, wenn auch im Vergleich zu anderen Ländern im Moment noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Die Medien sprechen von einem „Euro-2020-Effekt“ und von der „Variante EM“.

Besonders massiv ist der Anstieg der Fallzahlen in Rom. Vor dem Finale der Fußball-EM, in der Woche zwischen dem 28. Juni und dem 4. Juli, wurden in der Hauptstadt mit ihren drei Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern noch 293 Neuansteckungen registriert. In der vergangenen Woche waren es bereits 1491 Fälle – fünfmal so viele. Rom ist inzwischen zum wichtigsten Covid-Hotspot Italiens geworden; die Sieben-Tage-Inzidenz ist auf über 50 Fälle pro 100.000 Einwohner und Einwohnerinnen hochgeschnellt.

Was kommt

Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag in Aussicht gestellt, die nächste Ministerpräsidentenkonferenz zur Corona-Pandemie vorzuziehen. Sie sprach von einer dynamischen Lage in der Corona-Krise. Bisher ist das Treffen für Ende August geplant. Das Thema Corona könne aber auch bei einem Treffen von Ministerpräsidenten zur Katastrophenhilfe besprochen werden, das deutlich früher als Ende August stattfinden soll.

Was die Pandemie leichter macht

Auf Reisen, aber auch zu Hause lohnt eine Radtour, um auf andere Gedanken zu kommen. © Quelle: Tobias Hase/dpa-tmn

Große Pläne haben nur wenige in diesem Sommer geschmiedet – ob aus Unsicherheit oder wegen Geldknappheit. Auch die kleinen Momente können aber große Emotionen erzeugen. Wie wäre es mal mit einem großen Picknick oder einem Lagerfeuer mit Stockbrot oder Marshmallows? Oder schon einmal selbst Eis hergestellt?

Auch das Pflücken von Heidelbeeren oder Erdbeeren kann eine schöne Freizeitbeschäftigung sein – gerade mit Kindern. Viele Menschen zog es in den vergangenen Monaten in die Natur. Jetzt, wo es wieder schön warm ist, steht auch einem Ausflug an den See oder ans Meer nichts mehr im Wege. Auch eine Fahrradtour kann helfen, den Kopf frei zu kriegen. 21 Ideen für die Ferienzeit finden Sie auch in unserer Summer Bucket List.

Was sonst noch wichtig ist

Nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands ist eine Debatte über eine bessere Vorbereitung auf Starkregen losgegangen. Klar ist: Solche Extremereignisse werden durch Klimawandel und Erderwärmung weiter zunehmen. „Und unsere Städte und Gemeinden sind darauf nicht vorbereitet“, fürchtet Prof. Josef Settele, Agrarökologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. „In den vergangenen 40 Jahren haben wir sehr oft so gebaut, dass die Böden stark versiegelt wurden. Sie sind dann kaum noch durchlässig, und das Wasser kann nicht mehr richtig versickern und allmählich abfließen.“

Eine sinnvolle Landnutzung und der Erhalt der Diversität der Ökosysteme sei angesichts des Klimawandels entscheidend. Wenn es zum Beispiel am Hang alte Laubwälder gibt, könne mehr Feuchtigkeit aufgenommen werden, was am Ende auch Starkregen abbremst. „Wenn es mehr Wiesen und Weiden statt Ackerflächen gibt, wird der Boden durchlässiger, es gibt weniger Erosion, und das Oberflächenwasser verteilt sich besser“, erklärte der Wissenschaftler im Gespräch mit uns.

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