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  • Corona-News der Woche: Impfungen für Kinder und ein Freedom Day für Deutschland?

Es ist ganz einfach: Die Impfung wirkt

  • Seit mehr als einem Jahr prägt die Corona-Pandemie unser Leben. Wie geht es nun weiter?
  • Das Autorinnenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und zeigt Wege in den postpandemischen Alltag.
  • In dieser Woche: Ohne Maßnahmen geht es wohl noch nicht.
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Liebe Leserinnen und Leser,

seit Monaten hat mein Kollege Johannes Christ die Kennzahlen dieser Pandemie fest im Blick. Er hat im Laufe der Corona-Krise zahlreiche Grafiken erstellt, die zeigen, wie sich die Infektionen, die Impfungen, die Testkapazitäten entwickelt haben. Sieht man etwas grafisch aufbereitet, macht es das oft einfacher, es zu verstehen. Gerade bei komplexen Themen wie der Pandemie ist das hilfreich. Besonders aufschlussreich, finde ich, ist diese Grafik: Sie besteht aus zwei Kurven. Die eine zeigt, wie viele Menschen sich im Laufe der Pandemie mit dem Coronavirus infiziert haben. Die andere, wie viele Menschen in Verbindung mit Covid-19 gestorben sind.

Man kann deutlich sehen: In der ersten Welle und in der zweiten Welle verlaufen die Kurven sehr, sehr ähnlich. Eine hohe Zahl an Infektionen führt mit ein bisschen Verzögerung zu hohen Zahlen bei den Todesfällen. Doch dann, in der dritten Welle, entkoppeln sich die Kurven voneinander. Auch wenn die Zahl der Infektionen wieder ansteigt, die Zahl der Todesfälle tut dies nicht mehr im vergleichbaren Maße. Woran das liegt? Die Antwort ist simpel: an den Impfungen.

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Die Impfungen wirken sich auf die Todeszahlen aus. © Quelle: RND

Das ist eigentlich eine einfache Botschaft. Doch in den vergangenen Wochen scheint sie fast in Vergessenheit geraten zu sein. Wir sprechen über Impfdurchbrüche, Delta-Variante, Booster und einen Impfschutz, der im Laufe der Zeit abnimmt. Das ist alles richtig und wichtig. Aber es sollte uns nicht von einer entscheidenden Tatsache ablenken: Die Impfung wirkt. Sie schützt vor Krankheit und Tod. Sie ist und bleibt die beste Maßnahme gegen das Coronavirus.

Inwiefern andere Maßnahmen noch notwendig sind, das wurde diese Woche heiß diskutiert. Mehr dazu lesen Sie in diesem Newsletter.

Bleiben Sie stark!

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Anna Schughart

Die Pandemie und wir Unser Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.
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Erkenntnis der Woche

Abschied von den Corona-Maßnahmen noch im Herbst? Das ist für die meisten Experten und Expertinnen in Deutschland noch keine realistische Option. Und so stieß der Vorschlag von Kassenärztechef Andreas Gassen, am 30. Oktober einen „Freedom Day“ zu begehen, auf viel Kritik. „Die Impfquote ist viel zu niedrig, um beispielsweise Maßnahmen wie die Maskenpflicht in Innenräumen aufzuheben“, sagte etwa die Vorsitzende des Marburger Bunds, Susanne Johna. Auch Alexander Kekulé plädiert im RND-Interview angesichts der aktuellen Impfquote für mehr Vorsicht: „Wenn wir im Herbst komplett aufmachen, könnte das eine unkontrollierbare Infektionswelle auslösen.“

Dass es im Herbst aber noch einmal zu einem Lockdown kommt, ist unwahrscheinlich. Das zeigt sich auch in einem aktuellen RKI-Strategiepapier. Darin heißt es: Zwar müsse das Infektionsgeschehen weiterhin unter Kontrolle gehalten werden – „allerdings eher mit individuellen Maßnahmen als mit Schließungen von Einrichtungen oder Einschränkungen ganzer Gesellschaftsbereiche“. Bei besonders hohem Infektionsgeschehen soll die 2-G-Regel häufiger Anwendung finden – also Zugang nur für Geimpfte oder Genesene, etwa bei größeren Zusammenkünften im Innenbereich.

Pandemie in Zahlen

Alltagswissen

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Mit einem Antikörpertest lässt sich nachweisen, ob jemand mit Sars-CoV-2 infiziert war. Das geht auch, wenn die Infektion schon länger zurückliegt oder ohne schwere Symptome verlaufen ist. Doch könnte ein Antikörpertest nicht auch genutzt werden, um zum Beispiel zu überprüfen, wie gut eine Impfung angeschlagen hat?

Experten und Expertinnen sehen das kritisch: „Habe ich noch eine ausreichende Immunität? Brauche ich eine dritte Impfung? Solche Fragen lassen sich mithilfe der Tests bislang kaum oder gar nicht beantworten“, erklärt Martin Stürmer, Virologe und Laborleiter am IMD-Labor für interdisziplinäre Medizin und Diagnostik in Frankfurt. Das liegt unter anderem daran, dass Antikörper nur ein Teil des Immunsystems sind. Von Bedeutung sind auch die Gedächtnis­zellen (T- und B-Zellen), die langfristig im Körper bleiben und bei erneutem Kontakt mit dem Erreger sofort aktiviert werden.

Zitat der Woche

Das sind keine wissenschaftlichen Fragen mehr, sondern moralische.

Ortwin Renn Soziologe, erklärt im RND-Interview, warum die Fragen nach dem Umgang mit Ungeimpften und Geimpften stärker polarisieren.

Forschungsfortschritt

Der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer ist nach Angaben der beiden Unternehmen auch bei Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren gut verträglich und wirksam. Das zeigen Daten einer klinischen Studie, die am Montag von Biontech/Pfizer vorgestellt wurden. Die Ergebnisse liefern vor allem Antworten auf die Frage, wie hoch die Impfdosis bei den jüngeren Kindern sein sollte. Die Kinder, die an der Studie teilgenommen hatten, erhielten nicht die Erwachsenendosis, sondern ein Drittel davon. Im Hinblick auf die Antikörperproduktion wurden damit die gleichen Impfantworten erzielt. Auch die Nebenwirkungen seien vergleichbar mit denen der älteren Gruppe gewesen, so die Unternehmen.

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Nun muss die EMA bewerten, ob der Impfstoff auch für Kinder zwischen fünf und elf Jahren zugelassen wird. Gesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, dass das im ersten Quartal 2022 geschieht. Bis auch die Stiko über eine Impfempfehlung entscheidet, kann dann noch mal Zeit vergehen.

Pandemie im Ausland

Die dänische Band The Minds of 99 gibt am 10. September ein Konzert vor Zehntausenden Fans. © Quelle: Olafur Steinar Gestsson/Ritzau S

In Kopenhagen ist die Welt fast wieder so, wie sie vor Corona war. In der Metro, in Supermärkten, in Museen, überall ist der Mund-Nasen-Schutz aus dem öffentlichen Bild praktisch verschwunden, berichtet unser Reporter Thorsten Fuchs. Seit dem 10. September sind die allerletzten Einschränkungen gefallen. Möglich machen das zwei Dinge, schreibt Fuchs: die Gewissheit, es sehr schnell mitzubekommen, wenn die Situation kippt – zum Beispiel dank der großen Testkapazitäten. „Wir können die ganze Bevölkerung binnen einer Woche testen“, sagt Tyra Grove Krause, Vizepräsidentin der dänischen Seuchenbehörde. Was die neue Freiheit aber vor allem ermöglicht hat, ist die hohe Impfquote. Die über 50-Jährigen sind in Dänemark quasi fast alle vollständig geimpft.

Was kommt

Die Grippesaison steht an: Von Anfang Oktober bis Mitte Mai zirkulieren die Viren besonders häufig. Menschen ab 60 Jahren, mit chronischen Krankheiten oder einem größeren beruflichen Ansteckungsrisiko, sowie Schwangere sollten sich daher gegen Grippe impfen lassen. Darüber hinaus gilt die Stiko-Impfempfehlung für Menschen, die Risikogruppen anstecken könnten, also zum Beispiel für pflegende Angehörige.

Grippeimpfungen von Risikogruppen sind besonders während der Pandemie wichtig: Zum einen weil eine hohe Influenza-Impfquote dazu beiträgt, Engpässe in den Kliniken zu vermeiden. Zum anderen sind die Gruppen, die einen schweren Krankheitsverlauf zu befürchten haben, bei Influenza und Covid-19 sehr ähnlich. Es besteht sogar die Möglichkeit, sich mit beiden Erregern zu infizieren und dadurch die Krankheitsschwere zu erhöhen.

Was die Pandemie leichter macht

Vorübergehende Schlafstörungen unter erhöhter Stressbelastung sind völlig normal. Mit einfachen Regeln kann man aber dafür sorgen, dass daraus kein Dauerzustand wird. © Quelle: Getty Images/iStockphoto

Die Corona-Pandemie ist stressig, anstrengend – und sie zieht sich seit Monaten hin. Menschen, die mit einer guten Resilienz ausgestattet sind, kommen mit dieser Situation besser zurecht. Das Gute ist: Resilienz lässt sich trainieren. „Biologische Anlagefaktoren machen für die Resilienz vielleicht 10 bis 20 Prozent aus. Viel relevanter sind Entwicklungs- und Lernerfahrungen“, erklärt der Resilienzforscher Klaus Lieb.

Eine wichtige Rolle spielen dabei aber auch ausreichend Bewegung und guter Schlaf. „Hilfreich für einen gesunden Schlaf etwa sind regelmäßige Bewegung, kein Koffein nach 14 Uhr, keine schweren Mahlzeiten oder zu viel Alkohol am Abend.“ Auch gut: Einschlafrituale mit langsamer Reduktion der Aktivitäten vor dem Schlafengehen, eine ruhige und kühle Schlafumgebung und nachts nicht auf die Uhr schauen.

Was sonst noch wichtig ist

Wer sich beim Sport richtig auspowert, verbraucht Energiereserven, die geladen sein müssen. Angepriesen werden zu diesem Zweck zahlreiche Mittelchen und Pulver. Doch im Grunde lässt sich eine gute Ernährung für Sportler und Sportlerinnen schnell auf den Punkt bringen: „Wer sich vielfältig ernährt, macht schon sehr viel richtig“, erklärt der Sportmediziner Ingo Froböse. „Wichtig sind Kohlenhydrate, Eiweiß und Fette.“

Doch nicht nur was, sondern auch wann gegessen werde, helfe dabei, die Qualität des Trainings zu verbessern: „Man sollte möglichst zwei Stunden vor dem Sport nichts essen“, rät Froböse. „Viel wichtiger ist, dass man den Körper vorher mit Flüssigkeit volltankt. Wenn das Training länger als eine Stunde dauert, sollte man auch während des Sports trinken.“

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