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„Wir haben kein Personal“: So ist die Situation auf den Intensivstationen

Ein Facharzt und eine Intensivpflegerin (r.) intubieren einen Covid-19-Patienten auf der Intensivstation der Leipziger Uniklinik. Die Klinik hat bereits eine chirurgische Station geschlossen, um alle Covid-Patienten versorgen zu können.

Die Lage auf den Intensivstationen in Deutschland verschärft sich. 3280 Covid-19-Patienten werden laut der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) derzeit dort behandelt – und ihr Anteil nimmt immer weiter zu. Denn die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland steigt derzeit wieder stark an. Am Mittwoch lag sie laut Robert Koch-Institut (RKI) bei 319. Die Folge der stetig wachsenden Fallzahlen: In einigen Städten und Landkreisen kommen die Kliniken an ihre Kapazitätsgrenzen.

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Deutlich mehr Intensivpatienten in Süddeutschland

Besonders angespannt ist die Lage momentan in Bayern, Sachsen und Thüringen. Dort liegt die Hospitalisierungsrate, also die Anzahl der hospitalisierten Covid-19-Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, bei 8,15 in Bayern, 5,64 in Sachsen und 18,63 in Thüringen. Zum Vergleich: In Hamburg beträgt sie laut RKI 1,35 (Stand 17.11., 15 Uhr).

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Eine Klinik im Landkreis Rottal-Inn rund 50 Kilometer süd-westlich von Passau musste am vergangenen Freitag 23 ihrer Patientinnen und Patienten, darunter vier von der Intensivstation, nach Nordbayern verlegen, da die Grenze der Versorgung an den drei Klinikstandorten erreicht gewesen war.

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Experte rechnet mit weiteren Verlegungen

Zu den rund 3200 Corona-Infizierten in Deutschland, die eine intensivmedizinische Versorgung benötigten, kommen jeden Tag rund 80 bis 100 Neuzugänge, erklärt Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). „In Bayern, Thüringen und Sachsen kann die Notfallversorgung und Intensivversorgung teilweise nicht mehr gewährleistet werden“, sagt Kluge. Er rechnet damit, dass in den nächsten Wochen viele weitere Kranke aus dem Osten und dem Süden nach Norddeutschland verlegt werden.

Uniklinikum Leipzig schließt chirurgische Station

Bevor Patienten und Patientinnen verlegt werden, versuchen die Kliniken jedoch zunächst, alle Möglichkeiten im Haus auszureizen. Wie die „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ) berichtet, musste etwa das Uniklinikum Leipzig (UKL) seine chirurgische Station schließen, damit genügend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich um die Covid-19-Patienten und -Patientinnen kümmern können. Das Klinikum könnte noch weitere Betten auf der Intensivstation in Betrieb nehmen, müsste dafür aber noch weitere Stationen schließen.

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Die Patienten und Patientinnen in andere Klinken zu verlegen, wenn alle Betten belegt sind, sei bald wohl nicht mehr möglich, sagt Klinikdirektor, Sebastian Stehr, gegenüber der „LVZ“. „Ich gehe davon aus, dass in vier bis sechs Wochen kein anderes Bundesland in der Lage sein wird, Patienten aufzunehmen. Die Wahrscheinlichkeit ist fast gleich null. Wir werden hier in Sachsen zurechtkommen müssen.“

Weniger Intensivbetten als noch vor einem Jahr

Obwohl inzwischen nur noch 0,8 Prozent der Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, auf eine Intensivstation müssen, ist die medizinische Versorgung schlechter als im Frühjahr 2020. Denn deutschlandweit können 4000 Intensivbetten weniger genutzt werden als vor einem Jahr, berichtete die „Märkische Allgemeine Zeitung“ (MAZ) im Oktober unter Berufung auf eine Divi-Sprecherin. Die Ursache für die gesunkenen Kapazitäten sei hauptsächlich der Personalmangel. Viele Pflegekräfte hätten aufgrund der hohen Belastung gekündigt oder ihre Arbeitszeit reduziert. Aber auch die Kraft der Pfleger und Pflegerinnen habe nachgelassen.

„In Hamburg haben wir freie Intensivbetten, aber wir haben kein Personal. Die Bereitschaft des Pflegepersonals oder der Ärzte von der Normalstation auszuhelfen ist null“, sagt Stefan Kluge vom UKE. „Auch die Mitarbeiter im Krankenhaus sind pandemiemüde.“ Denn die Versorgung der Covid-Patienten sei aufwendig und anstrengend. Bis zu 30 Prozent der deutschen Intensivbetten könnten demnach nicht betrieben werden, weil das Personal fehle.

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Anästhesistenverbände warnen bereits vor einem Kollaps des Gesundheitssystems. „Das deutsche Gesundheitssystem steuert auf eine Katastrophe zu“, schreiben der Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) und die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief.

Klinik in Hannover hat nicht genug Personal

Im Vergleich anderen Landesteilen ist die Situation auf den Intensivstationen in Norddeutschland noch etwas ruhiger. Von Entspannung kann aber auch dort keine Rede sein. Die Intensivstation im Clementinenhaus in Hannover etwa ist bereits komplett gefüllt. In zwei der insgesamt acht Betten liegen Covid-Patienten. „Eigentlich stehen uns elf Betten auf der Station zur Verfügung, drei können allerdings nicht belegt werden, weil das dafür erforderliche Personal fehlt“, erklärt Dieter Goltz, Bereichsleiter der Intensivpflege, gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ). Im Gegensatz zum Beginn der Pandemie, als größtenteils ältere Menschen intensivmedizinisch betreut wurden, seien nun auch Jüngere darunter. Diese seien ausschließlich ungeimpft.

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