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Nächtliche Ausgangssperren haben wohl kaum Auswirkungen auf die Mobilität

  • Nächtliche Ausgangssperren sollen die Mobilität einschränken und dadurch soziale Kontakte reduzieren.
  • Eine Computermodellierung des RKI und der Berliner Humboldt-Universität zeigt nun: Von solchen Maßnahmen ist höchstens ein geringer Effekt zu erwarten.
  • Denn unterwegs sind die Menschen vor allem tagsüber.
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Für das „Covid-19 Mobility Project“ des Robert-Koch-Instituts und der Humboldt Universität Berlin analysieren Forscher seit Beginn der Pandemie das Bewegungsverhalten der Bevölkerung. Die Wissenschaftler haben nun berechnet, wie sich nächtliche Ausgangssperren auf das Mobilitätsverhalten in Deutschland auswirken könnten.

Das Forscherteam, dem auch der RKI-Physiker und Epidemiologe Dirk Brockmann angehört, wertet für seine Untersuchungen regelmäßig Mobilfunkdaten der Anbieter Telekom und Telefonica aus. Anhand dieser lässt sich die Gesamtanzahl der Bewegungen zwischen verschiedenen Orten erkennen. Die Daten sind dabei anonymisiert, ein Bewegungsprofil einzelner Personen ließe sich daraus nicht erstellen, heißt es in einer Beschreibung des Projekts.

Kaum Auswirkung auf die Mobilität zu erwarten

Um die möglichen Auswirkungen von Ausgangssperren zu beurteilen, untersuchten die Forscher nun, zu welcher Tageszeit besonders viele Menschen unterwegs sind. Eine Auswertung liegt inzwischen für die ersten drei Märzwochen vor: Anhand der Datenanalyse lässt sich erkennen, dass normalerweise nur ein geringer Teil der Mobilität in die Zeit zwischen 22 Uhr abends und 5 Uhr morgens fällt – und damit in die Zeit, für die an einigen Orten inzwischen Ausgangssperren verhängt wurden. Auch bei einem früheren Beginn der Ausgangssperre um 20 Uhr würden nur 12,3 Prozent der Bewegungen in diesen Zeitraum fallen.

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Zu beachten sei außerdem, dass bei einer Ausgangssperre nicht 100 Prozent der Bewegungen im Zeitraum der Sperre wegfallen, heißt es in der Veröffentlichung. Tatsächlich ist ja auch dann der Ausgang in dringenden Fällen weiterhin zugelassen. Zudem gebe es vermutlich „Ausweicheffekte“ etwa dadurch, dass einzelne Trips auf den Zeitraum außerhalb der Ausgangssperre verlagert werden.

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Mobilität nach 22 Uhr ist in allen Bundesländern ähnlich gering

Eine genauere Auswertung der Daten zeigte, dass es beim Bewegungsverhalten zwischen Bundesländern kaum Unterschiede gab. Die meisten Ortswechsel fanden jeweils zwischen 7 Uhr morgens und 19 Uhr abends statt. Die Mobilität nach 22 Uhr war hingegen in allen Bundesländern ähnlich gering. Für Ausgangssperren würde das bedeuten, dass sie kaum zu einer Abnahme der Mobilität in der Bevölkerung beitragen könnten.

Das Forscherteam hatte das aktuelle Bewegungsverhalten der Bevölkerung auch mit der Mobilität während der ersten Corona-Welle im Frühjahr und der Mobilität vor dem Ausbruch des Coronavirus verglichen. Im März 2020 war die Mobilität im Vergleich zum März 2019 um bis zu 40 Prozent gesunken, obwohl es damals keine echten Ausgangssperren gegeben hatte, sondern nur Empfehlungen und Kontaktbeschränkungen. Die Menschen waren damals vor allem tagsüber weniger unterwegs gewesen, wie die Analyse nun zeigt. Aktuell ist die Mobilität im Sieben-Tage-Mittel nur etwa um 11 Prozent niedriger als noch im März 2019.

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