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Coronavirus-Mutationen: Gefährden die neuen Varianten nun die erzielten Fortschritte?

  • Seit September sind Wissenschaftler auf Mutationen des Coronavirus gestoßen - und das alarmiert sie zusehends.
  • Denn das könnte bereits erzielte Fortschritte im Kampf gegen die Pandemie gefährden und eine neue Infektionsspirale auslösen.
  • US-Experten raten zu den gleichen Schutzvorkehrungen, zu denen sie von Anfang an geraten haben.
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New York. Neue Mutationen des Coronavirus stellen Wissenschaftler, Ärzte und Behörden vor neue Herausforderungen - und es könnte zu einem Teufelskreis werden. Gesundheitsexperten zufolge ist die hohe Rate neuer Infektionen der Grund dafür, dass das Virus genetisch verschiedenartiger wird: Jede neue Infektion gibt ihm im Zuge seiner Reproduktion die Möglichkeit zu mutieren.

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Vorhandene Vakzine scheinen zwar auch gegen bislang bekannte neue Varianten zu wirken. Aber je länger es dauert, Menschen zu impfen, desto wahrscheinlicher wird es, dass eine neue Version entsteht, die bei der gegenwärtigen Art von Tests nicht oder nur schwer entdeckt werden kann und die resistenter gegen derzeitige Behandlungsmethoden mit Antikörper-Mitteln ist. Und so wächst denn insgesamt die Gefahr neuer gravierender Infektionswellen.

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Expertin: Virus-Variante könnte für jüngere Leute gefährlicher sein

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Nach Angaben der amerikanischen Seuchenkontrollbehörde CDC könnte eine neue Version des Virus, die zuerst in Großbritannien entdeckt wurde, bis März in den USA dominant werden. Auch wenn sie keine noch schwereren Erkrankungen erzeugt als die ursprüngliche Variante, würden mehr Menschen in Kliniken behandelt werden müssen und mehr sterben - ganz einfach deshalb, weil sich dieses mutierte Virus viel leichter verbreitet. Die CDC warnt vor diesem Hintergrund vor „einer neuen Phase exponentiellen Wachstums“.

„Wir nehmen es wirklich sehr ernst“, sagt Anthony Fauci, Amerikas Topexperte in Sachen Infektionskrankheiten. Mediziner Michael Mina von der Havard University pflichtet bei. „Wir müssen alles tun, was wir können, um die Ansteckungen jetzt auf einen möglichst niedrigen Stand zu bringen“, sagt der Experte. Der beste Weg, das Entstehen neuer mutierter Stränge zu verhindern, sei eine Verlangsamung der Übertragungen. „Wir befinden uns in einem Wettlauf mit der Zeit“, warnt auch die Evolutionsbiologin Pardis Sabeti vom Broad-Institut des Massachusetts Institute of Technology und der Harvard University.

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Die Expertin weist auch darauf hin, dass eine etwaige künftige Variante auch für jüngere Leute gefährlicher sein könnte als der derzeit dominante Strang. Sabeti weiß, wovon sie spricht: Sie dokumentierte eine Mutation des Ebolavirus während der Epidemie von 2014, die alles noch viel schlimmer machte.

Mutation hat wahrscheinlich nichts mit Übertragung auf Reisen zu tun

Es ist normal, dass sich das genetisches Alphabet von Viren im Zuge ihrer Reproduktion leicht ändert. Mutationen, die ein Virus gedeihen lassen, verdrängen andere Varianten. Im März, nur wenige Monate nach der Entdeckung des Coronavirus in China, entstand eine Mutation namens D614G, die eine raschere Verbreitung begünstigte. Sie wurde bald die dominante Version auf der Welt.

Jetzt, nach Monaten relativer Ruhe, „erleben wir die Anfänge einer bemerkenswerten Evolution“, schrieb Trevor Bedford, ein Biologe am Fred-Hutchison-Krebsforschungszentrum in Seattle kürzlich auf Twitter. „Die Tatsache, dass wir seit September auf drei besorgniserregende Varianten gestoßen sind, legt nahe, dass wahrscheinlich mehr folgen werden.“

Unabhängig entwickelte ähnliche Mutationen

Eine wurde zuerst in Großbritannien entdeckt und dann rasch in Teilen Englands dominant. Jetzt gibt es sie in mindestens 30 Ländern und auch in den USA. Wenig später meldeten Südafrika und Brasilien neue Versionen, und die Hauptmutation in der in Großbritannien identifizierten Version tauchte in einer unterschiedlichen Variante auf, „die in Ohio (dem US-Bundesstaat) mindestens seit September zirkuliert“, gab Dan Jones, ein Molekularpathologe an der Ohio State University, kürzlich bekannt.

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Das Wichtige daran sei, dass das wahrscheinlich nichts mit Übertragungen auf Reisen zu tun habe: Es zeige vielleicht, dass das Virus im Zuge einer Zunahme von Infektionen unabhängig ähnliche Mutationen entwickeln könne wie woanders, sagt Jones.

Impfstoffe wohl weiter wirksam

Mehrere Labortests legen nahe, dass die in Südafrika und Brasilien ausgemachten Varianten möglicherweise weniger auf Antikörper-Arzneien oder Behandlungen mit Antikörper-reichem Blut von Covid-19-Genesenen reagieren. Vor diesem Hintergrund ermuntert etwa die US-Regierung zur Entwicklung von Antikörper-Kombinationen anstatt auf jeweils eine Antikörper-Art zu setzen, die sich am Ende als wirkungslos herausstellen könnte.

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Derzeitige Vakzine erzeugen nach Ansicht vieler Wissenschaftler eine so breit angelegte Immunität, dass sie wirksam bleiben dürften. Zu viele Mutationen könnten vielleicht Impfstoff-Änderungen erfordern, aber wahrscheinlich sei das eher eine Frage von Jahren und nicht Monaten, meint etwa Andrew Pavia, ein Experte für Infektionskrankheiten an der University of Utah.

Reinfektion möglich?

Eine Sorge ist auch, dass sich Menschen ein zweites Mal Covid-19 zuziehen könnten, wenn das Virus stark mutiert. Zurzeit kommen derartige Neuinfektionen sehr selten vor, aber in Brasilien gibt es einen solchen bestätigten Fall.

Und was lässt sich tun? Neben weiteren wissenschaftlichen Forschungen raten Experten zu den gleichen Schutzvorkehrungen, zu denen sie von Anfang an geraten haben, um die Zahl von Neuinfektionen zu senken - was auch die Gefahr neuer Mutationen verringert. „Wir wollen weiter, dass Leute Gesichtsmasken tragen“, sagt Loyce Pace, Leiterin der gemeinnützigen Organisation Global Health Council. „Es ist weiter nötig, dass Menschen Zusammenkünfte mit Leuten aus anderen Haushalten begrenzen. Sie müssen weiter ihre Hände (häufig) waschen und wirklich wachsam sein“. Alle diese Schritte seien „weiter wirksam und wichtig“.

RND/AP

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