Coronavirus-Variante B.1.1.7: So überlistet Alpha das menschliche Immunsystem

  • Die Coronavirus-Variante B.1.1.7, auch als Alpha bekannt, hat sich in kurzer Zeit rasant ausgebreitet.
  • In Deutschland dominiert sie mittlerweile das Infektionsgeschehen.
  • Ein britisch-amerikanisches Forscherteam liefert nun eine Erklärung für das Durchsetzungsvermögen der Virusvariante.
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London. Wie konnte es die zuerst in Großbritannien entdeckte Coronavirus-Variante B.1.1.7 – auch Alpha genannt – schaffen, sich so schnell zu verbreiten? Im Dezember vergangenen Jahres ist die Mutante erstmals in Deutschland nachgewiesen worden, inzwischen macht sie 93 Prozent aller positiven Sars-CoV-2-Proben aus. Sie ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts leichter von Mensch zu Mensch übertragbar und weist eine höhere Reproduktionszahl auf, sodass sie schwerer einzudämmen ist.

Britisch-amerikanische Forscherinnen und Forscher sind jetzt der Ursache der starken Durchsetzungskraft von Alpha auf die Schliche gekommen. In einer Studie, die noch nicht von unabhängigen Experten begutachtet wurde, beschreiben sie, wie die Virusvariante die erste Linie der Immunabwehr im Körper ausschalten kann. Die Ergebnisse sind auf dem Preprint-Server Biorxiv erschienen.

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Virale Proteine unterbinden Immunabwehr

Das Team um Lucy Thorne vom University College London (UCL) züchtete Coronaviren in menschlichen Lungenzellen und stellte fest, dass mit Alpha infizierte Zellen weniger Interferone produzieren. Das sind Proteine, mit denen unser Körper Viren bekämpft und Killerzellen aktiviert. Das Virus hemmt also die Immunantwort und verschafft sich so Zeit, um sich in den Zellen zu vermehren. „Es macht sich unsichtbarer“, erklärte Gregory Towers, Virologe am UCL, der „New York Times“.

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In den Fokus der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist vor allem das Gen Orf9b gerückt. In den menschlichen Zellen stellt Alpha rund 80-mal mehr Kopien dieses Gens her als andere Virusvarianten. Diese DNA-Sequenz bietet dem Erreger einen entscheidenden Vorteil: Orf9b produziert ein virales Protein, das sich an ein menschliches Protein namens Tom70 bindet. Dieses spielt wiederum eine wichtige Rolle bei der Freisetzung von Interferonen, wie frühere Forschungsarbeiten zeigen konnten.

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Impfstoffe können Übertragung von Alpha verhindern

Das heißt: Die Virusvariante Alpha trägt eine Mutation, die die Produktion von Orf9b-Proteinen fördert, mit denen die Ausschüttung von immunstimulierenden Interferonen unterdrückt wird. Der Erreger ist vor Angriffen des Immunsystems geschützt und kann sich in den Zellen ungestört vermehren – zumindest vorübergehend. Denn rund zwölf Stunden nach der Corona-Infektion beginnt das menschliche Abwehrsystem wieder zu arbeiten. Dann sei mit einer robusteren Reaktion als bei anderen Virusvarianten zu rechnen, spekulierte Virologe Towers. Infizierte würden folglich häufiger husten und virusbeladenen Schleim über Mund und Nase absondern, so dass sich Alpha besser ausbreiten kann.

„Dass B.1.1.7 besser in der Lage ist, die Immunantwort zu hemmen, verschafft ihm einen Vorteil bei der Etablierung der Infektion und der Übertragung beim Menschen“, erläuterte Lorena Zuliani-Alvarez, Mitglied des QBI-Coronavirus-Forschungskonsortiums an der University of California in San Francisco und Co-Autorin der Studie, auf Twitter. „Die verfügbaren Impfstoffe sind jedoch wirksam gegen dieses Virus und damit wären wir geschützt und würden die Übertragung von B.1.1.7 verhindern.“

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