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„Alles unternehmen, um Ausbreitung einzudämmen“: Experten zur Gefahr der Corona-Variante aus Indien

  • In Indien dominiert sie seit Wochen, auch in Großbritannien verbreitet sie sich rasant: die Coronavirus-Variante B.1.617.
  • Laut Robert Koch-Institut ist der Anteil der Mutante in Deutschland in den vergangenen Wochen ebenfalls stetig gestiegen.
  • Experten mahnen deshalb, die Ausbreitung von B.1.617 genau zu beobachten.
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Die Corona-Lage in Indien ist noch immer angespannt: Auf dem asiatischen Subkontinent steigen die Fallzahlen weiterhin stark an, zuletzt starben laut Johns-Hopkins-Universität täglich zwischen 3000 und 4000 Menschen an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung. In vielen Fällen ist dafür die sich schnell ausbreitende Variante B.1.617 verantwortlich, die mittlerweile auch ihren Weg in andere Länder gefunden hat. Laut der Weltgesundheitsorganisation wurde die Mutante in 44 Staaten festgestellt. Erst vor wenigen Tagen hat die Behörde sie als „besorgniserregend“, also als „Variant of Concern“, eingestuft.

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In Deutschland sei stattdessen die Virusvariante B.1.1.7 aus Großbritannien weiterhin vorherrschend, schreibt das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen „Bericht zu Virusvarianten von Sars-CoV-2 in Deutschland“. Die in Indien entdeckte Mutante mache bislang nur einen Anteil von weniger als 2 Prozent aller positiven Corona-Proben aus. Das RKI weist jedoch darauf hin, dass der Anteil von B.1.617 in den vergangenen Wochen stetig gestiegen sei.

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Unterlinie B.1.617.2 breitet sich in Großbritannien aus

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Experten beobachten die Ausbreitung der Virusvariante aus Indien, insbesondere der Unterlinie B.1.617.2, deshalb ganz genau. Prof. Joachim Schultze, Direktor des Forschungsbereichs Systemmedizin am Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen in Bonn (DZNE), sagte dem Science Media Center (SMC): „In den vergangenen drei Wochen kam es zu einem starken Anstieg, der ähnlich steil wie im Vereinigten Königreich erscheint.“

In Großbritannien wurden bislang mehr als 1300 Fälle mit der Unterlinie B.1.617.2 festgestellt, wie aus Daten der Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) hervorgeht. Dort mache die Variante bereits rund 5 Prozent aller Infektionsfälle aus, so Schultze. Er mahnte: „Alle nicht geimpften Personen und auch Personen, die bereits im vergangenen Jahr – insbesondere während der ersten Welle – an Covid-19 erkrankt waren, sollten weiterhin sehr vorsichtig bleiben, wenn jetzt eine weitere, sich schnell ausbreitende, neue ‚Variant of Concern‘ wie B.1.617 auftritt.“

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„Wissenschaftliche Daten zeigen, dass sich die Mutationen durchsetzen können, die in der jeweiligen Bevölkerung für das Virus besonders nützlich sind“, erklärte Roman Wölfel, Oberstarzt und Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, dem SMC. Der Experte verdeutlichte das am Beispiel der infektiöseren Coronavirus-Variante B.1.1.7: „In einer Phase, in der in einer Bevölkerung kaum Immunität vorhanden ist, sind insbesondere Mutationen, die seine Übertragbarkeit verbessern, für das Virus von Vorteil.“

Nun, da in vielen Ländern durch die Covid-19-Impfungen ein höherer Grad an Immunität herrsche, begünstige das Mutationen, die die Immunantwort durch Antikörper oder Abwehrzellen behindern: „Genau solche Veränderungen sind in den Virusvarianten aus Brasilien, Südafrika und Indien enthalten“, so Wölfel.

Erste Untersuchungen: Corona-Impfung wirkt auch gegen B.1.617

Dass Corona-Varianten wie B.1.617 den Impfschutz aushebeln, ist den jüngsten wissenschaftlichen Daten nach nicht zu erwarten, erklärte Schultze. Doch endgültige Sicherheit darüber gebe es noch nicht, dafür seien die Ergebnisse nicht aussagekräftig genug. „Weitere Studien müssen nun folgen, um dies weiter zu verifizieren“, sagte er. Eine Anpassung der Impfstoffe erscheine zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls nicht notwendig.

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Das meint auch Prof. Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien an der Universität Basel. Besorgniserregend sei eine Corona-Mutante erst, „wenn sich herausstellt, dass die Variante auch bei schon Genesenen oder Geimpften zu schweren Erkrankungen führt“. Auch eine dauerhaft erhöhte Zahl an schweren Verläufen sei ein Warnsignal. Beunruhigt zeigte sich der Experte vorerst nicht: „Weder für das eine noch für das andere gibt es bis jetzt Hinweise.“

Neher sprach sich dafür aus, die Ausbreitung von B.1.617 weiterhin „genau zu beobachten“. Weiter sagte der Wissenschaftler: „Ich wäre nicht überrascht, wenn sich am Ende herausstellt, dass diese Variante nicht so besorgniserregend ist, wie das manche im Moment befürchten. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass man nicht doch versuchen sollte, alles zu unternehmen, um die Ausbreitung einzudämmen.“

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