Jetzt doch? Warum wir alle Masken tragen sollten

  • Erst hieß es, Mundschutz sei nur für medizinisches Personal gedacht.
  • Nun sollen alle Masken tragen.
  • Zu recht, meint Anna Schughart: Wer eine Maske trägt, ist solidarisch.
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Es ist nicht leicht, mit einer Maske einkaufen zu gehen. Man muss damit rechnen, angeschaut und angestarrt zu werden. Man muss den Drang unterdrücken, zu rufen: “Ich bin nicht krank! Ich mache das zu Ihrem Schutz.” Man muss sich selbst versichern, dass das Stück Stoff vor dem Mund nicht Ausdruck von Hypochondrie, sondern von gesundem Menschenverstand ist.

Menschen, die eine Maske tragen, sind in Deutschland ein ungewohnter Anblick. Sie gehörten - bisher -anders als in manchen asiatischen Ländern nicht zum Alltag. Dort signalisiert die Maske: Ich möchte euch schützen. Hier signalisierte die Maske dagegen lange Zeit: Ich möchte mich vor euch schützen. Doch es ist Zeit, umzudenken. Die Maske muss Alltag werden.

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Woher kommt der Sinneswandel?

Entsprechende Appelle hört man inzwischen immer häufiger. Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) etwa riet vergangene Woche: "Besorgen Sie sich einfache Schutzmasken oder basteln Sie sich selbst welche und tragen Sie diese im öffentlichen Raum.“ Ein wenig überraschen diese Aufrufe schon. Hieß es nicht vor wenigen Wochen: Atemschutzmasken seien nicht effektiv? Sie würden keinen wirklichen Schutz bieten?

Tatsächlich wird inzwischen diskutiert, ob das so hunderprozentig stimmt. So gibt es etwa die These, dass der Hauptübertragungsmechanismus des Virus nicht etwa feine Aerosole sind, sondern größere Tropfen. In so einem Fall könnten auch etwa selbst gebastelte Masken - besonders in Kombination mit anderen Maßnahmen, wie Händewaschen oder social distancing -, durchaus einen Effekt haben, glauben verschiedene Wissenschaftler.

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Masken schützen andere

Tatsächlich hatte die Zurückhaltung der WHO und anderen Gesundheitsbehörden zum Thema Atemschutz aber auch noch ganz andere Gründe: Viele (westliche) Länder wollten Hamsterkäufe verhindern und sicher gehen, dass vor allem das medizinische Personal ausreichend mit Masken versorgt ist. Angesichts leerer Toilettenpapier-Regale ein valider Gedanke. Doch bei vielen Menschen hat sich so der Gedanke festgesetzt, dass das Bedecken von Mund und Nase in keinem Fall und niemandem etwas nütze. Das ist falsch.

Das Tragen einer Maske hat einen Effekt. Unabhängig von der Frage, ob man sich selbst damit schützen kann: Masken schützen andere. Denn sie verhindern, dass ihre Träger ihre Tröpfchen verteilen. Man minimiert das Risiko - unbewusst und ungewollt - andere anzustecken. Auch deshalb werden Masken inzwischen von Ländern wie Österreich beim Einkaufen vorgeschrieben. In Deutschland wäre das rechtlich ebenfalls möglich.

Doch wer daran interessiert ist, die Verbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen, sollte nicht auf ein Gebot warten. Stattdessen sollte der Anblick von Menschen mit Masken Alltag werden. Dazu kann jeder einzelne beitragen. Nicht, indem er medizinischen Masken kauft, sondern selbst welche näht oder sich notfalls einen Schal um Mund und Nase wickelt. Denn wer eine Maske trägt, ist nicht unbedingt krank und schon gar nicht paranoid, sondern einfach nur: solidarisch.






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