Studie belegt: Medizinische Masken reduzieren Verbreitung von Corona

  • Es ist die erste Studie zum Tragen einer Maske, die als randomisierte kontrollierte Studie angelegt ist – der höchste Standard unter den klinischen Studien.
  • Die Beobachtungsphase begann im November 2020 und endete im April 2021.
  • Die Studie bestätigt, dass das Tragen von medizinischen Masken dabei hilft, die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen.
Mattis Krapp
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Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in einer groß angelegten Studie erneut gezeigt, dass das Tragen einer medizinischen Maske dazu beiträgt, die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Jason Abaluck, einer der Autoren und Wirtschaftswissenschaftler an der Yale Universität, sagte der „Washington Post“: „Ich denke, dass dadurch jegliche wissenschaftliche Debatte über die Effektivität von Masken in der Bekämpfung gegen Covid beendet sein sollte.“

An der Studie, die noch von unabhängigen Expertinnen und Experten begutachtet werden muss, nahmen zwischen November 2020 und April 2021 mehr als 342.000 Erwachsene aus 600 Dörfern in Bangladesch teil. Etwa 178.000 Menschen wurden der sogenannten „Interventionsgruppe“ zugeteilt, die kostenlose Masken erhielt sowie wichtige Informationen über das Tragen einer Maske und deren Bedeutung. Außerdem wurden dieser Gruppe in der Gesellschaft hoch angesehene Menschen als Vorbilder präsentiert. Das heißt: Sie wurden etwa von Imamen während des Freitagsgebets über die Bedeutung des Maskentragens aufgeklärt.

Darüber hinaus erhielten die Probandinnen und Probanden der Interventionsgruppe acht Wochen lang regelmäßige Aufforderungen zum Tragen der Maske. Die Kontrollgruppe, der ungefähr 164.000 Menschen angehörten, erhielt all das nicht.

Interventionen waren erfolgreich

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Das Forscherteam schickte zudem Beobachter in die an der Studie beteiligten Dörfer. Diese überwachten, wie viele Menschen eine Maske in Moscheen, auf Märkten und an großen Straßen trugen und ob die Menschen ausreichend Abstand zueinander hielten. Fünf und neun Wochen nach dem Beginn der Studie wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf typische Symptome untersucht. Etwa zehn und zwölf Wochen nach dem Beginn wurden den Menschen, die Symptome aufwiesen, Blutproben abgenommen, um diese auf Antikörper zu untersuchen.

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Die Aufklärungsarbeit war den Untersuchungen zufolge recht erfolgreich. So trugen in der Interventionsgruppe 42,3 Prozent der Menschen eine Maske, in der Kontrollgruppe lag dieser Anteil bei nur 13,3 Prozent. Höher war auch der Anteil der Menschen, die Abstand zueinander hielten: 29,2 Prozent in der Interventionsgruppe, während in der Kontrollgruppe der Anteil bei 24,1 Prozent lag. Nach etwa fünf Monaten ließ der Effekt der Interventionen nach, allerdings blieb der Anteil der Maskenträger in der Interventionsgruppe um 10 Prozent höher als in der Kontrollgruppe.

Masken reduzieren symptomatische Infektionen um fast 10 Prozent

Insgesamt wurden etwa 11.000 symptomatischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus beiden Gruppen Blutproben entnommen. Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass die Interventionen dazu beitrugen, symptomatische Verläufe um 9,3 Prozent zu verringern. Die Autorinnen und Autoren betonen: „Unsere Ergebnisse sollten nicht so verstanden werden, dass Masken nur 10 Prozent der Covid-19-Fälle verhindern können“.

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Das liege daran, dass die Interventionen nur dazu beigetragen hätten, dass 29 Prozent mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer dadurch Masken trugen. „Die Gesamtwirkung einer nahezu flächendeckenden Maskierung – die vielleicht mit alternativen Strategien oder einer strengeren Durchsetzung erreicht werden kann – könnte um ein Vielfaches größer sein als die von uns geschätzten 10 Prozent“, prognostizierten die Forscherinnen und Forscher.

Studie besitzt Schwachstellen

Im Rahmen der Studie wurden medizinische Masken und Masken aus Stoff verteilt. In den Dörfern, in denen medizinische Masken getragen wurden, war das Risiko für symptomatische Verläufe bei einer Infektion um 11,2 Prozent niedriger als in der Kontrollgruppe. Noch signifikanter war der Unterschied bei älteren Menschen: Diejenigen, die über 60 Jahre alt waren und medizinische Masken erhielten und der Interventionsgruppe angehörten, zeigten 34,7 Prozent weniger symptomatische Verläufe als die Kontrollgruppe.

Die Stoffmasken hingegen zeigten keine Wirkung im Hinblick auf einen symptomatischen Verlauf im Vergleich der beiden Gruppen. Obwohl diese Studie die bislang am größten angelegte Untersuchung zum Tragen einer Maske ist, hat sie Limitationen. Die Autorinnen und Autoren schrieben, dass die Beobachter durch die Art, wie sie ihre Maske trugen und sich körperlich auf Abstand hielten, von den Testpersonen eventuell identifiziert wurden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer könnten dann ihr Verhalten geändert haben.

Außerdem kann die Studie nicht erklären, ob das Tragen einer Maske dazu führte, dass die Verläufe nach einer Infektion weniger oft symptomatisch waren, weil die Personen einer geringeren Menge Viren ausgesetzt waren oder ob die Masken neue Infektionen komplett verhinderten.

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