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Behandlung bei Covid-19: Welche Medikamente wirken?

  • Schwere Covid-19-Verläufe müssen mit Medikamenten behandelt werden.
  • Erprobt werden bereits bekannte Wirkstoffe sowie gänzlich neue Therapieformen.
  • Ein Überblick über die verschiedenen Ansätze.
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Bis genügend Corona-Impfstoff für alle Risikogruppen zur Verfügung steht, dürften noch Monate vergehen. Doch nicht nur Impfungen, auch Medikamente können schwere Verläufe und Todesfälle durch Covid-19 verhindern. Anders als die Impfung müssen diese nicht extra entwickelt werden: Weltweit werden Arzneimittel zur Behandlung von Corona-Patienten erprobt, die es schon gibt.

Zur Therapie von Corona-Patienten zugelassen sind in der EU bislang nur zwei Medikamente. Eine bedingte Zulassung gibt es für das antivirale Medikament Remdesivir, das ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt wurde. Klinische Studien hatten darauf hingedeutet, dass das Medikament die Krankheitsdauer bei Corona-Patienten um einige Tage verkürzt. Die Europäische Arzneimittelagentur Ema prüft allerdings derzeit Daten aus neuen Studien der WHO, in denen sich keine solche Wirkung zeigte.

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Dexamethason nur zur Behandlung schwerer Verläufe

Auf die Sterblichkeit hatte sich Remdesivir dabei selbst in den früheren Studien nicht ausgewirkt. Anders als das zweite in der EU zugelassene Medikament Dexamethason. In einer Studie konnte die Behandlung mit Dexamethason bei Patienten, die invasiv beatmet werden mussten, die Sterblichkeit um 36 Prozent senken. Dexamethason unterdrückt das Immunsystem: Es bekämpft nicht das Virus selbst, sondern verhindert eine überschießende Abwehrreaktion des Körpers, die der Grund für viele schwere Verläufe ist.

Am Beispiel von Dexamethason zeigt sich aber auch, wie kompliziert die Therapie der Viruserkrankung sein kann. Wird das Medikament zu einem zu frühen Zeitpunkt oder bei leichten Verläufen gegeben, kann es die natürliche Abwehrreaktion des Körpers hemmen und dadurch sogar mehr schaden als nützen. Eine positive Wirkung wurde nur dann festgestellt, wenn Patienten bereits künstlich beatmet werden mussten oder Sauerstoff erhielten. Nur für diese Fällen ist Dexamethason daher zu gelassen.

Umwidmung von Medikamenten möglich

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Ärzte können Corona-Patienten auch mit Medikamenten behandeln, die gegen andere Erkrankungen zugelassen sind, man spricht dann vom „off-label-use“ oder einem „repurposing“ (umwidmen) von Medikamenten. Bei vielen bereits zugelassenen Medikamenten wird ein Nutzen bei Covid-19 derzeit in klinischen Studien geprüft.

Wie der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (VfA) erklärt, geht es dabei nicht nur darum, ob die Medikamente gegen Covid-19 wirksam sind oder nicht. Sondern darum, in welchem Krankheitsstadium sie von Nutzen seien: „Medikamente, die im Frühstadium (leichte Infektion ohne Atemprobleme) hilfreich sind, könnten bei Patienten mit schwerer Lungenentzündung unwirksam oder sogar schädlich sein – oder umgekehrt“, so der VfA. Zudem zielen unterschiedliche Medikamente auf unterschiedliche Symptome der Krankheit ab.

Aspirin könnte die Sterblichkeit senken

Neben antiviralen Medikamenten wie Remdesivir und Immunmodulatoren wie Dexamethason werden unter anderem auch solche Mittel erprobt, die einen Einfluss auf die Blutgerinnung haben. So konnte einer Studie der Universität Maryland in Baltimore zufolge Acetylsalicylsäure (besser bekannt unter den Handelsnamen Aspirin oder ASS) die Sterblichkeit bei Corona-Patienten fast um die Hälfte senken.

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Die Erklärung: Acetylsalicylsäure verflüssigt das Blut und kann daher lebensgefährlichen Blutgerinnseln vorbeugen, die bei schweren Verläufen von Covid-19 häufig auftreten. Eine ähnliche Wirkung lässt sich mit dem Wirkstoff Heparin erzielen, der Corona-Patienten vorbeugend verabreicht werden kann. Sowohl ASS als auch Heparin können allerdings auch Blutungen auslösen, daher muss ein Arzt ihren Einsatz überwachen und den Nutzen gegen die möglichen Risiken abwägen.

Präparat schützt Lungenzellen vor Angriff der Viren

An Corona-Patienten getestet werden zudem verschiedene Präparate, die bereits als Lungenmedikamente eingesetzt werden: Wie zum Beispiel das Mittel Aviptadil des Schweizer Unternehmens Relief Therapeutics.

Das Medikament verhindert offenbar den Virenbefall bestimmter Zellen, die wichtig für den Sauerstoffaustausch in der Lunge sind. In einer Studie mit allerdings nur sehr wenigen Teilnehmern soll das Medikament die Überlebenswahrscheinlichkeit bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten um das Neunfache erhöht haben, wie „apotheke adhoc“ berichtete. In der EU ist die Behandlung seltener Lungenkrankheiten mit Aviptadil seit Jahren erlaubt. Eine Zulassung zur Behandlung von Corona-Patienten wurde noch nicht erteilt.

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Antikörpertherapien noch in der Entwicklung

Neu in der Entwicklung befinden sich sogenannte Antikörpertherapien. Antikörper bildet der Körper natürlicherweise bei einer Infektion mit dem Virus und sie helfen ihm, diesen zu bekämpfen. Werden Antikörper aus dem Blut von Covid-19-Patienten isoliert, lassen sich daraus Medikamente herstellen.

In den USA sind bereits zwei Antikörpertherapien zur Verhinderung schwerer Verläufe bei Risikogruppen zugelassen. US-Präsident Donald Trump hatte sogar vorab eine Behandlung mit Antikörpern erhalten, nachdem er sich mit Corona infiziert hatte. Allerdings gibt es auch Risiken bei dieser Form der Therapie: So können bestimmte Antikörper gefährliche, überschießende Reaktionen des Immunsystems auslösen. Anders als bei schon existierenden Medikamenten muss daher die Sicherheit der meisten Antikörpertherapien noch in Studien überprüft werden.

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