Virologin Brinkmann warnt: „Wir rauschen in ähnliche Situation wie im vergangenen Herbst“

Virologin Melanie Brinkmann spricht über den abflachenden Impf­fortschritt, die jungen Erkrankten und die Auswirkungen einer Durchseuchung für Kinder.

Virologin Melanie Brinkmann spricht über den abflachenden Impf­fortschritt, die jungen Erkrankten und die Auswirkungen einer Durchseuchung für Kinder.

Die Virologin Melanie Brinkmann warnt davor, die aktuelle Corona-Lage zu unterschätzen. „Lassen Sie es mich ganz klar sagen: Wir rauschen gerade in eine ähnliche Situation wie im vergangenen Herbst. Man wirft teilweise gute Maßnahmen über Bord bei noch zu geringer Impfquote – nur um in wenigen Wochen dann entsetzt festzustellen, dass das vielleicht doch keine allzu gute Idee war“, sagte sie im Interview mit der „Zeit“.

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Ein Lockdown sei eigentlich nicht mehr nötig, weil man wisse, was funktioniere: Masken, umfangreiches Testen, effiziente Kontakt­nachverfolgung und – zusätzlich zur Impfung – das strikte Einhalten der Quarantäne. „Eigentlich hätten wir alle Maßnahmen zusammen. Umso mehr beunruhigt es mich, wenn jetzt die ersten Bundesländer von diesen Maßnahmen abrücken, wenn hier und dort schon wieder alles aufgeweicht oder infrage gestellt wird“, so die Virologin.

Dabei sei die Wachstumskurve – zumindest was die Infiziertenzahl angeht – sogar noch steiler als vor einem Jahr. Entsprechend werde auch die Zahl der belegten Intensivbetten recht bald stark ansteigen, sagte die Virologin. Das bedeute zwar nicht, dass es zwangsläufig wieder einen Lockdown geben werde. Aber es werde wieder deutlich mehr Erkrankte und Tote geben. Mit einem deutlichen Unterschied zum vergangenen Jahr: „Es sind nicht mehr die 70- und 80-Jährigen, die auf den Intensiv­stationen liegen, sondern die 50-Jährigen und noch Jüngere. Also Menschen, die mitten im Leben stehen und eigentlich noch viele Jahre vor sich hätten“, so Brinkmann gegenüber der „Zeit“.

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Gefahr für ungeimpfte Kinder

Zudem weist Brinkmann auf die Gefahr für ungeimpfte Kinder hin, die von impfunwilligen Erwachsenen ausgehe: „Wenn man keine Masken mehr trägt, wenn man aufs Testen, Kontakt­nachverfolgung und Quarantäne verzichtet und dann gleichzeitig die ungeimpften Kinder in die Schulen schickt, dann werden sich diese Kinder unweigerlich zum Großteil infizieren – auf dem Schulweg, in der Schule oder am Nachmittag beim Spielen mit den Freunden“, sagt Brinkmann der „Zeit“. „Es könnten in Deutschland mehrere Hundert Kinder und Jugendliche im kommenden Winter ihr Leben verlieren, wenn die nicht geimpften Kinder und Jugendlichen durchseucht würden, was ich persönlich für vollkommen falsch hielte“, sagt Brinkmann.

Auch RKI-Chef Lothar Wieler prognostizierte am Mittwoch einen „fulminanten Verlauf“ für die vierte Welle, wenn die Impfquoten nicht steigen. Die Betroffenen auf den Intensiv­stationen würden immer jünger – und das liege vor allem daran, dass sich einige Menschen nicht impfen lassen.

RND/kb

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