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  • Corona-Krise und andere Krankheiten: Warum wir Lepra, Tollwut, Tuberkulose oder Ebola jetzt nicht vergessen sollten

Die Welt gegen Corona: So gefährlich ist es, wenn dabei andere Krankheiten aus dem Fokus geraten

  • Weltweit kämpft man gegen das Coronavirus - alle Hoffnung liegt auf den Impfstoffen.
  • Hilfsorganisationen warnen jetzt davor, dass andere bedrohliche Krankheiten wie etwa Lepra zunehmend aus dem Fokus gerieten.
  • Obendrein könnten die Corona-Maßnahmen zu zusätzlichen Infektionen mit eben jenen Krankheiten führen.
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Würzburg. Seit gut einem Jahr sind das neue Coronavirus Sars-CoV-2 und die damit verbundene Krankheit Covid-19 das Thema rund um den Globus. Millionen Menschen infizieren sich, viele sterben. Mut machen die kürzlich zugelassenen Impfstoffe - entwickelt im Rekordtempo von wenigen Monaten.

Die Pandemie und wir. Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Andere Krankheiten wie Tollwut, Malaria, Ebola, Tuberkulose und viele mehr sind seit Beginn der Corona-Pandemie aus dem Fokus geraten, obwohl ebenfalls etliche Millionen Menschen von ihnen betroffen sind - vor allem jenseits der Industrienationen. Auch Lepra gehört dazu. Ausgangsbeschränkungen und Unterbrechungen in der Gesundheitsversorgung könnten in den nächsten Jahren zu abertausenden zusätzlichen Infektionen führen, die es ohne Corona womöglich nie gegeben hätte, warnen Hilfsorganisationen weltweit. Medikamente fehlen vielerorts, coronabedingt kommt es zu Lieferengpässen.

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WHO: Mehr als 200.000 Lepra-Neuinfektionen in 2019

Jenifer Gabel von der Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) in Würzburg, deren Mitarbeiter seit 1957 gegen viele Armutskrankheiten aktiv sind, sagt: „Wir haben mit den Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Ausbreitung zu kämpfen, weil unsere Leute in vielen Ländern nicht mehr an die Menschen rankommen.“ Gerade in ärmeren Ländern sei die Lage kritisch. „Neue Fälle können wir nicht finden und dementsprechend nicht behandeln.“ Ein später Behandlungsbeginn bedeute, dass das Risiko einer bleibenden Behinderung steige. Frühzeitige Behandlungen mit einem Mix aus Antibiotika seien wichtig, um solche Schäden zu verhindern. „Das ist eine Riesensorge von uns“, sagt Gabel anlässlich des Welt-Lepra-Tages am 31. Januar.

Lepra wurde schon in der Bibel erwähnt und an Mumien im alten Ägypten nachgewiesen. Lepra-Bakterien zerstören die Haut und die Schleimhäute und befallen Nervenzellen. Der Erreger Mycobacterium leprae wird wahrscheinlich per Tröpfcheninfektion übertragen. „Eine Berührung allein führt noch nicht zu einer Infektion, der Kontakt muss eng und längerfristig sein“, erklärt Gabel. Die durchschnittliche Inkubationszeit betrage drei bis vier Jahre, manchmal aber auch bis zu 20 Jahre.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete für das Jahr 2019 mehr als 200.000 Neuinfektionen weltweit. Die Statistik für das Jahr 2020 wird wahrscheinlich weniger Fälle aufweisen, glauben die Experten beim Würzburger Hilfswerk. „Jedoch nicht, weil sich tatsächlich weniger Menschen infizieren, sondern weil coronabedingte Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren die Fallsuche zusätzlich erschweren.“ In Deutschland gilt Lepra seit den 1920er Jahren als ausgerottet.

Seit 20 Jahren wird an Lepra-Impfstoff gearbeitet

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Die Krankheit ist heilbar, aber etwa vier Millionen Menschen weltweit müssen mit teils schwersten Behinderungen leben - und mit Stigmatisierung. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) können nur fünf Prozent der Weltbevölkerung überhaupt erkranken, der Rest ist immun. Bei mehr als jedem zehnten Menschen wird die Krankheit so spät entdeckt, dass körperliche Schäden bestehen bleiben.

Bei Mathias Duck wurde 2010 Lepra diagnostiziert. Heute gilt er als geheilt. Der Theologe mit deutschen Wurzeln lebt in Paraguay und leitet bei der internationalen Vereinigung der Lepra-Hilfswerke (Ilep) den Ausschuss der Lepra-Betroffenen. „Ich möchte keine Krankheit gegen die andere ausspielen“, sagt der 42-Jährige. Aber vernachlässigte Krankheiten wie Lepra müssten wieder sichtbarer werden, trotz Corona und seinen massiven Folgen für das gesellschaftliche Leben in vielen Ländern.

Kein Impfstoff gegen Lepra - Tests wegen Corona verschoben

„Es geht denen, die Macht, Geld und das Sagen haben, derzeit an die Haut“, fasst der dreifache Vater die Pandemie-Auswirkungen zusammen. Weil von Corona alle Gesellschaftsschichten gleichermaßen betroffen seien, sei sehr viel Geld investiert worden, um gegen die Krankheit Covid-19 ein Mittel zu finden. „Wir brauchen diesen Impfstoff gegen Corona“, sagt Duck, das sei keine Frage. Aber es sei schon verwunderlich, dass es gegen Lepra auch nach Jahrzehnten noch keinen Impfstoff gebe.

RND/dpa

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