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Ende der kostenlosen Bürgertests: Droht bald eine höhere Dunkelziffer?

  • Das Ende der kostenlosen Bürgertests rückt näher: Ab dem 11. Oktober sollen Schnelltests für jeden kostenpflichtig werden.
  • Befürchtet wird, dass sich nun weniger Menschen testen lassen.
  • Ist in Zukunft also mit einer höheren Dunkelziffer an Infektionen zu rechnen?
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Einmal pro Woche kann sich jeder mit einem Schnelltest auf das Coronavirus testen lassen, doch nicht mehr lange: Ab dem 11. Oktober fallen dafür Kosten von bis zu 25 Euro an. Zu erwarten ist, dass sich nun weniger Menschen testen lassen. Was bedeutet das für das Infektionsgeschehen?

Die Abschaffung der kostenlosen Bürgertests war politisch umstritten: Die Oppositionsparteien FDP, Grüne, Linke und AfD hatten sich gegen den Beschluss der Bundesregierung ausgesprochen. Nicht nur würden Ungeimpfte dadurch ausgeschlossen, sondern es sei auch zu befürchten, dass sich weniger Menschen testen ließen und Infektionen nicht mehr erkannt würden, so die Kritik.

Klar ist: Die Hürden, sich testen zu lassen, werden in Zukunft höher. Und zwar nicht nur deshalb, weil Symptomlose für einen Schnelltest künftig selbst aufkommen müssen. Sondern auch, weil Testzentren bereits ankündigen, zu schließen, es also auch weniger Gelegenheiten geben wird, sich testen zu lassen.

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Weiterhin erhältlich sind zwar Selbsttests für zu Hause, die nur einige Euro kosten. Es ist aber fraglich, ob diese im privaten Umfeld genauso häufig eingesetzt werden wie bisher die professionellen Schnelltests. Diese wurden von vielen Ungeimpften genutzt, um Zugang zu 3G-Veranstaltungen oder der Innengastronomie zu erhalten – mit einem Selbsttest ist dies nicht möglich.

Test weiter niedrigschwellig anbieten

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Auch Hajo Zeeb vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie glaubt, dass sich durch den Wegfall der kostenlosen Tests weniger Menschen testen lassen: „Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass bei höheren Kosten/Schwellen für Tests die Zahl heruntergehen wird und Personen mit Vermutungen oder milden Symptomen, die vielleicht bisher einen kostenfreien Test gemacht haben, dies seltener tun“, sagte Zeeb gegenüber dem Redaktions­Netzwerk Deutschland.

Infektionen, die durch freiwillige Tests bei Personen mit asymptomatischem Krankheitsverlauf erkannt würden, machten aber ohnehin einen eher geringen Anteil an der Statistik aus. Die meisten Infektionen würden bei „anlassbezogenen“ Tests erkannt, also durch Tests bei Personen mit typischen Symptomen oder bei regelmäßigen verpflichtenden Tests in Schulen oder bei der Arbeit.

Zeeb erwartet daher „nur einen geringen Effekt auf Inzidenzdaten“, wenn die kostenlosen Bürgertests wegfallen. Wichtig sei aber in jedem Fall, so der Experte, dass die Tests auch in Zukunft nicht zu teuer sind: „Die Barrieren sollten nicht zu hoch sein, Tests müssen weiterhin kostengünstig verfügbar sein. Sonst geht es schnell in den Bereich der Dunkelziffer.“

Ähnlich sieht es auch Alexander Kekulé. Der Virologe ist Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie an der Universität Halle und ehemaliger Berater der Bundesregierung für biologischen Bevölkerungsschutz. In seinem MDR-Podcast „Kekulés Corona-Kompass“ sagte er, es sei wichtig, Tests nach wie vor „sehr, sehr niedrigschwellig“ anzubieten, weil sich „die Leute sonst einfach nicht mehr testen lassen“. Als Epidemiologen gefalle ihm diese Aussicht nicht, weil man dann „keinen Überblick mehr habe“.

Schnelltests statistisch nicht erfasst

Wie viele Infektionen genau bisher durch die kostenfreien Schnelltests erkannt wurden, ist der Statistik des Robert Koch-Instituts nicht zu entnehmen, darin werden nur positive PCR-Tests gezählt. Getesteten mit einem positiven Schnelltestergebnis wird zwar empfohlen, im Anschluss einen PCR-Test zu machen; fällt dieser positiv aus, werden sie statistisch erfasst. Es lässt sich aber nicht ableiten, in wie vielen Fällen bei einem positiven PCR-Test ein vorheriger Schnelltest zur Entdeckung der Infektion geführt hat.

In welchem Ausmaß die Dunkelziffer unerkannter Infektionen tatsächlich zunehmen wird, lässt sich also nicht genau vorhersagen. Kostenlose Tests galten allerdings lange als wichtiges Instrument, um einen Überblick über das Infektionsgeschehen zu behalten.

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Eine besonders hohe Testquote hat Dänemark vorzuweisen, wo inzwischen alle Corona-Maßnahmen aufgehoben wurden. In Dänemark wurden laut Statista bisher rund 14,4 Millionen Tests pro Million Einwohnerinnen und Einwohner durchgeführt, mehr als in sämtlichen anderen europäischen Ländern. Das Nachbarland hatte auf die breite Anwendung von Tests als zusätzliche Strategie zu Impfungen gesetzt. Die Tests waren bis zuletzt kostenlos geblieben.

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