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Mehr Auffrischimpfungen nötig

Corona-Sommerwelle mit BA.5? Virologe: „Jetzt mit den Impfungen beginnen“

Impfen und Masken bleiben auch in diesem Corona-Sommer und -Herbst wichtig.

Erst Alpha, Delta, dann der Omikron-Subtyp BA.1, auf den schließlich BA.2 folgte: Das Coronavirus hat sich schon oft auf besorgniserregende Weise verändert. Mitten im Sommer verbreitet sich nun erneut schleichend eine neue Variante: die Omikron-Linie BA.5. In Portugal hat sie sich innerhalb kürzester Zeit durchgesetzt und die Infektionszahlen nach oben getrieben. Auch mehr Tote und Schwerkranke gab es dort plötzlich wieder.

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Auch in Deutschland breitet sich BA.5 seit einigen Wochen aus – wenn auch noch auf niedrigem Niveau. Das könnte sich aber schnell ändern. Corona-Experten und -Expertinnen befürchten schon im Sommer eine neue Infektionswelle. „Unsere Prognosen sehen trotz der Unsicherheiten derzeit einen Wiederanstieg der Infektionszahlen, die vermutlich zu einer neuen Welle im Sommer führen werden“, sagt Anita Schöbel, die das Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik der Fraunhofer-Gesellschaft leitet und Pandemieverläufe modelliert.

Die Corona-Welle kommt – im Sommer oder Herbst

„Es sieht so aus, als würde BA.5 das Infektionsgeschehen übernehmen – wenn nicht eine noch fittere Variante bis zum Herbst auftaucht“, sagt auch der Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften. Ob die Welle schon im Spätsommer beginnt, sei zwar noch offen. „Auf jeden Fall aber wird es wieder eine Welle zur Herbst- und Wintersaison geben, und das bedeutet, dass wir uns darauf vorbereiten sollten.“

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Wir müssen uns darauf einstellen, mit steigenden Neuinfiziertenzahlen auch steigende Hospitalisierungs- und Todesraten zu sehen.

Timo Ulrichs,

Epidemiologe

Ulrichs pocht darauf, den Impfschutz in der Bevölkerung zu verbessern. „Alle, die bereits dreimal geimpft sind, haben nur ein sehr geringes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe“, erläutert der Corona-Experte. „Alle anderen sollten jetzt im Sommer mit den Impfungen beginnen oder eine Auffrischung anstreben.“ Auch Viert- und Fünftimpfungen seien sinnvoll, gerade für Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf. In Deutschland gebe es leider eine zu niedrige Impfquote, gerade bei den über 60-Jährigen. „Also müssen wir uns darauf einstellen, mit steigenden Neuinfiziertenzahlen auch steigende Hospitalisierungs- und Todesraten zu sehen.“

Laut dem RKI-Impfquotenmonitoring haben bislang nur rund 60 Prozent der Bevölkerung eine erste Auffrischimpfung erhalten. Die Ständige Impfkommission empfiehlt über 70-Jährigen bereits seit Februar zudem eine zweite Booster-Dosis – bei ihnen gibt es ebenfalls noch große Impflücken. Großer Andrang bei den Impfzentren, Stationen und in den ärztlichen Praxen bleibt seit Monaten aus. Nur noch wenige lassen sich momentan impfen.

Immunschutz auf der Kippe – vor allem bei Genesenen

Gerade mit BA.5 wird die Impflücke aber zum Problem. Denn diese Omikron-Linie umgeht den Immunschutz Genesener und Geimpfter noch einmal mehr als bisherige Omikron-Varianten. „Alle, die bereits eine Omikron-Infektion hatten, können sich nicht auf einen daraus resultierenden Immunschutz verlassen“, betont Ulrichs. „Eine vorher durchgemachte Infektion schützt also leider nur sehr wenig.“ Viel sicherer sei ein vollständiger Impfschutz. Auch wenn inzwischen klar ist, dass relevante Antikörper auch nach einer Auffrischimpfung mit der Zeit wieder abnehmen und BA.5 auch das Schutzlevel Geimpfter sinken lässt, bleibt das Risiko eines schweren Covid-19-Verlaufs minimiert.

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Wieder mehr Impfungen sind auch mit Blick auf den Herbst wichtig. Der Corona-Expertenrat hat diese Woche neben dem Fortlaufen von Omikron-Linien ein noch ungünstigeres Szenario beschrieben, das ebenfalls denkbar wäre: Eine neue Virusvariante könnte auftauchen, die anders als BA.5 auch noch eine erhöhte Krankheitsschwere mit sich bringt. Schwere Covid-Verläufe könnten dann auch bei Geimpften ohne Zusatzimpfung auftreten.

„Die verbleibende Impflücke und die abnehmende Immunität im Laufe der Zeit, die fortschreitende Virusevolution und die Krankheitsaktivität durch andere Atemwegserreger werden das Gesundheitssystem und die kritische Infrastruktur im Herbst/Winter wahrscheinlich erneut erheblich belasten“, heißt es in einer Stellungnahme vom Mittwoch.

Vor diesem Hintergrund raten Corona-Expertinnen und -Experten schon jetzt dazu, auch im Sommer vorsichtig zu bleiben. „Jeder Einzelne kann sich und andere durch das Tragen von Masken schützen“, betont Modelliererin Schöbel. „Das ist schon jetzt sinnvoll und wird bei einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen wieder einer zunehmend wichtigere Maßnahme.“ Masken tragen und Abstände einhalten – um die zu schützen, die besonders gefährdet sind, das befürwortet auch Ulrichs. Dabei verweist er auch auf die Risiken von Long Covid.

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