Neue Corona-Studie: Kinder wohl nicht die Treiber der Pandemie

  • Unikliniken in Baden-Württemberg haben eine neue Corona-Studie zur Infektiosität von Kindern veröffentlicht.
  • Nach den ersten Studienergebnissen würden Kinder anscheinend nicht nur seltener krank, sondern sie seien wohl auch seltener mit dem Coronavirus infiziert als Erwachsene.
  • Weniger als ein Drittel der untersuchten Personen mit Antikörpern waren Kinder.
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Stuttgart. Welche Rolle spielen Kinder bei der Übertragung des Coronavirus? Zu dieser Frage haben die Unikliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm wochenlang geforscht – und diese Frage spielt auch eine entscheidende Rolle bei der Wiedereröffnung von Kitas und Grundschulen im Land.

Am Dienstag hat die grün-schwarze, baden-württembergische Landesregierung gemeinsam mit Vertretern der Universitätskliniken in Ulm und Heidelberg die Ergebnisse einer Studie zu Kindern vorgestellt. Die Ergebnisse der Untersuchung weisen darauf hin, dass Kinder nicht die Treiber der Corona-Pandemie sind.

2500 Kinder und je ein Elternteil getestet

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Nach den ersten Studienergebnissen würden Kinder anscheinend nicht nur seltener krank, sondern sie seien wohl auch seltener mit dem Coronavirus infiziert als Erwachsene. So fiel auf, dass das Ausbreitungsrisiko bei Kindern in Notbetreuung nicht erhöht zu sein schien im Vergleich zu den Jungen und Mädchen, die zu Hause betreut wurden.

Für die Studie wurden vom 22. April bis 15. Mai etwa 5000 Menschen, die keine Symptome hatten, auf das Virus und auf Antikörper getestet, darunter 2500 Kinder unter zehn Jahren und je ein Elternteil. Bei 45 Erwachsenen und 19 Kindern fanden die Mediziner Antikörper gegen den Sars-CoV-2-Erreger. Demnach sind weniger als ein Drittel der auf Antikörper positiv getesteten Personen Kinder.

"Zu beachten ist jedoch, dass die Ergebnisse nicht unmittelbar auf die Gesamtbevölkerung übertragbar sind, da die Teilnehmer sich zwecks eines schnellen Studienstarts auf einen Aufruf gemeldet haben und nicht zufällig ausgewählt worden sind“, sagte Prof. Hans-Georg Kräusslich, Sprecher des Zentrums für Infektiologie am Universitätsklinikum Heidelberg.

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Gründe für geringeres Erkrankungsrisiko weiterhin unklar

Klaus-Michael Debatin, Ärztlicher Direktor der Kinderklinik am Universitätsklinikum Ulm, nannte „Corona eine Pandemie, die wir so bisher nicht gekannt haben“. Es gebe laufend neue Erkenntnisse, die zum Teil nicht zu erwarten gewesen seien. Dass Kinder für Sars-CoV-2 nicht die hohen Infektionsträger sind, wie nachgewiesenermaßen bei anderen Infekten, habe noch keine geklärte Ursache.

Mögliche Gründe seien, dass sie weniger Rezeptoren haben, an die das Virus andocken kann, dass sie über ein stärkeres Immunsystem im Nasen-Rachen-Raum verfügen, und stärkere sogenannte T-Zellen haben, die für die Immunabwehr wichtig sind. Auffällig sei auch, dass Kindern keine überschießende Entzündungsreaktion entwickeln wie Erwachsene mit schweren Krankheitsverläufen. „Womöglich können wir von Kindern etwas lernen, das bei der Behandlung helfen kann“, sagte der Experte.

RND/dpa/lb/epd

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