Inzidenz unter 20? Warum dieser Sommer anders als 2020 ist

  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will als Zielmarke für einen unbeschwerten Sommer eine Inzidenz unter 20 anstreben.
  • Der Grund: Man müsse sich an den Zahlen vom letzten Sommer orientieren.
  • Doch die aktuelle Corona-Lage ist nicht mit der im vergangenen Jahr zu vergleichen.
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Berlin. Jens Spahn (CDU) hat als Zielvorgabe für die nächsten Monate eine Inzidenz von unter 20 ins Spiel gebracht. Gegenüber der „Bild am Sonntag“ hatte der Bundesgesundheitsminister gesagt, für „einen unbeschwerten Sommer“ müsse man die Inzidenz weiter senken, dabei seien ähnliche Werte wie im vergangenen Sommer anzustreben.

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Die Sieben-Tage-Inzidenz war im letzten Sommer tatsächlich äußerst niedrig gewesen. Sie lag nicht nur unter 20, sondern im Mai, Juni und Juli mehrere Wochen lang sogar unter fünf und bis September unter zehn Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner. Erst im Oktober begann die Zahl der Neuinfektionen wieder deutlich zu steigen. Es hatte im Sommer nur wenige Krankenhauseinweisungen und kaum Todesfälle gegeben, an einigen Tage wurde kein einziger Sterbefall im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet.

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Für die niedrige Infektionsrate im vergangenen Sommer waren dabei auch die Temperaturen verantwortlich: Bei Sonnenschein und Hitze hat es das neuartige Coronavirus schwerer, sich auszubreiten. Dazu kommt, dass Menschen sich im Sommer deutlich mehr im Freien aufhalten, wo die Ansteckungsgefahr um ein Vielfaches niedriger ist.

Mehr symptomlose Fälle entdeckt als im vergangenen Jahr

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Derzeit wird eine bundesweite Inzidenz von 58 gemeldet, Ende Mai 2020 waren es vier Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Infektionsgeschehen mehr als zehnmal so schlimm wäre. In diesem Jahre wird deutlich mehr getestet als noch im Frühjahr und Sommer zuvor. Wurden Anfang bis Mitte Mai vergangenen Jahres laut den RKI-Situationsberichten noch 300.000 bis 400.000 Tests pro Woche durchgeführt, waren es in diesem Jahr 1 bis 1,2 Millionen.

Erfasst werden dadurch nun auch immer mehr symptomlose Infektionen Jüngerer, die sonst übersehen würden, weil sie kaum zu Beschwerden führen. Durch die Massentestungen in Schulen werden zum Beispiel Infektionen bei ansonsten gesunden Schülern entdeckt, die selten schwer erkranken: Nur 0,4 Prozent der Intensivpatienten sind unter 20 und nur 0,02 Prozent der an und mit Corona Verstorbenen waren unter 20 Jahre alt, die meisten von ihnen hatten Vorerkrankungen.

Intensivstationen im Sommer

Obwohl die Inzidenz heute gut 14-mal höher liegt als noch vor einem Jahr, ist daher die Belegung der Intensivstationen nur etwas mehr als dreimal so hoch. Momentan werden deutschlandweit laut Divi-Intensivregister 3237 Intensivpatienten mit Covid-19 behandelt, vor einem Jahr waren es 990 gewesen. In jedem Fall nimmt die Belegung der Intensivstationen auch in diesem Jahr zum Ende des Frühjahrs hin deutlich ab, eine Überlastung ist während der Sommermonate wohl nicht zu befürchten.

Inzidenz 20 könnte Verschärfung der Maßnahmen bedeuten

Insgesamt ist in den kommenden Wochen schon deshalb mit einer weiterhin sinkenden Zahl schwerer Fälle und Todesfälle zu rechnen, weil immer mehr Menschen mit einer erhöhten Gefährdung für schwere Verläufe geimpft sind. Sommerliche Temperaturen dürften dann zusätzlich noch dazu beitragen, dass der Erreger weniger stark zirkuliert.

Das Infektionsschutzgesetz schreibt derzeit keine einheitlichen Maßnahmen bei Inzidenzen unter 35 vor. Allerdings wurde aus Spahns Äußerungen auch nicht klar, ob der Minister vorhat, Beschränkungen bis zu einer Inzidenz von 20 aufrechtzuerhalten – oder solche Werte eben lediglich „anzustreben“.

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