Inzidenz 35: Diese Faktoren lassen die Corona-Zahlen immer weiter sinken

Covid-19-Dashboard des Robert Koch-Instituts am 31. Mai 2021: Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 35,1.

Der Sommer naht und die Corona-Zahlen sinken immer stärker. Dass die Inzidenzen saisonalen Schwankungen unterliegen, hatte sich bereits im vergangenen Jahr gezeigt: So war das Infektionsgeschehen im Sommer 2020 beinahe zum Erliegen gekommen. Ein ähnlicher Trend war auch in Nachbarländern wie Frankreich, den Niederlanden oder der Schweiz zu beobachten. Auch dort waren die Zahlen vom Frühjahr zum Sommer hin deutlich gesunken. Und auch dort scheint sich der Trend in diesem Jahr zu wiederholen.

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Das liegt zum einen am Wetter. Bei Hitze und Sonnenschein kann sich der Erreger nicht so leicht ausbreiten, UV-Strahlung kann die Hülle des Virus zerstören. Auch halten sich die Menschen in den warmen Monaten öfter im Freien auf, wo die Ansteckungsgefahr um ein Vielfaches geringer ist. Zudem ist die Luftfeuchtigkeit im Sommer höher, was ebenfalls die Ausbreitung des Erregers zu hemmen scheint.

Forschende des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (Tropos) und des CSIR-National Physical Laboratory in New Delhi fanden heraus, dass sich das Virus bei hoher Luftfeuchtigkeit nicht so leicht überträgt. So scheiden Infizierte beim Atmen oder Sprechen Aerosole aus, kleine Feuchtigkeitspartikel, die das Virus enthalten können. Bei Trockenheit schweben diese Partikel für längere Zeit in der Raumluft und können von nicht Infizierten eingeatmet werden. Bei hoher Luftfeuchtigkeit sinken sie schneller zu Boden, die Ansteckungsgefahr ist also geringer.

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Effekt der Impfungen macht sich bemerkbar

Nicht zuletzt funktioniert die körpereigene Abwehr im Winter weniger gut als im Sommer. Durch trockene Heizungsluft können in den kalten Monaten die Schleimhäute gereizt sein, wodurch sich das Virus leichter in den Atemwegen festsetzen kann.

Abnehmende Inzidenzen bei steigenden Temperaturen waren also auch in diesem Jahr zu erwarten gewesen. Zusätzlich macht sich ein Effekt der Impfungen bemerkbar. Die Inzidenzen sind in den höheren Altersgruppen, in denen viele Menschen geimpft wurden, besonders gering. In der Hauptrisikogruppe ab 80 Jahren liegt die Inzidenz bei 14, bei den 60- bis 79-Jährigen bei 17. Sie ist bei Senioren damit weniger als halb so hoch wie im Bevölkerungsschnitt.

Eine eher geringe Wirksamkeit scheinen hingegen die Maßnahmen der Bundesregierung, wie Schul- und Geschäftsschließungen oder Ausgangssperren gehabt zu haben. Das geht aus dem aktuellen Bericht der Covid-19-Data-Analysis Group (Codag) der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) hervor.

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Einfluss von Maßnahmen eher gering

Demnach war der R-Wert schon vor dem Inkrafttreten der Bundesnotbremse erkennbar abgefallen. Der R-Wert gibt an, wie viele weitere Personen Infizierte durchschnittlich anstecken, woraus sich wiederum ableiten lässt, wie schnell sich das Virus verbreitet. Anders als die Inzidenz oder die absolute Zahl der gemeldeten Neuinfektionen wird der R-Wert dabei kaum durch andere Faktoren wie die Testhäufigkeit verzerrt, wie die Forschenden der LMU betonen.

Dass der R-Wert schon vor der Bundesnotbremse abgefallen war, bedeute, dass die ergriffenen Maßnahmen den Verlauf des Infektionsgeschehens „durchaus positiv beeinflusst haben könnten, jedoch nicht allein ursächlich für den Rückgang verantwortlich sind“ heißt es im Bericht der Codag-Forschergruppe. Bei den R-Werten ergebe sich seit September „kein unmittelbarer Zusammenhang mit den getroffenen Maßnahmen – weder mit dem Lockdown-Light am 2. November und der Verschärfung am 16. Dezember 2020, noch mit der ‚Bundesnotbremse‘, die Ende April 2021 beschlossen wurde“. Im Umkehrschluss würde das zudem bedeuten: Auch wenn jetzt bundesweit oder regional Maßnahmen aufgehoben werden, dürften die Zahlen weiterhin sinken.

Inzidenzen immer weniger aussagekräftig

Die Inzidenzen liegen hierbei aktuell immer noch höher als im vergangenen Sommer. So waren Ende Mai 2020 vier Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner gemeldet worden, in diesem Jahr sind es rund 35. Allerdings ist für die nächsten Wochen bei sommerlichem Wetter ein weiteres Absinken zu erwarten.

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Ohnehin ist die Lage nur bedingt mit der im vergangenen Jahr zu vergleichen. Pro Woche werden derzeit bis zu viermal mehr Tests durchgeführt als im Mai 2020, laut RKI nämlich eine bis 1,2 Millionen pro Woche. Dadurch werden auch viele Infektionen jüngerer, ansonsten gesunder Personen erkannt und mitgezählt, obwohl diese nur selten zu schweren Verläufen und Krankenhausaufenthalten führen.

Die reine Inzidenz ist wegen der Impfung der Risikogruppen immer weniger als Maßstab für die Schwere des Infektionsgeschehens geeignet. Das zeigt sich auch an der Auslastung der Krankenhäuser. Obwohl die Inzidenz heute fast neunmal höher liegt als noch vor einem Jahr, ist die Belegung der Intensivstationen nur etwas mehr als dreimal so hoch: Momentan werden deutschlandweit laut Divi-Intensivregister 2450 Intensivpatienten mit Covid-19 behandelt, vor einem Jahr waren es 701. Für den Sommer ist bei weiterhin sinkenden Inzidenzen noch mit einer weiteren Abnahme der schweren Verläufe und Todesfälle zu rechnen. Durch weitere Impfungen der Risikogruppen dürfte sich der Effekt noch verstärken.

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