Corona-Infektion bei vollständig Geimpften: So selten ist ein Impfdurchbruch

  • Weil die Corona-Impfstoffe keinen hundertprozentigen Impfschutz bieten, kann es zu sogenannten Impfdurchbrüchen kommen.
  • Vollständig Geimpfte können sich also unter Umständen trotzdem mit dem Virus infizieren und erkranken.
  • Das Risiko dafür ist allerdings sehr gering.
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Seit dem 1. Februar 2021 sind in Deutschland insgesamt 8715 Impfdurchbrüche aufgetreten, berichtet das Robert Koch-Institut in seinem wöchentlichen Lagebericht vom 5. August. Als Impfdurchbruch wird eine symptomatische Corona-Infektion bezeichnet, die bei einer vollständig geimpften Person diagnostiziert wurde. Ein vollständiger Impfschutz setzt laut der Behörde dann ein, wenn nach zweimaliger Impfung – beziehungsweise nach einmaliger Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson – mindestens zwei Wochen vergangen sind.

Mit 5742 Fällen entfielen die meisten Impfdurchbrüche auf die Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen, gefolgt von den über 60-Jährigen (2929 Fälle) und den unter 18-Jährigen (44 Fälle). Die Zahlen klingen im ersten Moment beunruhigend, sie müssen aber in Relation gesetzt werden.

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RKI schätzt Impfstoffwirksamkeit auf knapp 90 Prozent

Von Februar bis August hat das RKI insgesamt 1.023.227 symptomatische Covid-19-Fälle in Deutschland erfasst. Darunter waren 8715 Fälle, in denen Menschen erkrankten, obwohl sie vollständig geimpft waren. Das entspricht einem Anteil von rund 0,85 Prozent. Das bedeutet: Das Risiko eines Impfdurchbruches ist sehr gering.

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Die Corona-Impfstoffe bieten zwar keinen hundertprozentigen Schutz, aber sie weisen dennoch eine hohe Wirksamkeit auf. Das RKI schätzt die Impfeffektivität im Zeitraum vom 1. Februar bis 1. August 2021 für die Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen auf rund 88 Prozent, bei den über 60-Jährigen auf etwa 87 Prozent.

„Da die Angaben zu den Impfungen der Covid-19- Fälle teilweise unvollständig sind und somit eine Untererfassung der geimpften Covid-19-Fälle wahrscheinlich ist, wird die Wirksamkeit der Impfstoffe eher überschätzt”, heißt es dazu im RKI-Bericht. „Die hier aufgeführten Werte müssen daher mit Vorsicht interpretiert werden und dienen vor allem der Einordnung der Impfdurchbrüche und einer ersten Abschätzung der Impfeffektivität.”

USA verzeichnen 6587 Impfdurchbrüche

Auch in den USA sind bereits Impfdurchbrüche aufgetreten. Bis zum 26. Juli verzeichneten die Centers for Disease Control and Prevention 6587 Patientinnen und Patienten, die trotz vollständiger Impfung im Krankenhaus wegen Covid-19 behandelt werden mussten oder im Zusammen­hang mit der Krankheit gestorben sind. 74 Prozent von ihnen (4868 Menschen) waren über 65 Jahre alt, 19 Prozent der Betroffenen (1263 Menschen) starben.

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USA wollen Impfung zur Voraussetzung für Einreise machen
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Die US-Regierung will Medienberichten zufolge künftig von fast allen einreisenden Ausländern den Nachweis einer vollständigen Corona-Impfung verlangen.  © dpa

Die Behörde ist sich sicher: „Es wird immer einen kleinen Prozent­satz von vollständig geimpften Menschen geben, die trotzdem krank werden, ins Kranken­haus eingeliefert werden oder an Covid-19 sterben.”

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Studie aus Israel: Gehen Impfdurchbrüche mit Long Covid einher?

Dass es überhaupt zu Impfdurchbrüchen kommt, überrascht Prof. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, nicht. „Wir haben immer damit gerechnet”, sagte sie Ende Juli im NDR-Podcast „Coronavirus-Update”. Es gebe in der Medizin nie eine hundertprozentige Sicherheit, so auch bei den Corona-Impfungen.

Die Virologin verwies auf eine israelische Studie, die im Fachmagazin „New England Journal of Medicine” erschienen ist. In dieser hatten sich 39 von knapp 1500 Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeitern trotz vollständiger Impfung mit dem Coronavirus infiziert. In den meisten Fällen sei die Infektion mild oder sogar asymptomatisch verlaufen. Aber: „In dieser Studie hatten 19 Prozent dieser Personen, also fast jeder fünfte, über sechs Wochen Symptome im Sinne von Long Covid”, sagte Ciesek. Es brauche nun weitere Studien, die diese Beobachtung genauer untersuchen.

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Zudem vermutet die Corona-Expertin, dass die Zahl der Impfdurchbrüche in Deutschland mit dem zunehmenden Infektionsgeschehen steigen könnte. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass Geimpfte auf Infizierte treffen, nehme zu, je mehr Menschen sich in der Bevölkerung infizieren. „Das wird die nächsten Jahre wahrscheinlich mehrmals passieren”, prognostizierte sie. „Und das Ziel ist es ja, dass dann das Immunsystem möglichst schnell anspringt und [der Kontakt mit dem Virus, Ergänzung d. Red.] nur zu einer ganz leichten und kurzen Infektion führt und dann danach natürlich wieder ein Antikörperbooster stattgefunden hat, sodass man wieder gut geschützt ist.”

Wir haben diesen Artikel am 6. August 2021 umfassend aktualisiert.

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